Stil des Läpple-Managements verwundert selbst Firmenkenner (30.03.2010)

Von Manfred Stockburger

Heilbronn - Läpple ist nicht allein: Drei große Automobilzulieferer in der Region Heilbronn kämpfen mit den Folgen der Krise – und zum Teil auch mit den Auswirkungen nicht gemachter Hausaufgaben aus der Vergangenheit. „Restrukturierung“ nennen die Manager gerne das, was daraus folgt. Vor allem dann, wenn nicht nur Mitarbeiter im großen Stil entlassen werden, sondern dem Unternehmen auch eine neue Struktur gegeben werden soll. Wie verschieden die Ansätze sind, verblüfft – zumal jedenfalls hinter den Kulissen oftmals dieselben Menschen mit der Arbeit betraut sind.

Läpple

Bei Läpple überrascht Branchenkenner nicht so sehr die Tatsache, dass erneut Personal abgebaut wird, sondern auch das Wie: In der Regel sind Betriebsräte und Gewerkschaften schon früh in solche Veränderungsprozesse eingebunden. Gerade, wenn es Personalabbau im großen Stil geht – und auch um flexible Auffangregelungen für die betroffenen Mitarbeiter. Genau das hat bei Läpple nicht stattgefunden. Vielmehr sind die gemeinsam mit der Belegschaft entwickelten Lösungsansätze, die mit dem Unternehmen diskutiert worden waren, vor vier Wochen zusammen mit Vorstandssprecher Daniel Böhmer von der Bildfläche verschwunden.

Kolbenschmidt

Ironie des Schicksals ist, dass Lösung, die überzähligen Beschäftigten in eine interne Personaldienstleistungsgesellschaft zu versetzen, bei Kolbenschmidt vergleichsweise gut funktioniert: Das Modell haben die Neckarsulmer nämlich bei Läpple abgeschaut, und damit den Abbau von etwa 550 Stellen im vergangenen Herbst ziemlich reibungslos über die Bühne gebracht. Klar ist aber auch, dass es eine Lösung wie bei Kolbenschmidt nicht zum Nulltarif gibt. 138 Millionen Euro hat das Unternehmen für den Personalab- und Konzernumbau ausgegeben.

Pikant ist die Tatsache, dass Kolbenschmidt-Pierburg-Chef Gerd Kleinert auch bei Läpple mitspielt: als Aufsichtsratschef des Familienunternehmens. Kleinert hat Olaf Hedden geholt: bis zum Jahreswechsel arbeitete dieser bei der Kolbenschmidt-Schwester Pierburg. Im Gegensatz zu Läpple steht mit Rheinmetall hinter Kolbenschmidt ein finanzstarker Eigentümer.

Getrag

Wie bei Kolbenschmidt ist beim Untergruppenbacher Getriebebauer Getrag das Ziel des schmerzhaften Umbaus, die technischen Kompetenzen und die industriellen Kerne der Standorte zu sichern. Und das ist nur möglich, wenn wirtschaftlich gearbeitet wird. 700 Stellen und der Standort Ludwigsburg stehen bei Getrag zur Disposition, übrig bleiben soll ein Spezialist für Doppelkupplungsgetriebe. Trotz aller Proteste gibt es intensive Gespräche zwischen Management und Arbeitnehmern.

Und bei Läpple? Das Tafelsilber ist bereits verscherbelt – durch die Firmenverkäufe sind auch viele strategischen Optionen verbaut. Der Konfrontationskurs, der 2008 mit dem Abgang Wolf-Peter Graesers aus dem Vorstand begann, mit dem der Namen des Finanzchefs Ralf Herkenhoff verbunden ist und sich im Herbst in der Schlammschlacht um die versuchte Kündigung des Betriebsratschefs Valentin Luschenz fortgesetzt hat, geht weiter.




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