Sein Leben war der Wein

Von unserem Redakteur Juergen Koch

Sein Leben war der Wein
Zwei Orte waren ihm Heimat: Rappach (Hintergrund) und der Verrenberger Verrenberg.Foto: Archiv/Koch 

Bretzfeld - Wer in Württemberg von Spitzen-Weinen spricht, kommt am Namen Siegfried Röll nicht vorbei. Bis Juni letzten Jahres − auf den Tag genau 35 Jahre lang − leitete er das Weingut Fürst Hohenlohe-Oehringen und entwickelte es vom Aschenputtel zum Vorzeigebetrieb. Am 2. Februar ist er nach längerem Aufenthalt im Krankenhaus im Alter von 60 Jahren gestorben und wurde auf seinen Wunsch im engsten Familienkreis beigesetzt.

Pionier

Mit Siegfried Röll verliert der Württemberger Weinbau einen Pionier und eine seiner prägenden Persönlichkeiten. Ehrlich und geradlinig, bodenständig und offen für Neues, menschlich und kollegial, stets bereit, sein Wissen und Können weiterzugeben und immer auf der Suche nach noch mehr Weinqualität − so war Röll im Kollegen- und Freundeskreis bekannt.

Am 14. Dezember 1951 in Adolzfurt geboren, schloss er nach einer Wengerter-Lehre in der Weinsberger Weinbauschule, Bundeswehr und Praktika in Italien, Frankreich und Dänemark 1975 in Geisenheim sein Studium als Diplom-Ingenieur für Weinbau- und Getränketechnologie ab, arbeitete beim Getränkehersteller Naturella und wurde 1976 mit 24 Jahren Betriebsleiter und Kellermeister im Weingut Fürst Hohenlohe-Oehringen. Ehrgeizig, innovativ und ohne sich zu schonen, zimmerte er am Aufstieg des Weinguts, als ob es sein eigenes wäre, arbeitete an seiner Vision vom kompromisslos trockenen, ehrlichen Wein, machte das, was heute "Terroir-Wein" heißt.

Jährlich neu versuchte er das Optimum aus dem Verrenberger Verrenberg zu kitzeln. In Rölls Ära entstanden Weine, die auch ihren Macher widerspiegelten: kraftvoll, charakterstark, mit Ecken und Kanten. Siegfried Röll gehörte 1986 zu den Gründern der Holzfass-Studiengruppe Hades, engagierte sich im deutschen Barrique-Forum und Verband deutscher Prädikatsweingüter, wurde 2005 vom Gault Millau Weinguide für sein Lebenswerk als Gutsverwalter des Jahres ausgezeichnet, sahnte 2010 den Deutschen Rotweinpreis ab und wurde 2011 mit dem Öhringer Weinschlüssel und der Goldenen Ehrennadel des Weinbauverbandes Württemberg ausgezeichnet. Mehr als 100 Azubis bekamen unter seinen Fittichen eine solide Ausbildung.

Tüftler

Mit großem Einsatz tüftelte er am Neubau des fürstlichen Weinguts in Verrenberg mit und begleitete die Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung. Geschont hat er sich nie. Sein Leben war der Wein, der Verrenberger Verrenberg, die Arbeit, und seine Familie − Ehefrau Ingrid und seine erwachsenen Kinder Steffen und Ilona.




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