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Lidl: „Nie systematisch spioniert“ (07.04.08)
Von Manfred Stockburger
Bei Anne Will stellte sich Jürgen Kisseberth den Fragen. Gestern waren bei Lidl in Neckarsulm wieder kaum Antworten zu bekommen. Foto: NDR/Wolfgang Borrs
Neckarsulm - Wir erklären nochmals die Spielregeln und geben den Regionalgesellschaften Orientierungshilfen.“ So hat Lidl-Personalchef Jürgen Kisseberth im vergangenen November in der Neckarsulmer zentrale gegenüber der Heilbronner Stimme seine Aufgabe beschrieben. Gleichzeitig überwachten in über 200 Filialen versteckte Kameras Kunden und Mitarbeiter, Detektive fertigten Protokolle auch über Privatgespräche an. „Jetzt geht es darum, die Personalarbeit zu systematisieren“, sagte er damals ganz aufgeräumt. „Die Arbeit macht mir unheimlich Spaß.“ Und jetzt?
Image-Tief Nach der Video-Affäre ist das Image des Discounters tief im Keller, und Kisseberth ist mit Schadensbegrenzung beschäftigt – zuletzt am Sonntagabend im TV-Talk bei Anne Will. Kisseberth, nicht etwa Deutschlandchef Frank-Michael Mros. Nicht Lidl-Vorstandschef Wilfried Oskierski. Und auch nicht Klaus Gehrig, der Konzernchef der Schwarz-Gruppe, der damals beim Schwarz-Buch ins TV ging, um sich reumütig für die „Einzelfälle“ zu entschuldigen.
Jetzt muss Kisseberth ran, der 58-jährige Manager aus Schwetzingen, der schon seit über 20 Jahren bei Lidl in Neckarsulm arbeitet und seit Anfang 2007 das Ressort Personal und Soziales verantwortet. Die Heilbronner Stimme hat gestern, wie am Sonntag vereinbart, einen Fragenkatalog nach Neckarsulm geschickt:
Wer hat den Auftrag erteilt, dass Detektive auch Privatgespräche von Mitarbeitern protokollieren sollen?
In wie vielen Filialen wurden die Protokolle angefertigt und wer hat sie bei Lidl in die Hand bekommen?
Wer im Hause Lidl wusste wann von den Protokollen?
Was sagt eigentlich Ihr betrieblicher Datenschutzbeauftragter zu den Vorfällen?
Wann stellen Sie endlich klar, dass Sie bei Lidl ein solches Fehlverhalten nicht mehr dulden?
Wie wollen Sie aus dem Sumpf herauskommen?
Keine Antworten Fragen hat das Unternehmen gestern aber nicht beantwortet. Jürgen Kisseberth ließ vielmehr eine „Darstellung der derzeitigen Situation“ übermitteln. „In einzelnen Fällen“ habe es die Protokollierung von zum Teil auch persönlichen Daten gegeben, heißt es darin. „Diese Art von Protokollen ist völlig inakzeptabel.“ Lidl habe die Mitarbeiter „nie systematisch überwacht und ausspioniert“.
Zur Aufklärung von Diebstählen seien „über einen begrenzten Zeitraum“ zusätzlich zu dem im Handel üblichen Einsatz von Kameras auch Detektive beauftragt worden – mit den bekannten Folgen.
Es sei nun die wichtigste Aufgabe des Unternehmens, Systeme zu entwickeln, „mit denen wir sowohl unser Eigentum und unsere Mitarbeiter schützen können und gleichzeitig auch alle Persönlichkeitsrechte von Personen“. Erneut verweist Kisseberth auf die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bundesdatenschutzbeauftragten Joachim Jacob, den das Unternehmen in dieser Sache als Berater engagiert habe. Die Spielregeln müssen also doch geändert werden. Aber wie?
Bis auf Weiteres hat Lidl die Kameras abgebaut. Aber, sagt Kisseberth und verweist darauf, dass dem Unternehmen pro Jahr Waren im Wert von 80 Millionen Euro durch Diebstähle verloren gehen: „Wir brauchen Maßnahmen, um uns und unsere Mitarbeiter vor Diebstahl oder Raubüberfällen zu schützen.“ Selbst die Kriminalpolizei empfehle hierzu den Einsatz von Kameras.
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