Vom Reserveoffizier zum Friedensaktivisten gewandelt

Gleis-1-Chef Hans Graef ist ein Mensch mit ungewöhnlich vielen Facetten – 60. Geburtstag öffentlich gefeiert

„Ich bin offen, kommunikativ und nonkonformistisch.“

Hans A. Graef

Bretzfeld/Waldenburg - Lehrer, Konzeptkünstler, Kunstagent. Man könnte auch noch politischer Aktivist, Museumsleiter sowie Vereins- und Kneipenchef anführen – die Aufzählung ist nur ungefähr ein Querschnitt der beruflichen wie privaten Tätigkeiten des Hans Alfred Graef. Sein vielfältiges Engagement ist längst ein Öffentlichkeitsfaktor geworden, weshalb Graef seinen 60. Geburtstag am Wochenende auch öffentlich feierte.

„Ich bin Sohn eines protestantischen, siebenbürgischen Vaters und einer katholischen, sudetendeutschen Mutter“, erzählt er. Am 30. Juli 1948 stand seine Wiege im tschechischen Schönbach. Noch im gleichen Jahr zog die Familie nach Kornwestheim, zwei Jahre später nach Großsachsenheim. Im benachbarten Bietigheim machte Graef 1968 sein Abitur. „Ich habe die Schule ein bisschen schleifen lassen“, erinnert er sich, „denn ich war nebenbei noch Ministrant, Pfadfinder, habe Geige gelernt, Fußball gespielt und allein dafür drei Abende pro Woche trainiert.“ So randvolle Tagespläne wie als Jugendlicher hat er heute immer noch. „Ich kenn’s nicht anders.“

Nach der Schule ging er zwei Jahre zur Bundeswehr, wo er später zum Reserveoffizier befördert wurde, anschließend nach Stuttgart, um Politikwissenschaft und Germanistik zu studieren. Sein klares Ziel: Lehramt. Denn „ich wollte ja schon mit 16 Lehrer werden“. Spätestens Ende der 70er Jahre wurde der Junglehrer dann auch politisch aktiv, gründete mit anderen die Anti-Atom-Bürgerinitiative in Heilbronn, organisierte dort den ersten Ostermarsch und wurde, neben dem damaligen Stimme-Redakteur Gerd Kempf, Sprecher der Friedensbewegung. Nach acht Jahren Mitgliedschaft in der SPD wechselte Graef 1980 zu den Grünen, von denen er insgesamt dreimal als Bundestagskandidat aufgestellt wurde.

Parallel dazu entwickelte sich Graefs Interesse und Engagement für die Kultur. Durch eine Begegnung mit Joseph Beuys lernte er dessen „erweiterten Kunstbegriff“ kennen (Graef: „Kunst und Gesellschaft gehören zusammen“). Mit Freunden gründete er sein „Republikanisches Postmuseum“, später die Kunstagentur „Konfrontation“ und organisierte Ausstellungen. Er war der „Kunst-Region-Bahn“-Hauptverantwortliche (1998 und 2000) und Gründer des Vereins „Künstlerkneipe Bahnhof Waldenburg“, das unter dem Namen Gleis 1 zum gefragten Veranstaltungsort geworden ist.

Vollblutlehrer Seit 1993 wohnt Hans Graef mit seiner Frau Renate in Adolzfurt. Er beschreibt sich selbst als „offen, kommunikativ und nonkonformistisch“. Sein berufliches Interesse gilt der Sibilla-Egen-Schule in Hall, wo er seit 1990 Lehrer ist. „Ich bin Vollblutlehrer und habe seit 32 Jahren nie Probleme mit Schülern gehabt“, charakterisiert er seine Profession, die ihn allerdings nicht davon abhält, auch politisch und kulturell aktiv zu bleiben. Am Samstag feierte Graef im Gleis 1 seinen Geburtstag mit viel Kunst und Musik – und ganz offen.