Biene Maja fällt dem Klimawandel zum Opfer

Von unserem Mitarbeiter Michael Dignal

Biene Maja fällt dem Klimawandel zum Opfer
Udo Zepezauer sucht in der Kultura die Biene Maja.Foto: Michael Dignal 

Öhringen - Die zwei sind gebildet, spontan, sprachbegabt − und deshalb oder dennoch: erzkomisch. Die Rede ist von Helge und das Udo, die mit ihrem Programm "Bis einer heult!" reichlich Pep ins Öhringer Kulturafoyer brachten.

Der große Norddeutsche Helge Thun und der kleine Süddeutsche Udo Zepezauer fangen gleich mit einer Improvisation an, bei der sie die Publikumszurufe "Schlosser" und "Joggen" mit einer exotischen Fremdsprache eigener Wahl verknüpfen. Und schon gibt es einen fast simultan übersetzten afrikanischen Stammestanz zu bewundern, der die Geschichte eines beim Dauerlauf schwitzenden Handwerkers erzählt.

Hohes Tempo Dem so ungleichen wie perfekt eingespielten Duo gelingen sprachlich-darstellerische Verrücktheiten von ganz eigenem Zuschnitt. So auch eine auf drei Minuten kondensierte Fassung von Schillers "Wilhelm Tell", die trotz hohen Tempos kaum einen wichtigen eidgenössischen Aspekt unberücksichtigt lässt. Oder der "Tübinger Einbürgerungstest", der schwäbische Absonderlichkeiten mit Anspielungen auf die aktuelle Bundespolitik verbindet.

Die umfangreicheren Kreationen geraten hingegen zu ebenso alternativen wie komplexen Mini-Opern. Das Nibelungenlied wird mit Plastikschwert, Handpuppendrachen und Besenstiel inszeniert, wobei ein Safarihut als Tarnkappe dienen darf und Udo Zepezauer als Klaus Kinski den Hagen mimt. Poetisierte Wortspielereien kommen als Sahnehäubchen noch obendrauf.

Erfinderisch umgestaltet wird auch das Krippenspiel: mit Leonard Bernsteins "Maria" und fettem Rap, mit einem schwäbischen Herbergsvater, einer Jungfernzeugungsdebatte und bekifften Morgenlandskönigen. Wie in der Öhringer Kultura zu sehen ist, kennt die Einbildungsfreiheit bei Helge und Udo offenbar keine Grenzen.

Plötzliches Knacken So improvisieren sie eben auch über ein plötzliches Knacken in der Tontechnik oder suchen nach Biene Maja, die vermutlich dem Klimawandel zum Opfer gefallen ist. Und am Ende heulen sie beide − und damit ist das Programm vorbei.



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