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Hochschul-Schorle für Szenekneipen
Von Manfred Stockburger
In der WG haben sich Volker Netzhammer und Patrick Braun ( links) kennengelernt – wobei die Abkürzung in diesem Fall für Wohngemeinschaft steht. Über die Schorle aus der Flasche habe sie ihre Diplomarbeit geschrieben.Foto: Acht Grad
Heilbronn - Schorle, kann das was Hochwertiges sein, ein Kultgetränk? Volker Netzhammer und Patrick Braun sind sich ihrer Sache vollkommen sicher. Es ist aber nicht irgendeine Schorle, mit dem die beiden Existenzgründer die Szenebars und Clubs der Republik erobern wollen. Biowein und Mineralwasser, versetzt mit etwas Bio-Zucker, ergibt das „weinhaltige Getränk“, das natürlich auch nicht „Schorle“ heißt, sondern „Acht Grad“.Die Idee und einen ausgereiften Businessplan dazu haben Braun und Netzhammer in ihrer Diplomarbeit entwickelt – die beiden haben sich beim Weinbetriebswirtschafts-Studium („Weil das nicht so trocken ist wie normale BWL“) an der Heilbronner Hochschule kennengelernt. Kaum ist das Diplom in der Tasche, haben sie sich in der Innovationsfabrik ein Büro besorgt und sich an die Umsetzung gemacht. Die ist aber gar nicht so einfach.
Spaß muss es machen
Problem Nummer eins war das Geld, das haben Netzhammer und Braun schnell gelöst. Das Kapital für die ersten 6200 Flaschen Acht Grad stammt von Wolfgang Fischer. Der Ilsfelder Unternehmer hat vor zwei Jahren seine Firma verkauft und ist seither als Privatinvestor unterwegs, als „Business Angel“. In der Regel investiert der 52-Jährige in Energie. Auch über ein Billigschorle aus der Dose hatte er schon nachgedacht, die Idee aber wieder in die Schublade gelegt. Der Enthusiasmus der Jungunternehmer hat ihn begeistert und seinen Geldbeutel aufmachen lassen. Nicht als Hobby sieht er die Investition, betont Fischer. „Ich mach’ keine Abschreibungsprojekte. Aber Spaß muss es schon machen.“
Zusammengekommen sind die Gründer und ihr Finanzier übrigens bei einer Veranstaltung des Heilbronner Investoren-Netzwerks Venture Forum Neckar. VFN-Geschäftsführerin Sigrid Rögner war den beiden bei einem Gründerwettbewerb an der Hochschule begegnet und hatte dafür gesorgt, dass sie ihr Projekt den VFN-Mitgliedern präsentieren durften. Für die weitere Finanzierung hat inzwischen die Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Interesse angemeldet.
Liquidität ist das eine Thema. Um ihr Acht Grad an den Mann zu bringen, brauchen die Gründer ein konkretes Produkt. Das heißt: die richtige Flüssigkeit in der richtigen Flasche mit dem richtigen Etikett und dem richtigen Kronkorken. Hersteller gibt es genügend. Aber wer macht schon gerne weniger als eine Million Deckel oder Etiketten? Ein wenig hat das Acht-Grad-Trio die Mengen noch runterhandeln können. Dennoch haben sie für die ersten 6000 Flaschen 125.000 Kronkorken machen lassen. 119.000 liegen derzeit noch im Keller...
Qualität
Der Wein fürs Schorle kommt, obwohl das Weinsberger Staatsweingut an der Produktentwicklung mitgewirkt hat, nicht von hier: Der Chardonnay stammt von einem Großhändler aus der Bodenseegegend, „weil es in Heilbronn niemanden gibt, der diese Menge Biowein in gleichbleibender Qualität liefern kann“, sagt Patrick Braun.
Die Idee ist da, das Geld und die ersten Flaschen ebenso. Zurzeit müssen sich Braun und Netzhammer im Vertrieb die ersten Sporen verdienen. Szenekneipe um Szenekneipe abklappern, um die Sperber-Lounges und Hip-Islands dieser Welt von ihrer Radler-Alternative zu überzeugen. „Business Angel“ Fischer hat die Gründer nicht nur mit Geld versorgt, sondern ihnen auch den Kontakt zu einem Insider aus der Getränkebranche verschafft. Er selbst hat früher schließlich einen Autozulieferer geleitet, und dieses Geschäft funktioniert nach anderen Regeln. Mut macht den Gründern die Erfolgsgeschichte der Bionade, die es ohne die Rückendeckung eines Konzerns geschafft hat. An Visionen mangelt es nicht: Auch ins Ausland haben sie ihre Fühler ausgestreckt – es gibt schon eine englischsprachige Etikett-Variante.
20.08.2008
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