Keine Ausnahme für Künzelsauer Klinik

Hohenlohe/Stuttgart  Das Hohenloher Krankenhaus soll künftig nur am Standort Öhringen erhalten bleiben. Eine Abordnung aus dem Hohenlohekreis hat vergeblich bei Gesundheitsminister Lucha um das Krankenhaus in Künzelsau geworben.

Von unserer Redakteurin Barbara Griesinger

Kein Erbarmen mit Künzelsauer Klinik

Für kleine Krankenhäuser hat Sozialminister Manfred Lucha wenig übrig. Er will die Gesundheitsversorgung im Land mit Zentralkliniken mit rund 1000 Betten absichern. Weitere Wege für Patienten nimmt er dabei in Kauf.

Die Landesregierung steht in Sachen Gesundheitsversorgung nicht zum ländlichen Raum“: So beurteilen der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann und BI-Vertreter Hans-Jürgen Saknus den Inhalt des Gesprächs, das sie und der Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten am Montag mit Sozialminister Manfred Lucha geführt haben. Das Sozialministerium interpretiert das Gesagte bei dem Treffen mit den Künzelsauern in einigen Punkten deutlich anders (siehe Extrabericht unten).

Ein Gespräch, zwei Meinungen also. Dies zeigt, wie zerfahren die Lage ist.

Der Sozialminister habe laut Neumann und Saknus bei dem Termin unmissverständlich klargemacht: Wolle der Hohenlohekreis Fördermittel aus dem Krankenhaus-Strukturfonds (KHSF) für einen Klinikneubau in Öhringen, dürfe kein einziges Krankenhausbett in Künzels-au übrig bleiben. Der Klinikstandort müsse wegfallen. Der Minister, daran haben die Hohenloher keinen Zweifel, wolle die Zentralisierung.

Dass die Situation auf dem Land eine andere sei als in Ballungszentren, in denen gleich mehrere Kliniken in engem Umkreis für Überkapazitäten in der stationären Gesundheitsversorgung sorgen, habe Lucha nach den Worten der beiden Künzelsauer Gesprächsteilnehmer nicht gelten lassen. Der Minister sehe die Zukunft der Gesundheitsversorgung in großen Klinikzentren mit bis zu 1000 Betten – wie gerade eines in Heilbronn im Entstehen sei. Dass ein Krankenhaus auf dem Land auch ein wesentlicher Standortfaktor für Unternehmen sei, habe ihn nach Auskunft seiner Gesprächspartner nicht interessiert.

Wirtschaftlich

Das Klinik-Konzept, das der Hohenlohekreis eingereicht habe, um Mittel aus dem KHSF zu bekommen und das einen Klinikneubau in Öhringen mit 200 Betten und ein wie auch immer geartetes Medizinzentrum ohne stationäre Betten in Künzelsau vorsieht, finde die volle Zustimmung des Ministers. Es könnte, so der Eindruck der Künzelsauer, sogar Modellcharakter haben. Dabei erwarte der Minister, dass das Öhringer Krankenhaus so konzipiert werde, dass es in den nächsten 25 Jahren betriebswirtschaftlich bestehen könne. Ob dies im sich weiter wandelnden Bereich Gesundheitsversorgung überhaupt möglich sei, bleibe auch für den Minister eine offene Frage.

Der Fokus in der Landespolitik liege damit auf der Wirtschaftlichkeit von Krankenhäusern und nicht auf den Bedürfnissen der Patienten, zieht Stefan Neumann sein Resümee. Dass das Gespräch nicht so verlaufen sei, wie es sich die Hohenloher gewünscht haben, steht außer Frage. „Aber es ist gut zu wissen, dass es so ist. Dann können wir entsprechend reagieren“, so Neumann.

Schwarzer Peter

„Damit liegt der Schwarze Peter in Sachen Klinikschließung nicht beim Landrat, sondern beim Land“, behauptet Saknus. Er liege aber auch nicht beim Bund, betont Christian von Stetten. Der Bund habe die Förderung aus dem Krankenhaus-Strukturfonds nicht von Klinikschließungen abhängig gemacht. Vielmehr habe Minister Lucha die Entscheidung getroffen, bis Ende Juli nur KHSF-Förderanträge nach Berlin weiterzureichen, die mit einem 100-prozentigen Bettenabbau verbunden seien. Dies wäre laut Kreiskonzept in Künzelsau der Fall.

Im November 2016 habe man beim Bund festgelegt, weiter zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung zu stehen. Diese gelte als gefährdet, wenn mehr als 5000 Menschen mehr als 30 Minuten von der nächsten Klinik entfernt lebten. Neumann und Saknus ergänzen: Dass laut Hochrechnungen im Kreis nach einer Schließung der Künzelsauer Klinik bei einem Notfall 11.900 Menschen mehr als 30 Minuten von der nächsten Klinik entfernt seien, beeindrucke Lucha wenig. Er zweifle die Hochrechnungen zwar nicht an, betrachte es aber als unproblematisch, wenn diese Frist um einige Minuten überschritten werde. Die Notfallversorgung sehe er durch Rettungswagen auf dem platten Land sichergestellt, die mit Hightech zu rollenden Intensivstationen hochgerüstet sind.
 
 
 

Sozialministerium: Nicht Wirtschaftlichkeit, sondern Versorgungssicherheit im Fokus
 
Dass Minister Manfred Lucha, wie es Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann und BI-Vertreter Hans-Jürgen Saknus von der Hohenloher Abordnung gegenüber der HZ darstellen (siehe Bericht oben), der Betriebswirtschaftlichkeit von Kliniken einen höheren Stellenwert beimesse als den Bedürfnissen der Patienten, will das Sozialministerium des Landes nicht unkommentiert stehen lassen. Diese Aussage sei „falsch“, erklärt Anna Zaoralek, stellvertretende Pressesprecherin. Vielmehr wolle die Landesregierung auch für die Zukunft die bestmögliche medizinische Versorgung für die Menschen in Baden-Württemberg sicherstellen. „Dafür brauchen wir einen Strukturwandel in unserer Krankenhauslandschaft“, lässt das Ministerium wissen.

Künftig müssten die Kapazitäten in größeren und leistungsfähigeren Kliniken gebündelt werden. Durch die Konzentration von medizinischem Knowhow werde die Versorgungsqualität der Menschen erheblich verbessert – auch wenn Anfahrtswege länger würden. Vor Ort werde das ambulante Angebot entsprechend ausgebaut, etwa durch Medizinische Versorgungszentren.

Natürlich unterscheide die Landesregierung bei der Bewertung der Zukunftsfähigkeit von Klinikstandorten auch zwischen ländlichem Raum und Ballungsraum, stellt Sprecherin Anna Zaoralek klar. Minister Lucha habe bereits mehrfach öffentlich geäußert, dass grundsätzlich jeder Klinikstandort einzeln in seiner Funktionalität genau bewertet werden müsse. Zudem habe der Minister in dem Gespräch klar zum Ausdruck gebracht, dass der Hohenlohekreis als Krankenhausträger selbst den Antrag gestellt habe, das Krankenhaus in Künzelsau zu schließen.

Staatliche Zuschüsse gebe es, wenn ein Krankenhausträger kleine Einheiten schließe und größere umbaue, um wirtschaftlicher zu arbeiten. Der Hohenlohekreis wolle diese Zuschüsse haben und habe deshalb einen Antrag auf Förderung durch den Krankenhaus-Strukturfonds gestellt.

„Der Minister hat sich gestern noch einmal klar für das vom Kreis vorgelegte Konzept ausgesprochen – und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass auch Vertreter der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, der Krankenkassen sowie von Patientenvertreten das vorgelegte Konzept positiv bewertet und einer Empfehlung für eine Förderung durch den KrankenhausStrukturfonds zugestimmt haben“, so das Ministerium. Bei der Umsetzung des Konzepts für ein sogenanntes Medizinzentrum in Künzelsau habe er dem Bürgermeister seine Unterstützung zugesagt.