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Chaos unterm Christbaum
Von unserer Mitarbeiterin Claudia Burkert-Ankenbrand
Mulfingen - Edel wirkt die Sitzgarnitur aus hellem Leder. Dazu passt der Couchtisch aus Glas und Edelstahl. Ein roter Teppich schafft Wohnzimmeratmosphäre auf der Bühne in der Dreschhalle. Die Idylle im Theater Hollenbach soll nicht lange bleiben. "Lametta" heißt die bitterböse und doch unterhaltsame Abrechnung von Fitzgerald Kusz mit dem Fest der Liebe und der modernen Patchwork-Familie.
Ex-Frau kommt Eine amerikanische Weihnachtsschnulze läutet das Geschehen auf der Bühne ein. Babs (Sandra Weiß) schmückt den Baum für ihr erstes gemeinsames Weihnachtsfest. Sie ist vor kurzem bei Werner (Julian Gräf) eingezogen. Was Babs nicht weiß, aber gleich erfahren muss: Werners Ex-Frau Rosy (Birgit Herrmann) wird die beiden heute Abend ebenso beglücken wie seine Mutter (Anneliese Schmidt), die das Lametta am Christbaum vermisst, und sein Sohn Sebastian (Maximilian Bader).
Ein richtiges Familienfest samt Bescherung und Weihnachtskrippe wünscht sich Werner. Und er versucht das Unmögliche an diesem Festtag: Er hält an Ritualen fest, die sich längst überlebt haben. Der Autor hält aber noch weitere Überraschungen für diesen Weihnachtsabend bereit: Lutz (Jochen Hertlein), der versoffene Rechtsanwalt und Kotzbrocken, möchte mit seiner Tochter Nora (Katharina Frank) feiern. Doch bei ihm zu Hause geht das nicht mehr: Natascha (Manu Sprügel-Max), seine neue Frau, hat ihn rausgeworfen. Allerdings bereut sie ihre Tat bereits und taucht ebenfalls auf, um den volltrunkenen Lutz wieder zu sich nach Hause zu holen.
Zwei Kurzschlüsse Dass der Abend in dieser Patchwork-Großfamilie keinen erfreulichen Verlauf nimmt, ist programmiert. Die Scheinidylle explodiert und das blanke Chaos bricht aus. Nachdem Werners Sohn mit Natascha das Fest auf seine Weise zu feiern gedenkt, verlässt ihn nicht nur seine Babs samt Tochter und Ex-Mann, sondern auch Rosy, für die er immer noch Gefühle hegt. Zwei Kurzschlüsse, ein gebrochener Arm und neu verliebte Paare diskreditieren den Frieden auf Erden und plädieren für Humor.
"Lametta" ist ein im Kern bitteres Stück, das gleichwohl solide Unterhaltung bietet. Beide Komponenten hat Regisseur Hannes Hirth in seiner Inszenierung herausgearbeitet: Auf turbulente, lächerliche Phasen folgen Momente der Besinnung, welche die Leere in den Figuren zeigen. So bleibt auch im Gedächtnis der traurig-sehnsüchtige Blick von Anneliese Schmidt auf den lamettafreien Christbaum am Ende der Aufführung. Ihr Sohn Werner tritt neben sie, legt den Arm um die Mutter und plötzlich sehen beide, wie das Lametta glitzert.
"Lametta" wird erneut aufgeführt am 13., 14., 15., 20. und 21. Januar, Beginn 19.30 Uhr (sonntags 18 Uhr). Karten gibt es bei Familie Hirschlein unter Telefon 07938 7318 und per E-Mail unter karten@theater-hollenbach.de.
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