Neuer Audi-Werkleiter kennt sich aus in der Region

Zurück in der Wahlheimat
Der Hintergrund ist dem neuen Werkleiter Fred Schulze beim Fototermin im Audi-Forum wichtig: In der Neckarsulmer Fabrik hat er sein Handwerk gelernt. Und hierher ist er gerne zurückgekehrt.Foto: Andreas Veigel 

Neckarsulm - Auch Zufälligkeiten können ganz schön viel aussagen: Fred Schulzes erster Tag als Werkleiter war zugleich der 20. Jahrestag seines ersten Arbeitstags für Audi in Neckarsulm, und damit auch für den Beginn seiner beruflichen Laufbahn. „Damals wurden nicht so viele neue Leute eingestellt wie heute“, sagt Schulze. Für die Autobranche waren die frühen 1990er Jahre schließlich keine goldenen, umso glücklicher war Fred Schulze damals mit seiner ersten Stelle. Und hier hat er das Autobauen gelernt.

Der Neue also zugleich ein alter Bekannter, der zwei Jahrzehnte Audi in Neckarsulm überblicken kann: Damals stand Audi noch ganz am Anfang des bemerkenswerten Spurts vom Langweiler-Image an den Gipfel der automobilen Markenhierarchie. Auch Neckarsulm steht heute ganz anderes da.

Ambiente

"Das ganze Ambiente von Neckarsulm ist anders geworden", sagt Schulze und schwärmt vom Audi-Forum, das für ihn noch neu ist − aber auch nicht unbekannt. Eine seiner letzten Aufgaben, bevor er Neckarsulm 2004 wieder verlassen hat, war die Umstrukturierung des Werkes zum Standort mitzugestalten. Das Forum ist der sichtbarste Teil dessen, was damals geplant und inzwischen verwirklicht wurde.

Aber auch die Veränderungen innerhalb der Werksgrenze haben den Rückkehrer beeindruckt: Die Technische Entwicklung ist größer geworden. "Und wo jetzt das automatische Kleinbehälterlager seht, war noch ein Parkplatz", sagt Schulze. Trotz der rasanten Veränderung gibt es eine große Konstante: die Belegschaft. "80 Prozent meiner Kollegen von damals sind noch dabei", weiß er. Und viele der 14 200 Beschäftigten am Standort kennen ihn noch. Auch die "Kultur der offenen Rückmeldung", die Albrecht Reimolds Nachfolger damals schätzen gelernt hat, werde hier weiterhin gepflegt.

Insofern ist der Neustart ein fliegender. "Als Nachfolger führt man die Projekte des Vorgängers weiter", erklärt der 44-Jährige. "Fertig wird man als Werkleiter nie." Erst Zug um Zug wird die neue Handschrift sichtbar. Schulze drückt aufs Tempo, noch aber ist es ihm zu früh, über konkrete Ideen zu sprechen.

Geboren ist Fred Schulze in der kleinen Hansestadt Gardelegen, mitten im Binnenland etwa 35 Kilometer östlich von der VW-Konzernzentrale in Wolfsburg gelegen, und damit in der früheren DDR. An der Universität Magdeburg hat er Produktionstechnik und Schweißfachingenieurwesen studiert. Nach der Wende ist er als 24-Jähriger nach Heilbronn gekommen. Die Stadt ist seine neue Heimat geworden.

Hier hat er seine Frau Claudia geheiratet − sie arbeitet übrigens seit gestern wieder als Anästhesieärztin and der SLK-Klinik am Gesundbrunnen. Hier ist vor elf Jahren Sohn Leon zur Welt gekommen. Hier hat er gerne Veranstaltungen im Alten Theater in Sontheim besucht. Hier hat Schulze 2004 beim Trolli die Audi-Meisterschaft gewonnen. Und hier, genauer gesagt in Bad Wimpfen, haben die Schulzes ihr Häusle gebaut, kurz bevor ihn der VW-Konzern dann auf Reisen geschickt hat: 2004 ging er nach Hannover als Projektleiter für den Microbus. Zwei Jahre später übernahm er dort die Leitung des Karosseriebaus für den Porsche Panamera. Vor zwei Jahren wurde er schließlich zum Fertigungsleiter im VW-Werk Emden befördert, wo er die neue Passat-Familie auf den Weg gebracht hat.

Besen-Fan

Wahl-Schwabe ist er aber trotz der Entfernung geblieben: "Schaffe, schaffe, Häusle bauen, das passt zu meiner Mentalität", sagt Fred Schulze. "Das Sparsame." Auch den Dialekt findet er sympathisch. Und er ist ein großer Fan von Besenwirtschaften − weil man da sehr schnell hören kann, wie die Menschen denken.

Jetzt kommt es darauf an, dass er mit diesen Menschen ein erfolgreiches Team formt, denn Aufgaben gibt es im Werk Neckarsulm zuhauf. Nicht zuletzt müssen jetzt die Weichen gestellt werden, was mit der neuen Fertigungsstätte in Heilbronn geschieht. Das Veränderungstempo im Werk und in der Branche bleibt schließlich rasant.




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