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Keine verdeckte Überwachung mehr (09.09.08)
Von Manfred Stockburger
Neckarsulm - "Wenn man seinen Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringt, dann kommt das in der Regel zurück.“ In seinem eigenen Berufsleben hat der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob nach dieser Maxime gehandelt. An diesem Prinzip hält er auch in seiner Funktion als Datenschutzberater des Neckarsulmer Discounters Lidl fest. „Ich habe festgestellt, dass die Geschäftsleitung voll dahintersteht, dass solche Fehler in Zukunft nicht mehr gemacht werden.“
Die Bußgeldbescheide wegen der Bespitzelungsaffäre, die bei Lidl noch in dieser Woche eingehen werden, sind für ihn Vergangenheitsbewältigung. Beim Blick nach vorn setzt Jacob (Foto: Lidl) darauf, dass es nicht darum geht, Bußgelder zu vermeiden, sondern den Datenschutz ernst zu nehmen.
Richtlinien
Wenn Lidl künftig Kameras einsetzt, dann wird dies streng kontrolliert. „Es wird keine heimliche Überwachung mehr geben“, sagt Jacob. Ebenso seinen Kameras in den Aufenthaltsräumen künftig tabu. Monitore in den Verkaufsräumen zeigen, was gefilmt wird. Nach 48 Stunden werden die Daten automatisch überschrieben, sofern es keinen konkreten Anlass gibt, den Film aus der Kamera zu nehmen – etwa wenn eine schweren Straftat begangen wurde. Filme entnehmen kann aber nur der Geschäftsführer, wenn der Datenschutzbeauftragte dabei ist.
Detektive würden künftig nur als „Ultima Ratio“ eingesetzt – die dürfen aber nur die stummen Kamerabilder anschauen und keine Protokolle anfertigen. Pin-Eingabegeräte an den Kassen werden ausgeblendet, verspricht er. Diebe haben die Zeit seit der Abschaltung der alten Kamerasysteme offenbar ausgenützt: Die Inventurdifferenzen seien größer geworden, seit die Kameras im April abgeschaltet wurden, sagt Lidl-Sprecherin Gertrud Bott.
Nicht nur in Sachen Video-Überwachung ist Jacob am Tüfteln – er hat den Umgang mit allen Daten von Mitarbeitern und Kunden im Blick: Etwa die Telefon- und E-Mail-Daten der Beschäftigten. „Da haben wir noch einiges zu tun“, sagt er.
Was Kunden sagen
Birgit Kutschenreiter aus Eberstadt kauft seit der Spitzelaffäre bei Lidl nur noch Sonderangebote ein. „Wir sind eine sechsköpfige Familie. Wenn wir alles boykottieren würden, reicht das Geld nicht mal zum Luftholen.“ Trotzdem ist sie sauer auf den Discounter. Freundinnen der 46-Jährigen waren selbst Opfer von Mitarbeiterüberwachungen. „Einer hat man gekündigt, weil sie sich an der Kasse vertan hat“, sagt sie. „Eine Sauerei“ sei das gewesen, sagt der Weinsberger Frank Pütz. „Aber ist es bei Aldi besser? Man weiß es ja nicht.“ Larissa Schwenk findet es gut, dass Lidl Bußgeld zahlt. „Ich hoffe, die lernen daraus.“ Für die Mutter aus Weinsberg hat allerdings nicht der Discounter versagt. „Das haben ja irgendwelche Detektive gemacht.“ Ein 72-jähriger Rentner ist skeptisch, dass die Mitarbeiter nun nicht mehr überwacht werden. „Die zahlen jetzt. Und dann geht das so weiter.“ at
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