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Mit aristokratischer Noblesse gespielt
Von unserer Mitarbeiterin Claudia Burkert-Ankenbrand
Dörzbach - Sie greift Chopin und Gershwin. Die italienische Pianistin Valeria Vetruccio gestaltet beim Neujahrskonzert im Theater Dörzbach ein Programm, das in dieser Zusammenstellung nicht oft zu hören ist.
Chopins leicht-beschwingte "Barcarolle" op. 60 ist eines seiner eigenständigsten Stücke und kann durch harmonische Kühnheit und ergreifende Modulationen als Vorbote der Musiksprachen von Debussy und Ravel gehört werden. Wie Valeria Vetruccio das durch vollgriffige Passagen sinnlich farbige Gondellied spielt, klingt es von den ersten Noten an, wie die Zeitgenossen Chopins es wohl schätzten: geheimnisvoll raunend, voller melodischer Delicatesse und aristokratischer Noblesse. Allerdings, eine sanft schaukelnde Wassermusik spielt sie nicht, sondern eine furiose Rhapsodie, in der jeder Tastenschlag ein klares Konzept aufzeigt.
Unbeschwert In Chopins Impromptu bleibt ihr Anschlag stets geschmeidig-weich und von kantablem Charakter. Ketten von rascher Brillanz wirken wie perlende Reihungen. Da gibt es keine eckige Gespreiztheit oder showmäßiges Demonstrieren, sondern die gesamte Ausführung ist stets dem Gedanken unbeschwert sich entfaltender Freizügigkeit untergeordnet: sanfte statt rauschhafter Ekstase.
Das Nocturne op. 27 Nr. 1 macht die Pianistin zu einer Reise durch eine Seelenlandschaft. Valeria Vetruccio spielt die Nacht-Miniatur mit viel Poesie. Die Italienerin singt sie höchst elegant auf dem Klavier. In all den schattierten Akkorden, den Dämmerpassagen und in federweichen Übergängen zeigen sich ihre Stärken. Der Genuss liegt darin, die Delikatesse ihres Vortrags bis zum fast lautlos ausschwebenden Schlussakkord auszukosten.
Schattierungen Im b-moll Scherzo op. 31 von Chopin greift sie mächtig in die Tasten, stellt den markigen Klangballungen aber auch Lyrisches gegenüber und schafft damit ausreichend Raum für mannigfaltige Schattierungen des Ausdrucks. Auch in Chopins "Andante Spianato und Grande Polonaise Brillante" spielt Valeria Vetruccio ihr brennendes, poetisches Engagement noch einmal aus. Die Pianistin bringt die Melodie über einem fein gleichmäßigen Klangteppich der linken Hand zum Leuchten, mischt immer mehr Farben hinzu, bis die Einleitung zur Polonaise rauschend aufflackert. Deren melodisch-rhythmisches Feuer lässt sie in aller Pracht leuchten. Die pure Lust am virtuosen Musikantentum blitzt auf.
Valeria Vetruccio spielt für das Publikum und gleichsam für sich selbst. Erstaunlich ist auch, wie einfallsreich die Italienerin die genauso schlichten wie genialen, ewig jungen Gershwin-Themen zu jeweils in sich geschlossenen kleinen Kunstwerken entwickelt. Bravorufe und lang anhaltender Schlussapplaus gibt es für eine Künstlerin, deren Natürlichkeit und sympathische Ausstrahlung während des ganzen Konzerts zu spüren waren.
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