Prozess: Marihuana im Franchise-System angebaut

Von Hagen Stegmüller

Hohenlohe/Heilbronn - Im bisher größten Drogenprozess Hohenlohes schweigen die Angeklagten weiter. Nach acht Verhandlungstagen ist immer noch unklar, wer letztlich für den Anbau von mindestens 100 Kilo Marihuana in Kupferzell, Langenburg und zwei anderen Städten verantwortlich ist. Allerdings verdichten sich die Hinweise, nach welcher Methode die acht angeklagten Vietnamesen vorgegangen sind.

Wissen eingekauft

"Das scheint eine Art Franchise-System zu sein", sagt Martin Stirnweiß, Verteidiger eines 37-jährigen Angeklagten. Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, wonach es sich um bandenmäßigen Drogenanbau gehandelt habe, will er deshalb so nicht stehen lassen. Stirnweiß geht vielmehr davon aus, dass die Vietnamesen in Hohenlohe eine bundesweit bekannte Drogen-Geschäftsmethode umgesetzt haben.

Vermutlich habe ein Teil der Angeklagten von Hintermännern das Wissen gekauft, wie sogenannte Marihuana-Indoor-Plantagen betrieben werden. Möglich sei auch, dass man Vertriebskanäle der Hintermänner benutzt habe. Allerdings werde es der Staatsanwaltschaft schwerfallen, konkret nachzuweisen, in welchem Umfang sich die einzelnen acht Angeklagten schuldig gemacht hätten.

Detailliert

Weil die Vietnamesen kein Geständnis in Aussicht stellen, bleibt dem Gericht nichts anderes übrig, als die Ermittlungsarbeit der Polizei detailliert zu hinterfragen. In den ersten acht Verhandlungstagen wurden zahlreiche Beamte des Landeskriminalamts und der Polizeidirektion Künzelsau vernommen, auch der unbescholtene Vermieter der Indoor-Plantage in Kupferzell wurde gehört.

Den Verteidigern gelang es dabei nicht, die Beweislage nachhaltig zu erschüttern. So kann die Staatsanwaltschaft weiter auf sichergestellte Marihuana-Pflanzen und Fingerabdrücke sowie die Ergebnisse der Telefon- und Videoüberwachung bauen. An den nächsten beiden Terminen sollen die Ermittlungen zur Kupferzeller Marihuana-Plantage abschließend ausgebreitet werden. Anschließend will sich die 3. Große Strafkammer des Heilbronner Landgerichts mit den Drogenfeldern in Langenburg, Wittighausen (Main-Tauber-Kreis) und Grünstadt (Rheinland-Pfalz) befassen.

Zuvor muss die Polizei aber noch einen Zeugen ausfindig machen, der trotz Ladung zum letzten Verhandlungstermin nicht erschien. Der Türke soll von den Vietnamesen als Handwerker für Besonnung und Beregnung des Marihuanas eingesetzt worden sein. Gegen ihn wird, wie es im Juristendeutsch heißt, "gesondert ermittelt".




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