Lidl will Filialen wieder mit Kameras und Detektiven überwachen (07.05.2008)

Stuttgart/Neckarsulm - Nach der Enthüllung der Bespitzelungsaffäre will der Discounter Lidl seine Filialen in den nächsten Wochen wieder mit Kameras und Detektiven überwachen. Detektive sollten künftig aber nur noch vereinzelt und nach einer gesonderten Schulung eingesetzt werden, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Lidl, Klaus Gehrig, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa am Mittwoch in Stuttgart. „Die werden nicht mehr angeheuert und jetzt macht mal, sondern die kriegen ganz klare Vorgaben, wie sie sich zu verhalten haben und was sie aufschreiben dürfen.“

„Die klauen uns die Läden leer"

Derzeit werde gemeinsam mit dem früheren Bundesdatenschützer Joachim Jacob ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet. „In einer Musterfiliale werden in den kommenden Wochen Kamerasysteme aufgebaut und nach datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten überprüft“, sagte Gehrig. Die Mitarbeiter sollen umfassend über den Einsatz von Kameras und Detektiven informiert werden. „Dann weiß jeder, woran er ist.“ Außerdem sollten gemeinsam mit den Mitarbeitern Programme entwickelt werden, um den Diebstahl in den Griff zu bekommen. Die Überwachung von Filialen sei unverzichtbar. „Wenn wir das nicht machen, die klauen uns die Läden leer.“

Zur Diskussion um die Einrichtung von mehr Betriebsräten sagte der Aufsichtsratschef: „Wir waren immer offen.“ Mitarbeiter, die freiwillig einen Betriebsrat installieren wollen, würden nicht daran gehindert. „Was wir nicht wollen, ist, dass von außen Druck ausgeübt wird, zum Beispiel von Gewerkschaften.“ Er forderte die Politik auf, sich des Themas anzunehmen und „gleiche Voraussetzungen für alle zu schaffen.“ Er werde nicht den Vorreiter für die Branche spielen, sagte Gehrig. „Wenn, dann machen wir es bitte alle, oder keiner.“

Umsatzeinbußen registriert

Kündigungen habe es wegen der Bespitzelungsaffäre nicht gegeben, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. Auch Klagen gegen das Unternehmen seien ihm nicht bekannt. Allerdings habe Lidl nach Enthüllung der Affäre an einzelnen Tagen Umsatzeinbußen registriert. „Wenn ich mir die Umsätze im April anschaue, dann liegen wir aber im Plan.“ Im laufenden Geschäftsjahr rechne die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört, mit einem deutlichen Umsatzplus. „Das Ergebnis wird mitwachsen.“ Im abgelaufenen Geschäftsjahr lagen die Erlöse bei rund 50 Milliarden Euro. Lidl hat in Deutschland rund 3000 Filialen und 48.000 Mitarbeiter. (dpa)



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