Hohenlohebahn: Was ab Ende 2019 besser wird

Hohenlohe  Züge, die schnell auf Touren kommen und gut ausgestattet sind: Der Schienenverkehr auf der Hohenlohebahn zwischen Heilbronn und Crailsheim wird optimiert - allerdings erst ab Dezember 2019. Hier die wichtigsten Neuerungen:

Von unserem Redakteur Ralf Reichert

Bahnfahren: Was ab Ende 2019 besser wird

Weichenstellung: Die Westfrankenbahn bedient den Schienenverkehr im Netz Hohenlohe-Franken-Untermain, zu dem auch die Hohenlohebahn und die Tauberbahn gehören. Der neue Vertrag gilt ab Ende 2019 für zwölf Jahre.

Foto: Zauberhut/Fotolia

Mehr Verbindungen, bessere Taktung: Das gilt nicht nicht nur für die Hohenlohebahn, sondern mehr oder weniger auch für die Tauberbahn und die Frankenbahn. Sie alle sind Teil des Netzes Hohenlohe-Franken-Untermain. Die Westfrankenbahn, ein Unternehmen der Deutschen Bahn (DB), betreibt es und hat für zwölf weitere Jahre den Zuschlag erhalten. Der Vertrag gilt von Dezember 2019 bis Dezember 2031. Das Fahrangebot wird um zehn Prozent ausgeweitet. Was ändert sich im Detail?

Hohenlohebahn

Wichtigste Neuerung: Zwischen Hessental, Öhringen und Heilbronn gibt es endlich den lange ersehnten Stundentakt - von Montag bis Freitag bis etwa 20 Uhr. Zwei Stunden später ist eine zusätzliche Fahrt ab/bis Heilbronn im Plan. Diese neue Abendverbindung gilt auch am Wochenende, ansonsten bleibt es beim bisherigen Zwei-Stunden-Takt.

Von Hessental bis Öhringen ist täglich ein Stundentakt vorgesehen: bis nach 22 Uhr. Im Detail: letzte Abfahrt am Hessental nach Öhringen um 22.03 Uhr statt 21.06 Uhr, letzte Abfahrten ab Öhringen statt heute 22.04 Uhr neu um 22.27 Uhr (von Heilbronn, ab 22.06 Uhr) und 23.58 Uhr (Anschluss von Heilbronn, ab 23.15 Uhr).

Übertragen auf die drei zentralen Fahrangebote heißt das: Der Regionalexpress (RE) zwischen Crailsheim und Heilbronn (bisher: täglich im Zwei-Stunden-Takt) hält neu in Willsbach, das bisher nur von der S-Bahn bedient wird. Ein zweiter neuer Haltepunkt ist montags bis freitags das Hohenloher Freilandmuseum in Wackershofen. Damit stoppen dort stündlich Züge.

Abends fährt der RE noch zwei Stunden länger. Letzte Abfahrt ab Crailsheim ist dann um 20.40 Uhr nach Heilbronn und in Heilbronn um 22.05 Uhr nach Crailsheim. Für die RE-Züge zwischen Hessental, Öhringen und Heilbronn (bisher: Montag bis Freitag im Zwei-Stunden-Takt) gilt: Unter der Woche werden zwischen 8 und 20 Uhr die bisherigen Regionalbahn-Züge (RB) Hessental-Öhringen ab Öhringen als RE bis/ab Heilbronn verlängert, sodass in dieser Zeit ein Stundentakt zwischen Hessental und Heilbronn möglich wird.

Die Regionalbahn-Züge (RB) Hessental-Öhringen ergänzen die RE-Linie Crailsheim-Heilbronn in diesem Abschnitt montags bis freitags vor 8 Uhr und ab 20 Uhr sowie samstags und sonntags zu einem Stundentakt. Außerdem fährt wochentags von 5 Uhr und am Wochenende von 7 Uhr bis jeweils 22 Uhr durchgehend stündlich ein Zug zwischen Hessental und Öhringen.

Täglich neue Spätverbindungen bestehen ab Hessental um 22.05 Uhr (mit Anschlüssen von Stuttgart und Nürnberg) nach Öhringen und von Öhringen um Mitternacht (mit Anschluss von Heilbronn, ab 23.15 Uhr) nach Hessental.

Tauberbahn

Seit Dezember verbindet der Regiobus 19 Künzelsau noch besser mit der Tauberbahn in Bad Mergentheim: von früh morgens bis spät abends, wochentags und am Wochenende, durchgängig im Stundentakt. Nicht nur deshalb ist die Strecke für Hohenlohe ebenfalls bedeutend. Neu ab Ende 2019: Zwischen Lauda und Crailsheim halten die RB-Züge Wertheim-Crailsheim ganztägig stündlich: auch am Vormittag. Zwischen Tauberbischofsheim, Lauda und Bad Mergentheim gibt es wochentags von 13 bis 19 Uhr ein stündliches Zusatzangebot zum Stundentakt Wertheim-Crailsheim mit neuen, optimalen Anschlüssen von den RE-Zügen aus Richtung Würzburg nach Tauberbischofsheim und von den RE-Zügen aus Richtung Stuttgart nach Bad Mergentheim.

Der RE Aschaffenburg-Wertheim wird wochentags beschleunigt und neu bis Bad Mergentheim geführt. Auf der Gesamtstrecke ab Crailsheim gibt es wochentags ab 6.25 Uhr eine neue Verbindung. Der letzte RE ab Aschaffenburg um 19.25 Uhr fährt statt bis Bad Mergentheim bis Weikersheim.

Frankenbahn

Obwohl die durchgehende RB-Verbindung Würzburg-Bad Mergentheim Ende 2018 entfällt (Grund ist die Elektrifizierung der Frankenbahn), wird es weiterhin täglich in jeder Richtung zwei Züge zwischen diesen Haltepunkten geben, ohne dass die Fahrgäste in Lauda umsteigen zu müssen. Außerdem werden die zeitlichen Lagen der Züge zwischen Lauda und Osterburken besser auf den Schülerverkehr ausgerichtet.

 

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Gebrauchte Züge sind flott und werden modernisiert

Entscheidend dafür, ob ein Bahnunternehmen bei Ausschreibungen den Zuschlag erhält, ist die Wirtschaftlichkeit. Und die hängt in hohem Maße vom Preis und von der Qualität der Züge ab. Das ist ein spannender Spagat. Denn einerseits will das Land bei den neuen Verkehrsverträgen Geld sparen, nachdem das Ministerium der Ansicht ist, der "Große Verkehrsvertrag" (gültig von 2003 bis 2016) sei viel zu teuer gewesen. Andererseits will es den Schienenverkehr auf den ausgeschriebenen Strecken nach Möglichkeit verbessern. Exakte Kriterien werden definiert und müssen von den Bietern erfüllt werden: etwa, dass Verbindungen schneller werden, ein Stundentakt gesichert ist oder die Triebwagen behindertengerecht und nach dem neuesten Stand ausgestattet sind.

Die Westfrankenbahn hat diesen Spagat am besten gemeistert und am 9. Januar endgültig den Zuschlag erhalten, das Netz 11 weiter zu betreiben, dessen Bestandteil die Hohenlohebahn ist. Die Mitbieter legten in der 14-Tages-Frist keinen Einspruch ein, weil sie wohl wussten, dass da nur wenig zu holen ist.

Bonus

In der Ausschreibung waren gebrauchte Fahrzeuge ebenso zugelassen wie neue. "Allerdings gab es für neue Triebwagen einen Bonus", sagt Martin Hilger, bei der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg zuständig für die Verkehrs- und Infrastrukturplanung. Der Grund: Viele Konkurrenten der Deutschen Bahn sind nicht so groß und noch nicht so lange im nationalen Geschäft. Meist haben sie viel weniger gebrauchte Fahrzeuge − oder gar keine. Also gibt es diesen Bonus, um sie nicht zu benachteiligen. Trotzdem machte die DB das Rennen: mit gebrauchten Zügen, die modernisiert werden. Es handelt sich dabei um Dieseltriebwagen der Baureihe 642 (Desiro). Dieses Modell ist im Netz 11 bereits im Einsatz. Es beschleunigt recht schnell, doch die Ausstattung entspricht nicht der Bestellung.

Nicht alle Züge sind freilich so flott, es fahren auch noch ältere Modelle der Reihe VT 628. "Die sind sehr beschleunigungsschwach und haben deshalb den Spitznamen ,Wanderdüne’", erklärt Hilger. "Sie können zwar 120 Stundenkilometer fahren, aber bis sie dieses Tempo erreicht haben, dauert es sehr lange." Und: "Sie sind nicht niederflurig." Alle Züge dieser Baureihe − die ältesten stammen von 1986 − würden deshalb aussortiert. Ab Ende 2019 seien nur noch runderneuerte Desiro-Triebwagen im Einsatz.

Reaktiviert

Wo kommen die her? Hilger: "Die DB hat in Ostdeutschland viele Ausschreibungen verloren, deshalb sind eine ganze Menge Fahrzeuge dieses Typs frei und stehen eine Zeitlang still." Bevor sie, wie jetzt, nach einer erfolgreichen Ausschreibung reaktiviert und so umgebaut werden, wie es die geforderten Kriterien verlangen.

Im Falle des Netzes 11 und der Hohenlohebahn bedeutet dies: Rollstuhlfahrer können über Schiebetritte problemlos ein- und aussteigen. Die Fahrzeuge erhalten ein Redesign und haben 120 Sitzplätze und 18 Fahrradstellplätze. Sie sind ausgestattet mit Klimaanlage, behindertenfreundlicher Toilette, Steckdosen, Touchscreen-Monitoren und kostenlosem W-LAN.