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Andrang bei Präsentation des Holbein-Meisterwerks
Von unserem Redakteur Andreas Sommer
Schwäbisch Hall - Christoph Biermeier, Intendant der Haller Freilichtspiele, bringt es es auf den Punkt: "Super, dass Schwäbisch Hall jetzt einen Schutzmantel hat. Den könnten alle Städte gebrauchen." Vor 1500 Gästen wurde gestern Abend in der brechend vollen Michaelskirche das Gemälde "Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen" von Hans Holbein dem Jüngeren feierlich präsentiert. Der Künzelsauer Unternehmer Reinhold Würth hatte das Meisterwerk der Renaissance, wie berichtet, für geschätzte 60 Millionen Euro im Juli 2011 für seine Sammlung erworben.
Schon bei der Vorbesichtigung am späten Nachmittag drängen sich die Geladenen, darunter Mitglieder des Adelshauses Hessen oder Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz − voll des Lobes für die gelungene Präsentation in der Johanniterkirche.
"Das ist eine Großtat", meint Götz Adriani, ehemaliger Chef der Tübinger Kunsthalle. "Ein einmaliger Rahmen", schwärmt Baden-Württembergs ehemaliger Ministerpräsident Erwin Teufel, "besser als in der Johanniterkirche kann man das Bild nicht präsentieren". "Super", lautet der Kommentar von Heilbronns OB Helmut Himmelsbach, "das Kunstwerk kommt der ganzen Region zugute". Reinhold Würth empfindet "Freude, und auch ein wenig Stolz", wenn er vor dem Bild steht.
Beim Festakt in der Kirche, der auf dem Marktplatz und in der Kunsthalle Würth übertragen wird, würdigt Kulturstaatsminister Bernd Neumann die Verantwortung, die Reinhold Würth für ein national bedeutendes Kulturgut übernommen hat, das er öffentlich zum Nulltarif zeigt. Kunst sei − wie die Madonna − schon immer in privatem Auftrag entstanden, gekauft und bewahrt worden: "Reinhold Würth ist ein Glücksfall für die Kultur in Deutschland". Es sei aber untragbar, so Neumann, dass viele Museen gar keinen Ankaufsetat mehr hätten.
Schönheit
Als gebürtiger Darmstädter und ehemaliger Schwäbisch Haller hat Frank O. July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, eine besondere Beziehung zur Holbein-Madonna und deren "Ausstrahlung von Frieden und Schönheit". Er erhofft sich beim Anblick des Bildes ein neues Nachdenken darüber, "was Himmel und Erde zusammenhält". Eine äußerst unterhaltsame kunsthistorische Einordnung der Madonna ist die Ansprache von Martin Roth, Direktor des Victoria & Albert Museums London.
Der gebürtige Schwabe fasst die Geschichte von Original und Kopie der Holbein-Madonna zusammen und verteidigt ausdrücklich die "Kunstmetropole Schwäbisch Hall" gegen den Vorwurf der Provinzialität. In Reinhold Würths Augen regt das Bild "zum Schweigen" an und zur Bewusstwerdung, "dass wir alle dem Memento Mori unterliegen". Er kündigt an, dass das sein wertvollstes Bild nach seinem Ableben "zu 99 Prozent in Schwäbisch Hall" verbleibt.
Weg der Holbein-Madonna
Die Auftragsarbeit (1526/28) blieb lange im Familienbesitz des Basler Bürgermeisters Jacob Meyer. 1628 kaufte es ein Kunsthändler, der eine Kopie anfertigen ließ. Es gelangte in den Besitz der Herzöge von Lothringen und wurde 1822 von Prinz Wilhelm von Preußen erworben, der es seiner Frau Prinzessin Marianne von Hessen-Homburg schenkte. Über deren Erbschaft wurde das Bild um 1850 Eigentum der Großherzöge von Hessen. Die Erbengemeinschaft Hessen gab es 2003 dem Städel als Leihgabe. Würth kaufte es 2011.
Weitere Infos unter www.schwaebischhall.de
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