Heilbronner Firma für Zukunftspreis nominiert

Von unserem Korrespondenten Joachim Rüeck

Heilbronn/Berlin - In Berlin wird am Mittwoch der Zukunftspreis 2011 verliehen. Drei innovative Projekte aus den Bereichen Mobilität, Energiegewinnung und Ressourcenschonung konkurrieren in diesem Jahr um die Auszeichnung, die die besten marktreifen Ideen aus den Technik-, Ingenieur- und Naturwissenschaften kürt. Bundespräsident Christian Wulff überreicht den mit 250.000 Euro dotierten Preis am Abend im Berliner ewerk.

Nominiert sind die Daimler AG (Sindelfingen), die eine Technologie für neuartige Fahrerassistenzsysteme entwickelte, sowie die Dresdner Novaled AG und Heliatek GmbH gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut und der TU Dresden - ihnen gelang es, mittels Halbleitern Licht und Energie zu gewinnen. Mögliche Anwendung: Eine Milchtüte, die vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums rot aufleuchtet.

Die Soitec Solar GmbH (Freiburg) und die Azur Space Solar Power (Heilbronn) entwickelten mit dem Fraunhofer Institut Freiburg eine effizientere und preiswertere Technik für Photovoltaik-Module, bei denen drei winzige Solarzellen aus unterschiedlichen Materialien aufeinandergestapelt werden.

Weltraumtechnologie für solares Morgen

Eines von drei Teams, das für den Zukunftspreis nominiert ist - von links: Klaus-Dieter Rasch, Hansjörg Lerchenmüller, Andreas Bett. Foto: Deutscher Zukunftspreis  
Mit nichts weniger als "den Himmel auf die Erde" zu holen, wirbt die Firma Azur Space Solar Power. Auch wenn das wohl etwas zu viel verlangt wäre, hat das Unternehmen allen Grund, stolz zu sein: Aus ihren Reihen kommt eine Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis, weil es mit Weltraumtechnologie die Kraft der Sonne irdisch nutzbar macht − und damit hilft, die Frage nach der künftigen Energiegewinnung zu beantworten. Die Heilbronner fertigen äußerst effiziente Solarzellen, die ein Tausendstel der Fläche gängiger Siliziumzellen brauchen, die sich auf den Häuserdächern ausbreiten.

Der Ursprung der Hochleistungstechnik liegt allerdings in Freiburg. Im dortigen Fraunhofer-Institut für Solare Energie (ISE) arbeitet Andreas Bett seit 25 Jahren an der sogenannten Mehrfachzelle. Aus dem preisverdächtigen Trio ist er der Forscher, Azur-Space-Geschäftsführer Klaus-Dieter Rasch sorgt für die Herstellung der Zellen, und Hansjörg Lerchenmüller baut und montiert mit dem Unternehmen Soitec Solar die Systeme. "Allein schon nominiert zu sein, ist für uns ein toller Erfolg", reagieren alle fast wortgleich. Wer den Zukunftspreis gewinnt, wird Bundespräsident Christian Wulff heute bekannt geben.

 

 

Mehr als 30 ihrer Solaranlagen stehen bisher unter anderem in Frankreich, Spanien, Portugal, Ägypten, Südafrika und den USA. Die Mehrfachzellen sind nicht fürs deutsche Hausdach geeignet, sondern für die Produktion größerer Strommengen in heißen Ländern. "Das Ärgernis in Deutschland sind die Wolken", sagt Azur-Geschäftsführer Rasch. Und bei weniger Sonne lohnt sich die Anwendung nicht. Die Herstellung ist zu kostspielig. 150 bis 200 Euro kostet eine Scheibe mit nur zehn Zentimetern Durchmesser, auf der etwa 1000 Zellen Platz finden.

"Im Weltraum darf es ruhig teuer sein", meint der Forscher Bett. Dafür muss die Technologie sicher funktionieren. Schließlich ist ohne Stromversorgung der ganze Satellit im Wert von 50 Millionen bis zwei Milliarden Euro Weltraumschrott.

Durch ihre Beständigkeit hat die aufwendig hergestellte Mehrfachzelle aus Galliumarsenid auch große Vorteile für die Nutzung in der Wüste. Sie besteht aus drei dünnen Schichten, die unterschiedliche Wellenlängenbereiche des Sonnenlichts einfangen. Winzige Linsen bündeln die Strahlen zuvor 500-fach. Die Konzentratortechnologie ist hitzeunempfindlicher als Siliziummodelle, sie verliert bei hohen Temperaturen wesentlich weniger Leistung, erklärt Rasch.

Wirkung

Der promovierte Physiker ist überzeugt: "Wir sind bei diesen Solarzellen erst am Anfang." Gut 40 Prozent des Sonnenlichts werden unter Laborbedingungen in Strom umgewandelt und damit doppelt so viel wie mit Siliziummodulen. 50 Prozent hält er in den nächsten Jahren für erreichbar − bei einer theoretischen Obergrenze von 70 Prozent.

Azur Space hat bisher nicht nur mehr als 400 Satelliten mit Solarzellen bestückt, sondern Module mit insgesamt 1000 Megawatt Leistung ausgeliefert. Zum Vergleich: Das stillgelegte Atomkraftwerk Neckarwestheim lieferte 700 Megawatt.

Andreas Bett sieht die Welt für die solare Zukunft gerüstet. "Wir haben alle Technologien, die wir brauchen." Siliziumzellen seien für die dezentrale Stromversorgung auf den Dächern das Richtige, die Dreifachzellen für Kraftwerke in Südeuropa und Nordafrika. Revolutionäre Neuerungen erwartet er in unmittelbarer Zukunft keine. Nun müssten Schritt für Schritt die Kosten gesenkt und der Wirkungsgrad erhöht werden, damit die Technologie unabhängiger von Subventionen wird.

Weitere Infos unter www.deutscher-zukunftspreis.de

 

 




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