Höchststrafe im Skimming-Prozess gefordert

Öhringen - Im Öhringer Skimming-Prozess hat die Staatsanwaltschaft heute die Höchststrafe für die beiden Angeklagten gefordert. Nikolay K. und Ivaylo P. sollen in Bretzfeld und Öhringen Bankautomaten manipuliert und mit nachgemachten EC-Karten rund 45.000 Euro erbeutet haben.

Von Hagen Stegmüller

Öhringen - Erstmals war bei den beiden Angeklagten Nervosität spürbar. Nach dem Plädoyer des Oberamtsanwalts unterhielten sich Nikolay K. (40) und Ivaylo P. (37) aufgeregt miteinander. Hände und Arme fuhren hin und her, mit den Füßen war nur wippen möglich. Sie steckten wie immer in Metallfesseln.

Manipuliert

Im Öhringer Skimming-Prozess hat die Staatsanwaltschaft am Montag die Höchststrafe für die beiden Angeklagten gefordert. Wegen der bandenmäßigen Fälschung von Zahlungskarten sollen die beiden Angeklagten für vier Jahre ins Gefängnis. „Der Angeklagte Nikolay K. hat bei der Polizei alles zugegeben, das Geständnis ist voll verwertbar“, sagte Oberamtsanwalt Erich Müller vor dem Schöffengericht, dessen Strafgewalt bei vier Jahren Gefängnis endet. Laut Müller haben die beiden Angeklagten in Bretzfeld und Öhringen Bankautomaten manipuliert und mit nachgemachten EC-Karten rund 45.000 Euro erbeutet.

Ein Wachtmeister führt den Angeklagten Ivaylo P. ins Gericht. Foto: Stegmüller
Der Oberamtsanwalt hält auch den zweiten Angeklagten für schuldig. Auf Videoaufnahmen der Volksbank in Schwabbach seien Glatze, Armbanduhr und Turnschuhe von Ivaylo P. zu erkennen. Außerdem sei der 37-Jährige vom Mittäter belastet worden. Im Prozess hatten beide Angeklagten geschwiegen.

„Die beiden sind nur nach Deutschland gekommen, um diese Verbrechen zu begehen“, warf Müller den Bulgaren vor. Dies werfe „ein sehr schlechtes Licht“ auf sie. Die Angeklagten seien zudem wegen Skimming-Delikten bekannt.
Unterdessen hielt Verteidigerin Mariya Milusheva die Ermittlungen der Polizei für oberflächlich. „Es liegen absolut keine Beweise vor“, sagte die Anwältin von Nikolay K. Auf dem Video der Bank sei nur eine Person zu sehen, alles andere sei „Phantasie“. Ihr Mandant sei auch kein Skimming-Betrüger. „Er hatte den Auftrag, an einem Geldautomat einen Aufsatz zu entfernen.“ Wer das Kartenlesegerät montiert habe, wisse niemand.

Heimliche Geliebte

Die Verteidigerin warf den Behörden vor, mit ihrem Mandanten ein falsches Spiel gespielt zu haben. „Die Staatsanwaltschaft stellte ihm eine Bewährungsstrafe in Aussicht, anschließend hat er alles eingeräumt.“ In Wirklichkeit habe sich ihr Mandant das Geständnis ausgedacht, um schnell wieder nach Hause zu kommen. In Deutschland sei er nur gewesen, um seine Geliebte zu treffen. Den Namen dieser Frau dürfe er aber nicht sagen, damit die Beziehung zu seiner Ehefrau in Bulgarien „nicht den Bach runtergeht“. Die Anwältin forderte Freispruch.

Das Urteil in dem Prozess soll am 10. Februar fallen.