Lidl systematisiert die Personalarbeit (26.03.08)

Von Manfred Stockburger

Lidl systematisiert die Personalarbeit
Motivationstraining für den Lidl-Nachwuchs: Vergangenes Jahr arbeitete Nationalfußballer Torsten Frings mit den Lehrlingen. Foto: Lidl 

Neckarsulm - Das Ziel ist ehrgeizig: „Wer eine Ausbildung im Handel machen möchte, soll zu Lidl wollen.“ Es ist Jürgen Kisseberth, der diesen Anspruch formuliert. Seit Jahresbeginn verantwortet er in der Geschäftsleitung von Lidl Deutschland den neu geschaffenen Bereich Mitarbeiter und Soziales. „Das Wachstum hat zwangsläufig dazu geführt, dass alles, was sich um Mitarbeiter dreht, irgendwo gebündelt wurde“, sagt Kisseberth - und er weiß, wovon er spricht: Schließlich ist er seit 20 Jahren bei Lidl.

Er hat eine typische Lidl-Karriere hingelegt: Nach seiner kaufmännischen Ausbildung ist er irgendwann zu den Neckarsulmern gestoßen. „Ich habe früh Verantwortung bekommen“, sagt er. „Man hat mich machen lassen.“ Mit Aufgaben im Vertrieb, in der Expansion und auch in den Regionalgesellschaften hat er sich bis in die Chefetage von Lidl Deutschland hochgearbeitet. Die Position beim zweitgrößten Lebensmitteldiscounter ist für ihn also nichts Aufregendes. Die Aufgabe wohl: „Das ist vollkommen neu“, sagt er. Und: „Ich mach’s mit Begeisterung.“

Bisher hat Kisseberth vor allem gesichtet, welche Ansätze es in dem großen und dezentral organisierten Unternehmen mit über 30 Regionalgesellschaften und ihren mehreren zehntausend Mitarbeitern schon gab. „Jetzt geht es darum, die Personalarbeit zu systematisieren“, sagt er. „Wir erklären nochmals die Spielregeln und geben den Regionalgesellschaften Orientierungshilfen.“

Und dann ist da das Thema Ausbildung. Hier hat sich Lidl eine Menge vorgenommen - weil qualitatives Wachstum nur mit qualifizierten Mitarbeitern möglich ist. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht. Insgesamt 1800 Azubis gibt es in den deutschen Lidl-Filialen zurzeit, 500 davon sind zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres dazugekommen. Das sind zwar weniger als noch vor einigen Jahren, als Lidl 1000 „Super-Azubis“ rekrutierte. Nur so, erklärt Kisseberth, lasse sich die Qualität der Ausbildung aufrecht erhalten. Schließlich sei nicht nicht in jeder Filiale eine qualifizierte Ausbildung möglich.

Hauptschüler Fast 20 Prozent der Lidl-Azubis sind Hauptschüler - ganz bewusst gibt das Unternehmen Hauptschulabgängern eine Chance. Neben der dreijährigen Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bietet Lidl auch die zweijährige Ausbildung zum Verkäufer im Einzelhandel an. Wer will und kann, darf weitermachen. So möchte das Unternehmen loyale Mitarbeiter gewinnen, die stolz darauf sind, für Lidl zu arbeiten. Und Leute, die bereits in der Ausbildung alles lernen, was sie für den Arbeitsalltag brauchen. In einem dicken Ordner ist das Lidl-Wissen zusammengestellt: Interne Prozesse sind darin ebenso erklärt wie Warenkunde - und auch, wie man mit Reklamationen umgeht.

Nicht nur Haupt- und Realschüler wollen das wissen, auch Gymnasiasten: Fast 20 Prozent der angehenden Einzelhandelskaufleute bringen ein Abitur mit in die Ausbildung - die BA-Studenten sind da nicht mitgerechnet. „Jeder Mensch hat einen anderen Lebensentwurf“, erklärt Kisseberth diese Tatsache: Auch nicht jeder Abiturient will ins Management.

62 Prozent der Auslerner haben nach der Lehre einen Arbeitsplatz erhalten. „Da liegen wir über dem Schnitt“, erklärt Kisseberth. Jeder 20ste ist innerhalb weniger Jahre Filialleiter geworden, fast jeder zweite immerhin Stellvertreter. Obwohl die Zahl der Filialen in Deutschland nicht mehr ganz so schnell wächst wie in den vergangenen Jahren, hat Lidl weiterhin Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern. Das liegt auch an den Öffnungszeiten, die in der Regel jetzt 72 Stunden in der Woche betragen. „Das erfordert neue Arbeitszeitmodelle“, sagt Kisseberth. Einige Filialen hätten jetzt sogar drei Verantwortliche.

Neu ist auch, dass der Weg aus der Filiale ins Management durchlässig geworden ist: „Für die, die wollen und können“, sagt Kisseberth, biete Lidl auch eine Weiterbildung zum Handelsfachwirt an. Allerdings ist dieser Weg nicht einfach - weil er über ein berufsbegleitendes Studium führt.




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