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"Die Kaufleute bekommen glasige Augen"
Region - Mit Rekordzahlen hat die Neckarsulmer Bechtle AG das vergangene Jahr abgeschlossen. Vorstandschef Thomas Olemotz ist aber auch zuversichtlich, was die Zukunft angeht. Unser Redakteur Manfred Stockburger hat sich mit ihm unterhalten.
Herr Olemotz, Gratulation zur zweiten Umsatzmilliarde. Wann kommt die dritte?
Thomas Olemotz: Die fünfte haben wir im Jahr 2020, das steht in der Unternehmensvision. Aber Spaß beiseite: Wir wachsen weiter. Wenn die Konjunktur so weiterläuft, werden wir ein gutes Jahr bekommen. Sehr viel hängt davon ab, wie sich die ersten drei oder vier Monate entwickeln. Im Moment sehen wir noch keine Alarmsignale. Und um die dritte Milliarde mache ich mir keine grundsätzlichen Sorgen.
Und wie geht die Bechtle-Geschichte mittelfristig weiter?
Olemotz: Wir wollen unseren langen Atem beibehalten. Man muss aufpassen, dass das Unternehmen trotz des rasanten Wachstums stabil bleibt. Letztes Jahr haben wir über 700 neue Mitarbeiter eingestellt. Die neuen Kolleginnen und Kollegen zu integrieren, ist eine riesige Leistung der ganzen Organisation.
Mit der Beteiligungsgesellschaft BWK haben Sie einen Anker-Investor verloren. Wie lebt es sich ohne?
Olemotz: Die Aktien sind im Rahmen der Umplatzierung bei soliden Investoren gelandet, zum Beispiel bei der DWS. Auch die Familie Schick hat ihre Position deutlich ausgebaut, und der Freefloat und das Handelsvolumen sind größer geworden. Unterm Strich hat die Bechtle-Aktie davon profitiert.
Müssen Sie offensiver werden?
Olemotz: Nein. Seitens der neuen Investoren fühlen wir uns nicht getrieben, eine ganz neue Ausschüttungspolitik zu fahren. Schließlich werden wir auch für das zurückliegende Geschäftsjahr eine sehr attraktive Dividende zahlen. Wir spüren auch keinen verstärkten Quartalsdruck.
Die IT-Welt verändert sich rasant, und als Mit-Vierziger ist man in der digitalen Welt schon von Vorgestern. Wie halten Sie ihre Mitarbeiter fit?
Olemotz: Die Generationsgrenze zu den sogenannten Digital Natives, die in einer ganz anderen Welt groß geworden sind, liegt bei 23 Jahren. Die älteren nutzen die IT zwar auch, aber sie haben eine ganz andere innere Einstellung dazu. Vergangenes Jahr haben wir eine Menge in die Fortbildung unserer Mitarbeiter investiert, und das werden wir auch dieses Jahr tun. Das ist ein kontinuierlicher und dauerhafter Prozess.
Worum geht es in den Schulungen?
Olemotz: Es gibt zum einen die innovativen Basistechnologien, die sie als Dienstleister heute beherrschen müssen, beispielsweise die Virtualisierung. Zum anderen ist natürlich die Motivation ein großer Faktor. Unsere Aktion, allen Mitarbeitern ein iPad zu schenken, zielte durchaus auch in diese Richtung.
Damit sie damit im Büro arbeiten?
Olemotz: Nein, unsere eigene IT-Abteilung wäre auf diesen Ansturm sicherlich noch nicht ausgelegt. Im Zusammenhang mit unserem Erweiterungsbau hinterfragen wir das aber gerade kritisch, und prüfen unter anderem, ob unsere interne Infrastuktur noch passt. Auch vor dem Hintergrund des exorbitanten Mitarbeiterwachstums beschäftigen wir uns damit sehr intensiv.
In welche Richtung rollt die IT-Welt? Mittlerweile wird ja schon vom Web 3.0 gesprochen...
Olemotz: Im Businessbereich haben wir noch alle Hände voll zu tun, die Web-2.0-Welt in das Geschäft zu integrieren. In den nächsten Jahren kommen die ersten Digital Natives als Mitarbeiter in die Unternehmen. Sie bringen ganz andere Erwartungen an die IT mit. In sieben Jahren sind dann die ersten von ihnen IT-Chefs. Das wird die Nachfragesituation dramatisch verändern.
Wo steht der typische Kunde? Hat der Mittelständler schon eine Cloud?
Olemotz: Bei größeren Unternehmen ist die Cloud schon angekommen. Der Mittelstand beschäftigt sich im Moment intensiv damit.
Für den Benutzer ändert sich durch die Infrastruktur ja wenig.
Olemotz: Der Druck auf die IT-Chefs wird aber steigen, und zwar von der kaufmännischen Seite. Wenn wir dem Kaufmännischen Leiter einer Firma erklären, dass er mit einer Cloud die IT-Kosten komplett variabilisieren und zusätzlich noch senken kann, dann bekommt der natürlich glasige Augen. Dem IT-Leiter wird es dabei aber nicht warm ums Herz, sondern heiß unter den Achseln, weil der weiß, was das für ihn bedeutet. Aber der Einfluss der Kaufleute auf diese Entscheidungsprozesse nimmt zu.
Wird aus der IT-Branche also eine ganz normale Branche?
Olemotz: Alle Welt spricht von der IT als Produktionsfaktor. Warum soll ein Geschäftsführer alle anderen Produktionsfaktoren kostenorientiert managen und die IT nicht? Das wäre unlogisch.
Das macht er nur, wenn er ein schönes Spielzeug haben möchte...
Olemotz: So ist es.
Apple lehrt viele in der IT-Branche das Fürchten. Auch Sie?
Olemotz: Nein, wie haben keine Angst vor Apple. Man darf nicht vergessen, dass das Unternehmen aus dem Consumerbereich kommt, und der funktioniert anders. Apple hat sich inzwischen aber darauf eingestellt, dass die Vertriebswege im Firmenkundengeschäft andere sind. Wir profitieren von der "Appleisierung" der Industrie: Für einen Außendienstler ist es eben etwas anderes, wenn er mit einem schicken Macbook dasitzt, als wenn er ein 08/15-Notebook hat. Wir haben in diesem Produktsegment sehr erfolgreiche Wachstumsraten, allerdings von einem niedrigen Niveau aus.
Warum werden Apple-Produkte im Büro nicht häufiger eingesetzt?
Olemotz: Dafür gibt es gute Gründe, etwa die fehlenden Sicherheitskonzepte. Jeder IT-Chef schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er Apple-Geräte in seine Infrastruktur einbauen soll. Es gibt aber inzwischen auch dafür professionelle Lösungen.
Wird Apple nach der Musikindustrie und der Handybranche als nächstes das Büro revolutionieren?
Olemotz: Das kann gut sein, vielleicht in zwei oder drei Jahren. Aber wenn es so kommt, dann ist uns davor nicht bange: Wir könnten einen solchen Trend als Bechtle erfolgreich begleiten.
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