Wirtschaft leidet unter schlechter Infrastruktur

Eine Analyse von Werner Tewes

Zukunft ungewiss: Das Zaberfelder Werk des Autozulieferriesen Magna, in dem Sonnenblenden hergestellt werden, steht vor dem Aus. Foto: Archiv/Sawatzki


Zabergäu - Eine Serie von Schreckensmeldungen. 2010: Magna will das Werk Zaberfeld schließen, 220 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. 2009: Georg Kohl aus Brackenheim streicht im Laufe des Jahres 160 Stellen. 2008: Vorwerk halbiert die Belegschaft in Zaberfeld auf 50 Mitarbeiter. Gewiss, die Gründe für die Hiobsbotschaften sind unterschiedlich. Klar ist aber: Das Zabergäu hat in jüngster Vergangenheit heftige Rückschläge erlitten. Strukturelle Defizite machen der Region zwischen Brackenheim und Zaberfeld schon länger zu schaffen.

Schlechte Lage

Dass Magna aus dem Zabergäu abziehen will, liegt zwar an einem ganzen Bündel an Faktoren: Managementfehler etwa haben dazu geführt, dass das Werk des Autozulieferers seit Jahren rote Zahlen schreibt, die Produkte litten zudem unter schlechter Qualität. Hinter den Kulissen ist allerdings auch zu hören, dass der Standort Zaberfeld nicht optimal sei. Unternehmensnahe Kreise berichten von einer „schlechten Lage“ und einer „mangelhaften Infrastruktur“.

Die Kritik ist nicht neu: Das Zabergäu hat anders als etwa Hohenlohe weder einen direkten Autobahn- noch Stadtbahnanschluss, Bundesstraßen gibt es nur an den Rändern. Nicht ideal für Firmen, die auf eine reibungslose Logistik und pendelnde Mitarbeiter angewiesen sind.

Das Zabergäu wirbt im Wettkampf der Regionen zwar mit seiner landschaftlich reizvollen Lage am Stromberg-Heuchelberg. Doch Vertreter bedeutender Firmen sagen auch, dass qualifizierte junge Kräfte sich nur schwer von den Vorteilen überzeugen lassen. Die Kommunen kennen die Problematik: das Zabergäu, umrahmt von den starken Wirtschaftsregionen Stuttgart, Heilbronn, Karlsruhe – und doch irgendwo mitten im Nirgendwo.

Früh erkannt

Bereits 1970 hatten 18 Zabergäugemeinden deshalb den ersten Zweckverband für Wirtschaftsförderung Deutschlands gegründet. Kernstück der Initiative war neben einer besseren Verkehrserschließung auch die Errichtung des Industriegebiets Langwiesen bei Frauenzimmern, um neue Firmen mit günstigen Flächen anzulocken und heimischen Betrieben Raum zum Wachsen zu geben. Laut dem Zweckverbandsvorsitzenden und Brackenheimer Bürgermeister, Rolf Kieser, sind in den Langwiesen „mehrere Hundert Arbeitsplätze“ direkt geschaffen worden.

Das Zabergäu war auch Vorreiter beim IHK-Dialog „Wirtschaft und Schule“, bei dem Firmenvertreter regelmäßig den Unterricht besuchen. Die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) hat 2008 eine Bedarfsanalyse für die Region erstellt. Vier Arbeitskreise erarbeiten seither Ideen, um die Gegend voranzubringen. WFG-Geschäftsführer Markus Wegerhoff sagt deshalb auch: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Dass das Zabergäu hart zu kämpfen hat im Kampf der Regionen um Firmenansiedlungen und Arbeitsplätze, leugnet er indes nicht. „Aber alle Beteiligten ziehen hier an einem Strang. Das stimmt mich positiv.“ Und zumindest für das Magna-Gelände, so ist zu hören, haben sich schon Interessenten gemeldet.


Hintergrund: Weltmarktführer

Sechs Zabergäuer Firmen bezeichnen sich als Weltmarktführer: Schunk aus Lauffen mit Werk in Hausen, Layher, Weber-Hydraulik, Lägler (alle Güglingen), Infratest-Prüftechnik (Botenheim), Schneider-Armaturen (Nordheim). Weitere bedeutende Firmen: Georg Kohl, Rotex, Novoferm-Riexinger, Afriso-Euro-Index. wet




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