Entsetzen über Feuer in Flüchtlingsunterkunft

Neuenstein  Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Neuenstein äußerten sich der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth und Neuensteins Bürgermeister Karl Michael Nicklas entsetzt und schockiert. Landesinnenminister Thomas Strobl kündigte eine konsequente Verfolgung der Täter an.

Von unseren Redakteurinnen Heike Kinkopf und Yvonne Tscherwitschke

Entsetzen über Feuer in Flüchtlingsunterkunft
Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (links) informierte sich bei Kreisbrandmeister Günther Uhlmann über den Einsatz. Foto: Heike Kinkopf

Die Polizei geht beim Feuer in der geplanten Flüchtlingsunterkunft in Neuenstein von Brandstiftung aus und vermutet einen Tatzusammenhang mit dem Anschlag in Pfedelbach. Unbekannte hatten in der Nacht zum Freitag an zwei der sechs Einzelgebäude mit einem Brandbeschleuniger das Feuer entfacht.

Gegen 2.40 Uhr ging der Brandalarm bei der Feuerwehr ein. An zwei Häusern an der Bahnhofstraße war das Dämmmaterial am Sockel der Außenfassade entzündet worden. Es kam zu einer starken Verrauchung im Inneren der Gebäude. Verletzt wurde niemand. Polizei und Staatsanwaltschaft schätzen den Schaden auf 20.000 Euro. Der Hohenlohekreis baut die insgesamt sechs Gebäude auf dem ehemaligen BAG-Areal für 84 Personen. "Es spricht vieles dafür, dass wir es mit Brandstiftung zu tun haben", sagte Kripo-Chef Thomas Schöllhammer am Nachmittag bei einem Vor-Ort Termin.

Ermittlungen

Am Freitagmittag durchkämmten Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei das Gelände rund um den Tatort. Die Polizei hofft auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. Sie schließt einen Tatzusammenhang mit dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft Mitte November in Pfedelbach nicht aus. Die bereits existierende Ermittlergruppe der Kriminalpolizei wurde von 13 auf 18 aufgestockt. "Manches zeigt nach ersten Ermittlungen, dass es sich um einen ähnlichen Tatmodus handeln könnte", meinte Baden-Württembergs Innenminister Strobl. Er ließ sich von Einsatzkräften und Ermittlern auf den aktuellen Stand bringen. Strobl kündigte an, die Täter mit aller Intensität und Konsequenz zu verfolgen. "Brandstiftung ist eine schwere Straftat."

Entsetzen über Feuer in Flüchtlingsunterkunft
Rund 30 Feuerwehrleute rückten zum Brandort in der Neuensteiner Bahnhofstraße aus. An zwei Stellen hat es am Neubau für Flüchtlinge gebrannt. Verletzt wurde niemand. Foto: Oliver Färber

"Ich bin entsetzt über dieses Brandereignis", war Landrat Neths erste Reaktion am frühen Morgen. "Ich hoffe, dass die Ermittlung klare Ergebnisse bringen werden. Grundsätzlich gilt: Fremdenfeindliche Aktionen werden bei uns keinesfalls geduldet. Ich verurteile diese auf das Schärfste." Die geplante Einrichtung solle einen wichtigen Beitrag für die Flüchtlingsarbeit im Hohenlohekreis leisten.

"Wir sind in Neuenstein außer uns", sagte Bürgermeister Nicklas. Auf dem Stand der Touristikgemeinschaft auf der CMT in Stuttgart, bei der er am Vormittag einen Termin hatte, sei er oft auf den Brand angesprochen worden. Niemand hätte so etwas in Neuenstein vermutet. Seine Gefühle in der Nacht am Brandort beschreibt er mit einer Mischung aus Wut und Ärger. "Ich bin einfach sauer." Und dies auch mit Blick auf die geplante Folgenutzung der Gebäude. Werden sie nicht mehr für Flüchtlinge benötigt, sollen sie als Sozialwohnungen bereitstehen.

Diskussion

Froh, dass den 30 Flüchtlingen im direkt benachbarten Gebäude nichts passierte, war Frieder Diem, Zweiter Vorsitzender des Freundeskreises "Mitmachen". Er sprach von einer "abscheulichen Tat". Er glaubt nicht, dass Neuensteiner für den Brand verantwortlich sind. "Da steckt eine Gruppe dahinter", spekuliert er.

Etwa 80 Flüchtlinge leben zurzeit in Neuenstein. "Die Zahlen schwanken derzeit, da immer wieder Menschen ausziehen, die nun ihre Anerkennung haben", erklärte Diem. Mit der Vereinsvorsitzenden Anke Eberle will er sich Gedanken machen, wie dem Brand begegnet werden soll. "Wir müssen aufklären und Gespräche führen", sagte er. "Nur verurteilen hilft nicht, wir müssen in die Diskussion." Eberle kündigte ein Aktionswochenende am letzten Januarwochenende an: Am Samstag ist eine Gegenkundgebung zur "Hohenlohe-wacht-auf"-Demo vom "Bündnis für Demokratie und gegen Faschismus" geplant und am Sonntag gibt es eine Kundgebung von "Öhringen ist bunt".