Silberschatz und Frauenpower

Von unserem Redaktions- mitglied Renée Ricarda Billau

Silberschatz und Frauenpower
Bessere Bedingungen für Zuwanderer, Frauen und die ältere Generation forderte Ministerin Ursula von der Leyen bei einem Podiumsgespräch.Foto: Mario Berger 

Heilbronn - Deutschland steht wirtschaftlich bestens da. Arbeitslosenzahlen? So niedrig wie lange nicht mehr. Bruttoinlandsprodukt? Schon wieder gewachsen. Wirtschaftskrise? Scheint es nie gegeben zu haben. Doch vor die Aufschwungssonne schiebt sich immer wieder eine dunkle Wolke und vermiest Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft die Aussicht. Und die Wolke heißt Fachkräftemangel.

Wie akut der ist und wie man ihn stoppen kann, darüber sprach Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gestern bei einem Podiumsgespräch zum Thema "Fachkräfte sichern" in Heilbronn. Im Haus der Wirtschaft sagte sie vor 300 Gästen, dass Deutschland ausländische Fachkräfte brauche und sie willkommen heißen müsse. "Ohne qualifizierte Zuwanderung wird es nicht gehen."

Schlüsselfaktor Vor allem in den MINT-Berufen, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, sowie den Bereichen Gesundheit, Pflege und Erziehung werde gut ausgebildetes Personal gebraucht. Die CDU-Politikerin forderte die Unternehmen auf, Arbeitsplätze für Frauen und junge Familien attraktiver zu gestalten. Kinderbetreuung sei ein "Schlüsselfaktor" gerade auch für den ländlichen Raum wie Heilbronn-Franken. Thomas Philippiak, Präsident der hiesigen IHK, hatte im Grußwort gesagt, dass jährlich 1000 junge Kräfte aus der Region wegziehen.

"Wir brauchen Ganztagsschulen, Kindergartenangebote und Krippenangebote", forderte von der Leyen, selbst Mutter von sieben Kindern. Frauen hätten sich zu lange zwischen Karriere und Kindern entscheiden müssen. In anderen europäischen Ländern sei es viel leichter, beides in Einklang zu bringen. In diesem Zusammenhang sprach sie sich erneut für eine Frauenquote in der Wirtschaft aus. Beim Frauenanteil in Führungspositionen liege Deutschland hinter Russland, China und Brasilien.

Für die Ministerin sind Frauen nicht nur ein Heilmittel gegen den Fachkräftemangel, sondern auch gegen den demografischen Wandel. Nur wenn man Frauen die Familiengründung ermögliche, sei die Überalterung der Gesellschaft aufzuhalten. Überhaupt die ältere Generation. Für die brach die 51-Jährige eine Lanze. Vor zwei Tagen hatte von der Leyen den ersten Fortschrittsreport, einen Bericht über die Entwicklung des Arbeitsmarkts, vorgestellt. Demnach steigt in einem Unternehmen die Produktivität mit der Anzahl der älteren Mitarbeiter. Deren Lebenserfahrung sei in der Wirtschaft sehr wichtig, sagte sie.

Kein altes Eisen Daher solle man die ältere Generation nicht als altes Eisen, sondern als "Silberschatz des Alters" betrachten. In den Firmen sei ein ausgewogener Anteil von jungen innovativen und älteren erfahrenen Arbeitnehmern vonnöten. "Wir brauchen die Mischung."

Deutschland müsse als älteste Gesellschaft neben Japan Ideen entwickeln, wie man der Generation 50 plus vor allem körperlich schwere Arbeit erleichtern könne. "Wir können uns selber helfen", sagte von der Leyen. Und später als Exporteure anderen Ländern die Ideen weitergeben. Welche das sein könnten, darauf ging die Ministerin für Arbeit und Soziales nicht näher ein.

Einem Bericht des Statistischen Landesamts, wonach Wirtschaft und Verbände den Fachkräftemangel zumindest teilweise herbeiredeten, widersprach die Politikerin. Sie verwies auf bundesweit eine Million offene Stellen. "Der Fachkräftebedarf ist hoch."




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