Trauerspiel Läpple: Betriebsratschef nimmt Stellung (25.08.2010)

Von Werner Tewes


Heilbronn - Bei Läpple überschlagen sich die Ereignisse. Der Betriebsrat des Heilbronner Automobilzulieferers hat am Mittwochmorgen dem Vorstand drei verbindliche Angebote zur Umsetzung seines Sanierungskonzepts vorgelegt. Neben der Energy Capital Invest Verwaltungs GmbH ist jetzt auch die GEG Global Energy Group AG offiziell in den Bieterwettbewerb eingestiegen. Bei dem dritten Interessenten, dessen Namen der Betriebsrat nicht nennen möchte, handelt es sich nach Informationen der Heilbronner Stimme ebenso wie bei den ersten beiden um eine Investorengemeinschaft.

Damit haben die Aktionäre heute auf der nichtöffentlichen Hauptversammlung die Wahl zwischen dem Konzept des Vorstands und dem der Arbeitnehmervertreter.

Zuversicht

Betriebsratschef Valentin Luschenz zeigt sich derweil zuversichtlich, dass bei einem Zuschlag für das eigene Konzept „mehr als 530 Arbeitsplätze“ unter dem neuen Eigentümer in Heilbronn erhalten bleiben. Der Vorstand möchte keine Stellungnahme zu den aktuellen Entwicklungen abgeben. Erst nach der Hauptversammlung will man sich äußern.

Ob dann endlich Klarheit über die Zukunft Läpples herrscht? Eine offene Frage. Derzeit kursieren vor allem Gerüchte im Läpple-Umfeld, Anschuldigungen werden aufgeworfen. Arbeitnehmervertreter und Vorstand bezichtigen sich gegenseitig der Lüge. Konstruktiv miteinander geredet wird dagegen schon länger nicht mehr. Seit Ende März herrscht dieser Zustand nun vor.

Damals präsentiert der Vorstand erstmals öffentlich sein Sanierungskonzept. Kerninhalt: 700 von 2400 Stellen sollen in der Läpple-Gruppe wegfallen, der Werkzeugbau verkauft werden. Die erste öffentliche Amtshandlung des frisch gebackenen Vorstandschefs Olaf Hedden. Eine Amtshandlung, die seine Reputation bei den Mitarbeitern rasch schwinden lässt. Was ebenfalls für Unmut sorgt: Die Presse bekommt die Pläne vor dem Betriebsrat zu Gesicht. Viele Mitarbeiter erfahren von ihrem Schicksal erst aus der Zeitung. Die Stimmung ist vergiftet. Monate der Ungewissheit folgen.

Hin und her

Erst stützt der Aufsichtsrat die Vorstandspläne gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter. Dann verlassen letztere aus Protest das Gremium. Eine Gesprächsplattform zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite verschwindet. Stattdessen gibt es Protestaktionen vor den Werkstoren, Mitarbeiter melden sich krank, kurzzeitig ruht die Produktion.

Dass der Aufsichtsrat im Juni beschließt, dass der Vorstand neben dem eigenen Konzept auch die Pläne des Betriebsrats gleichrangig behandeln soll, überrascht. Doch wieder sprechen Vorstand und Betriebsrat kaum miteinander. Urlaube haben anscheinend Vorrang. Jedenfalls wird das der jeweils anderen Seite vorgeworfen. Der Fall Läpple – ein Trauerspiel. Dabei berichten externe Fachleute, dass Vorstand und Betriebsrat in ihren Positionen eigentlich gar nicht so weit auseinanderlägen.
Wer sich letztlich durchsetzen wird, wird sich erst auf der Hauptversammlung zeigen. Eins ist jedenfalls sicher: Danach muss man zu Gesprächen zusammenkommen, denn die eigentliche Sanierung steht erst noch an.


Hintergrund: Unterstützung

Kurz vor der Hauptversammlung erhalten Mitarbeiter und Betriebsrat der Läpple AG weiter Unterstützung. In einem offenen Brief, der als Anzeige in dieser Zeitungsausgabe abgedruckt ist, bekunden die Gewerkschaften ihre Solidarität zur Belegschaft. „Wir fordern die Eigentümer der Läpple-Gruppe auf, sich für den Erhalt der 800 Arbeitsplätze zu entscheiden“, heißt es. Auch die SPD meldet sich zu Wort: Reinhold Gall, sozialdemokratischerLandtagsabgeordneter, spricht sich für die Pläne der Arbeitnehmervertreter aus. Er sei erfreut, dass der Betriebsrat für sein Fortführungskonzept zwei seriöse Angebote bekommen habe, so Gall. Und weiter:„Ich appelliere aus tiefstem Herzen an die Gesellschafter von Läpple, diese Angebote ernsthaft und wohlwollend zu prüfen und sich hierfür mittels einer Fristverlängerung genügend Zeit zu verschaffen.“ wet


 




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