Klinik-Schließung: Kein Vertrauen mehr zu Heilbronn

Künzelsau  Der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann wehrt sich gegen Vorwürfe, er würde nicht um das Krankenhaus in der Stadt kämpfen. Neumann favorisiert eine Kooperation mit Diak oder Caritas.

Von Thomas Zimmermann

Neumann: Kein Vertrauen mehr in Holding
Laute Buhrufe und Pfiffe gab es für Bürgermeister Stefan Neumann, der seine Position darstellte und sich an diesem Abend ziemlich einsam vorkommen musste. Foto:  Reichert, Ralf

Stefan Neumann ist betroffen. Die Pfiffe gegen seine Person bei der Demonstration am Mittwoch haben Spuren hinterlassen. Und er fühlt sich von der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken hintergangen

"Ich habe kein Vertrauen mehr zu den Heilbronnern. Wenn es noch eine gute Lösung gibt, dann nur mit den Partnern Diak oder Caritas", wird der Künzelsauer Bürgermeister deutlich.

Neumann steht zu Beschluss des Kreistags

"Ich stelle klar, dass ich für den Erhalt des Krankenhauses gekämpft habe", betont Stefan Neumann gestern in einem offenen Brief als Reaktion auf die Pfiffe und Buhrufe bei seinem Demo-Auftritt am Mittwochabend gegen die Klinikschließung.

Die Stimmung war aufgeheizt, die Wut der Menschen deutlich zu spüren. Von seinem Standpunkt, den Kreistagsbeschluss vom 30. September mitzutragen, der die Schließung der Künzelsauer Klinik vorsieht, um an Fördermittel zu kommen, gleichzeitig aber weitere Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung vor Ort prüft, rückt Neumann nicht ab.

Emotionen hautnah gespürt

Neumann: Kein Vertrauen mehr in Holding
Viel Applaus gab es für die Worte von Gudrun Schickert und Andreas Eckle, die den Protest organisieren. Zur dritten Demonstration waren am Mittwochabend 300 Bürger vor die Klinik gekommen. Foto:  Reichert, Ralf

"Das ist mir schon nahegegangen", gibt Neumann zu. "Es ist auch etwas anderes, wenn man die Emotionen hautnah spürt", erklärt der Künzelsauer Bürgermeister nach der dritten Protestveranstaltung gegen das drohende Aus der Künzelsauer Klinik.

"Wir sind in einer sehr verfahrenen Situation unserer beiden Krankenhäuser. Sie stehen buchstäblich mit dem Rücken zur Wand", rechtfertigt sich Neumann. Denn die Politik von Krankenkassen und Land richte sich klar gegen den Erhalt der kleinen Häuser.

"Da der Landkreis nur Minderheitengesellschafter bei der Regionalen Gesundheitsholding ist, sind wir auf eine Lösung oder eine Loslösung von Heilbronn angewiesen", betont Neumann.

Gespräche über mögliche Bürgerinitiative

Er verweist darauf, dass das Land nur Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds in Aussicht stellt, wenn auch grundlegend in die Strukturen eingegriffen wird. Konkret: Von den zwei Klinik-Standorten im Kreis darf nur noch einer übrig bleiben. Noch im März hatten sich Neumann und der Kreistag dagegen klar für den Erhalt beider Häuser ausgesprochen.

"Ich kann ja verstehen, dass die Menschen das schwer nachvollziehen können. Ich habe im Kreistag jetzt für den Antrag gestimmt, damit überhaupt Mittel zur Verfügung gestellt werden können, die zwingend gebraucht werden", so der Bürgermeister. Nun hofft er auf eine Lösung von außen.

Derzeit führt der Hohenloher Landrat Matthias Neth Verhandlungen mit dem Diak Krankenhaus in Schwäbisch Hall. "Unterstützen wir ihn, indem am Mittwoch nicht nur 300, sondern 1000 zur Demo erscheinen", ruft Neumann die Bürger auf, Stellung zu beziehen. Damit rennt er bei den Organisatoren offene Türen ein. "Wir überlegen, ob wir eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Klinik ins Leben rufen", erklärt Andreas Eckle.

Den gesamten offenen Brief von Bürgermeister Stefan Neumann gibt es hier auf der Seite der Stadt Künzelsau.

 

Jendges widerspricht Eckles Äußerung

Die Menge horchte auf, als Andreas Eckle bei der Klinik-Demo am Mittwoch folgenden Satz sagte: „Wenn die Öhringer aus ihren Laga-Träumen erwacht sind, sollten sie mal klären, ob es stimmt, dass der Holding-Geschäftsführer Jendges in der Aufsichtsratssitzung am 6. Oktober gesagt hat, dass es in Öhringen kein neues Krankenhaus geben wird, sondern einen ,Gesundheitscampus’ mit einem medizinischen Versorgungszentrum und 80 Betten.“ So sei er aus dem Kreis Heilbronn informiert worden.

Die Hohenloher Zeitung fragte am Donnerstag im Büro von Thomas Jendges nach, seine Sprecherin Ina Armbruster übermittelte folgende Antwort: „Das ist falsch.“ Diese Aussage sei so nie gefallen. Eckle warb auch dafür, die Idee des Bürgerspitals in Einbeck aufzunehmen, um das Krankenhaus in Künzelsau erhalten zu können. Das würde die Holding überflüssig machen.

Die Heilbronner SLK-Kliniken bilden derzeit mit dem Hohenloher Krankenhaus die Regionale Gesundheitsholding Heilbronn-Franken. Verhandlungen laufen, das muss der Holding doch gehörig gegen den Strich gehen, oder? Dazu ließ Jendges ausrichten: „Ich gehe davon aus, dass die Holding weiter der präferierte Partner für das Hohenloher Krankenhaus sein wird.“ rei