Anleger setzen DZ-Bank unter Druck

Fondsskandal - Sparer wollen ihr eingesetztes Kapital zurück - Genossen hoffen auf Vergleich

Von Jürgen Paul

Anleger setzen DZ-Bank unter Druck
Die DZ-Bank steht im Mittelpunkt des Anlegerzorns: Das genossenschaftliche Spitzeninstitut hofft auf eine außergerichtliche Einigung mit den Betroffenen.Foto: dpa

Tausende verärgerte Fondsanleger erhöhen den Druck auf das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ-Bank. Sie wollen ihr Geld zurück, das sie in den 80er und 90er Jahren in geschlossene Immobilienfonds des Vorgängers DG-Bank gesteckt hatten.

Der Protestmarsch, den hunderte Anleger kürzlich in Frankfurt veranstaltet haben, markiert einen neuen Höhepunkt in dem erbitterten Streit. Zudem sind rund 100 Schadenersatzklagen bei verschiedenen Gerichten anhängig.

Auslöser des Anlegerzorns sind geschlossene Immobilienfonds der DG-Bank-Tochter „DG Anlage“, die über die Volks- und Raiffeisenbanken und der Südwestbank vor allem in Süddeutschland vertrieben wurden. Von den 50 Fonds sind zwölf notleidend, den mehr als 20 000 betroffenen Anlegern droht der Totalverlust.

Gut 500 Millionen Euro haben sie in die Fonds investiert - in dem Glauben, Steuern zu sparen und für das Alter vorzusorgen. Doch die Rechnung ging nicht auf, denn die Mieterwartungen für die Immobilien in Ostdeutschland haben sich nicht erfüllt, der Aufschwung in den neuen Ländern wurde von den Fondsmanagern überschätzt. Die Anleger fühlen sich um ihr Geld betrogen und werfen den Genossenschaftsbanken fehlerhafte Beratung vor. So seien in den Prospekten viel zu hohe Renditen versprochen worden und über versteckte Kosten wie Vertriebsprovisionen nicht informiert worden. Im ungleichen Kampf gegen die mächtige Genossenschaftsorganisation haben sich tausende Anleger rechtlichen Beistand gesucht, um ihr Kapital auf gerichtlichem Wege zurückzufordern.

Keinen Cent Rendite Einer von ihnen ist der Heilbronner Rentner Josef Auler. Der heute 73-Jährige hatte Anfang der 90er Jahre 10 000 Mark in DG-Fonds investiert und bisher keinen Cent Rendite gesehen. „Das ist eine Tragik für viele Menschen in ganz Deutschland“, schimpft Auler, der als langjähriger Mitarbeiter der Württembergischen Weingärtner Zentralgenossenschaft in Möglingen den Genossen stets gewogen war.

„Mein Leben lang habe ich meiner Volksbank vertraut“, betont Auler, dem die Sicherheit seines Geldes wichtiger war als eine hohe Rendite. Bei den DG-Fonds habe es jedoch seitens der Volksbank Möglingen „überhaupt keine Aufklärung“ gegeben. „Ich habe denen blind vertraut“, sagt Auler. „Aus Wut“ hat er sich der Schutzvereinigung für Kapitalanleger (SfK) angeschlossen, die rund 500 geschädigte Fondssparer vertritt. „Vielleicht bekomm ich ja ein bissle was zurück“, hofft Auler, der seiner Volksbank längst den Rücken gekehrt hat.

Ob die Anleger ihr Geld wiedersehen, ist ungewiss. Bisher haben die Gerichte zugunsten der DZ-Bank entschieden. Doch die Anlegeranwälte geben nicht auf. Die Bremer Kanzlei Hahn etwa hofft angesichts neuer Erkenntnisse auf einen juristischen Erfolg. Am 30. Oktober entscheidet das Landgericht Frankfurt über eine Prospekthaftungsklage.

Die DZ-Bank setzt angesichts des Imageschadens auf Kulanz. Sie bietet den Volksbanken an, die Anteile an den notleidenden Fonds zurückzukaufen. Die Banken müssen die Anteile zuvor ihren Kunden abkaufen, die damit alle Schadenersatzansprüche abgeben. Was die Banken ihren Kunden dafür zahlen, ist ihre Sache. Zahlen sie jene Summe, die sie von der DZ-Bank bekommen, erhalten die Anleger etwa 20 Prozent ihres Geldes zurück. „Ein sehr dürftiges Angebot“, findet Heinz-Jürgen Franz, Initiator der SfK. Auch Petra Brockmann von der Bremer Kanzlei Hahn nennt die gebotene Quote „nicht im Ansatz akzeptabel“.

Schmerzlose Einigung? Selbst bei den Banken hofft man darauf, dass das Spitzeninstitut sein Angebot noch einmal aufstockt. Dass 20 Prozent der Anlagesumme für die Kunden nicht sehr befriedigend sind, kann Martin Oberhardt von der Volksbank Heilbronn verstehen. Der größten Geno-Bank in der Region sei daran gelegen, sich mit den betroffenen Kunden, deren Zahl der Prokurist mit „unter 50“ angibt, „schmerzlos“ zu einigen. Sollte die DZ-Bank sich großzügiger zeigen, schließt Oberhardt allerdings nicht aus, dass auch die Volksbank Heilbronn „im Interesse unserer Kunden“ die Vergleichssumme aufstockt.