Vier Jungen vergewaltigen 13-Jährige mit brutaler Gewalt

Region - Vier Jugendliche haben im Mai vergangenen Jahres ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigt. Drei waren zur Tatzeit nicht strafmündig. Der angeklagte Täter wurde jetzt zu einer Haftstrafe verurteilt. Die gemeinschaftliche schwere Vergewaltigung wurde erstmals im November 2011 verhandelt.

Von unserem Mitarbeiter Jürgen Stegmaier

Region - Vier Jugendliche haben im Mai vergangenen Jahres ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigt. Drei waren zur Tatzeit nicht strafmündig. Der angeklagte Täter wurde jetzt zu einer Haftstrafe verurteilt. Die gemeinschaftliche schwere Vergewaltigung wurde erstmals im November 2011 verhandelt. Weil der Angeklagte aber sein zuvor mehrfach wiederholtes Geständnis in wesentlichen Teilen widerrief − er bagatellisierte die Tat −, legte das Gericht wert auf die Aussage des mutmaßlichen Opfers. Das Mädchen war im November aber nicht vernehmungsfähig.

Das Gericht hätte es sich einfach machen können, doch schon vor zwei Monaten sagte der Vorsitzende Richter Dr. Wolfgang Amendt: "Es geht nicht um einen schnellen Prozess, sondern darum, die Wahrheit herauszufinden." Der Direktor des Haller Amtsgerichts ist sich sicher, dass diese in der nahezu zehnstündigen nicht öffentlichen Verhandlung ans Licht kam.

Erschütternd

Das Bild, das sich nach den Aussagen des Mädchens und der Mittäter ergab, ist erschütternd: An einem nicht genau bezeichneten Tag im Mai 2011 lockten die vier Jungen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren die 13-Jährige in ein altes Trafohäuschen zwischen Schwäbisch Hall und dem Solpark. Dort zwangen sie gemeinsam das Mädchen mit brutaler Gewalt zum Geschlechtsverkehr. Nach Erkenntnissen des Gerichts zog sich die Tat über 20 bis 30 Minuten hin.

Die Aussagen der Mittäter fielen schonungsloser aus als die des Opfers selbst: Während jeweils einer das Mädchen vergewaltigt hat, wurde es von zwei anderen mit Gewalt festgehalten. "Die Mitleidslosigkeit in den Aussagen war entsetzlich", sagte Richter Dr. Amendt am Tag nach der Verhandlung, "sie haben das Mädchen behandelt wie ein Stück Fleisch." Die Mittäter seien nicht in der Lage nachzuvollziehen, was sie dem Mädchen angetan haben, so Wolfgang Amendt, der bei dieser Verhandlung Vorsitzender des Jugendschöffengerichts war. Dabei kannten sich Täter und Opfer längst. Sie gehörten derselben Clique an, die sich regelmäßig am Bolzplatz am Solpark traf.

Der Angeklagte war zur Tatzeit 15 Jahre alt, zwei der Mittäter 13 und einer 11 Jahre alt. Die drei Jüngeren waren aufgrund ihres Alters nicht strafmündig. Inzwischen sind zwei der Mittäter 14. Für eine Falschaussage könnten sie jetzt belangt werden. Diesen Umstand wertet Richter Amendt als entscheidend für ihre weitreichenden Aussagen. Unter dem Druck des Verfahrens hätten sie die Wahrheit gesagt.

Während der Verhandlung reagierte der Vater des Mädchens zunehmend aggressiv. Er wurde aus dem Saal verwiesen. Gegen ihn liegt ein Verfahren vor, das in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tat zu sehen ist: Nachdem die Vergewaltigung seiner Tochter bekannt geworden war, soll er den Angeklagten krankenhausreif geschlagen haben.

Nach Erkenntnissen des Gerichts stammen Opfer und Täter aus Familien, in denen ein roher Umgang untereinander und mit Sexualität herrscht. Über ihre Handys hatten die Jungs uneingeschränkten Zugang zu Pornografie.

Verharmlost

Auch in seinem Schlusswort verharmloste der Angeklagte die Tat. Oberstaatsanwalt Peter Bracharz plädierte auf eine Haftstrafe von zwei Jahren. Der Verteidiger des Angeklagten versuchte eine Haftstrafe mit Vorbewährung zu erreichen. Das Gericht entschied sich für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

Dem Verurteilten werden zwei weitere Vergewaltigungen vorgeworfen. Diese liegen bei Gericht, sind aber noch nicht entschieden.