Brandanschlag: Polizei nimmt zwei Verdächtige fest

Neuenstein  Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft am Freitag in Neuenstein hat die Polizei zwei Männer aus dem Hohenlohekreis in Untersuchungshaft genommen. Sie sollen die Tat eingeräumt haben.

Von Heike Kinkopf

 

Bei den Tatverdächtigen handelt es sich um zwei Männer. Sie sollen am Freitag gegen 2.40 Uhr an den Außenfassaden von zwei Rohbauten an der Bahnhofstraße die Dämmung im Sockelbereich mit einem Brandbeschleuniger entzündet haben. Die Tat rief bei Politikern und Bürgern Entsetzen hervor. Verletzt wurde bei dem Brand niemand. Der Sachschaden beläuft sich nach Schätzungen von Polizei und Staatsanwaltschaft auf rund 20.000 Euro.

Im Zuge der ersten Ermittlungen der 22 Peronen starken Ermittlungsgruppe der Polizei ergab sich ein Verdacht gegen einen 33 Jahre alten Mann, der im Hohenlohekreis wohnt. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung noch am Samstag fanden die Beamten belastendes Beweismaterial auf, heißt es in einer Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Der Mann räumte die Brandstiftung in seiner Vernehmung ein.

Beweismaterial bei einer Durchsuchung gefunden

Die Tat hatte der 33-Jährige nach Ermittlungen der Polizei zusammen mit einem 24-Jährigen begangen, der ebenfalls im Hohenlohekreis wohnt. Nach Informationen von Stimme.de kommt der Mann aus der Gemeinde Neuenstein. Auch bei ihm fand die Polizei bei einer Durchsuchung belastendes Beweismaterial. Auch er räumte laut Polizei ein, an der Brandstiftung beteiligt gewesen zu sein.

Die beiden Tatverdächtigen wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart am Sonntag dem Haftrichter beim Amtsgericht Schwäbisch Hall vorgeführt. Er erließ die beantragten Haftbefehle und wies beide in Justizvollzugsanstalten ein.

Angesichts der Festnahmen ist Neuensteins Bürgermeister Karl Michael Nicklas „vorsichtig optimistisch“: Sollte es sich bei den beiden Verdächtigen um die tatsächlichen Täter handeln, könne von diesen jetzt keine Gefahr mehr ausgehen. Der schnelle Fahndungserfolg diene zudem der Abschreckung, sagt er auf Nachfrage von Stimme.de. Potenzielle Nachahmungstäter erhielten das Signal, dass sie entdeckt werden.

Zusammenhang mit Brandstiftung in Pfedelbach noch unklar

Die Brandstiftung an einem Wohnhaus in Pfedelbach am frühen Morgen des 17. November 2016 stritten beide ab. Die Ermittlungen hierzu dauern derzeit noch an.

Ob die beiden Männer der rechten Szene angehören, lässt die Staatsanwaltschaft Stuttgart zum Zeitpunkt offen. Allerdings: "Es gibt Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund", heißt es dort mit Blick auf das mögliche Motiv.

„Man kann nicht verhehlen, dass es auch in Neuenstein Rechte gibt. Die gab es auch schon vor der Krise mit den Flüchtlingen“, sagte am Wochenende ein Mann der Heilbronner Stimme, der seinen Namen nicht öffentlich machen möchte. Dennoch hoffe er, dass es keiner aus der Stadt gewesen sei, der versuchte, die geplante Flüchtlingsunterkunft in Brand zu setzen, sagte er am Sonntagmittag. Jetzt stellt sich heraus, dass die Täter aus dem Hohenlohekreis stammen.

Nach Informationen von Stimme.de soll die Brandstiftung „optimal gemacht“ worden sein. Bei der Dämmung am Sockel habe es sich mehr oder weniger um die einzige entzündbare Stelle gehandelt. „Jemand hat sich etwas dabei gedacht.“ Dieses gezielte Vorgehen sei auch die Parallele zur Brandstiftung in Pfedelbach. 

Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) freute sich in einer Stellungnahme über die „sehr gute Nachricht“ und bedankte sich bei der 22-köpfigen Ermittlungsgruppe der Polizei Heilbronn. Strobl: „Wenn die weiteren Einzelheiten ermittelt sind, erwarte ich eine schnelle und empfindliche Reaktion unserer Justiz. Zu Recht ist Brandstiftung ein Verbrechen, das eine hohe Strafandrohung hat – bis zu zehn Jahren Haft.“

 

 

Mahnwache

Ein „Zeichen setzen gegen Fremdenhass“ möchte die Stadt Neuenstein, der Verein Mitmachen und die örtliche Gemeinschaftsschule am Donnerstag, 26. Januar. Von 18 bis 18.30 Uhr soll es eine Kundgebung und eine Menschenkette auf dem Platz vor dem Kulturbahnhof an der Bahnhofstraße geben.

„Wir sind alle tief erschüttert über den Brandanschlag“, heißt es auf dem Flyer. „Bereits zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit ist unsere Region der Schauplatz für eine blindwütig zerstörerische, menschenverachtende und fremdenfeindliche Tat geworden“, teilen die Organisatoren der Mahnwache mit. Sie wollen gemeinsam mit Neuensteiner und Hohenloher Bürgern ein Zeichen setzen für Menschenrechte, Toleranz, Solidarität und ein friedliches Zusammenleben.