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Läpple: Aufsichtsrat genehmigt Sanierungspläne (04.05.2010)
Von Werner Tewes
Heilbronn - Eklat bei Läpple: Nach Informationen der Heilbronner Stimme haben die Arbeitnehmervertreter die Aufsichtsratssitzung am Montagabend fast geschlossen verlassen, ohne an den Abstimmungen teilzunehmen. Zu hören ist: Fünf der sechs Aufsichtsräte der Belegschaftsseite wollen ihr Mandat komplett niederlegen. Insider berichten, dass sich die Arbeitnehmervertreter nicht ernstgenommen fühlten. Informationen seien nicht weitergeleitet worden, man sei in Entscheidungsprozesse nicht einbezogen worden. Ungeachtet dessen hat der Rest des Aufsichtsrats dem Vorstand nun endgültig grünes Licht gegeben, sein Konzept umzusetzen, das den Abbau von 700 Stellen sowie den Komplettverkauf des Werkzeugbaus vorsieht.
Freilich, einen konkreten Käufer für den Werkzeugbau mit rund 300 Beschäftigten sowie die interne Dienstleistungsgesellschaft mit etwa 150 Mitarbeitern gibt es weiterhin nicht. Der Vorstandssprecher der Läpple AG, Olaf Hedden, gab lediglich bekannt, dass man derzeit „in konkreten Verhandlungen mit einer Reihe von möglichen Käufern für den Werkzeugbau“ sei. Aus unternehmensnahen Kreisen verlautet, rund 15 Interessenten hätten sich bereits beim angeschlagenen Automobilzulieferer gemeldet, weil sie die Sparte kaufen wollten – darunter Firmen aus Portugal und aus China.
Stellenabbau
Zu hören ist allerdings auch, dass viele Unternehmen nur bereit sind, einen deutlich verkleinerten Werkzeugbau zu übernehmen. Es gibt Stimmen, die davon sprechen, dass rund 170 Stellen in dem Bereich wegfallen sollen. Laut dem Läpple-Vorstand besteht dagegen „eine gute Chance unter einem neuen Eigentümer eine Vielzahl der Arbeitsplätze zu erhalten“.
Ursprünglich war zwar die Rede davon, dass der Werkzeugbau möglichst zum 1. Mai einen neuen Eigentümer finden sollte. Jetzt spricht der Läpple-Vorstand freilich von einem „schnellstmöglichen Verkauf“. Hinter den Kulissen ist zu hören, dass sich die Verkaufsverhandlungen mit Interessenten länger hinziehen als ursprünglich geplant, deshalb seien inzwischen auch schon andere Szenarien durchgespielt worden.
Ein vom Betriebsrat in Auftrag gegebenes Konzept, das den Erhalt von rund 480 Stellen sowie der Sparten Werkzeugbau, Anlagenbau und Blechteilefertigung am Standort Heilbronn vorsieht, hat der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Montag lediglich „zur Kenntnis genommen“. Der Läpple-Betriebsrat und die IG Metall wollen ihr Konzept dennoch weiter ausarbeiten. Jürgen Ergenzinger, Noch-Aufsichtsrat und Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Neckarsulm, betont, dass der vom Vorstand geplante Personalabbau nicht „ohne weiteres möglich“ sei. Grund dafür sind laut Gewerkschaft Standortsicherungsverträge bei Läpple, die Kündigungen untersagen und bis Ende 2011 gültig sind.
Vorstandskonzept
Ende März hatte der Vorstand der Läpple-Gruppe sein Sanierungskonzept der Öffentlichkeit präsentiert. Inhalt: Insgesamt 700 Stellen sollen wegfallen. Im Detail plant der Vorstand, dass der Werkzeugbau und eine interne Dienstleistungsgesellschaft mit 450 Stellen verkauft werden sollen. Weitere 250 Stellen sollen im Zuge der Umstrukturierung direkt abgebaut werden. Der Produktionsanlagenbau soll zudem bei der Fibrogruppe in Haßmersheim konzentriert werden.
Reaktion von Reinhold Gall
In einer ersten Reaktion erklärt der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Gall: „Ich finde es unverantwortlich und eine Frechheit, dass Vorstand und Eigentümer offenbar nicht bereit waren, das Alternativkonzept der Arbeitnehmervertretung zu diskutieren, geschweige denn, es ernsthaft zu prüfen. Dies ist ein weiterer Schlag ins Gesicht der betroffenen Arbeitnehmer und ihrer Familien und ein weiterer Tritt der betrieblichen Mitbestimmung und Mitverantwortung, die jahrzehntelang zum Erfolg der Firma Läpple beigetragen hat.Ich kann absolut nachvollziehen, dass die Vertreter des Betriebsrats die Sitzung aus Protest verlassen. Dies ist kein Eklat, sondern eine verständliche Reaktion. Der Skandal liegt vielmehr im Verhalten der Unternehmensführung, die – so erscheint es zumindest mir – überhaupt kein Interesse hat, den Standort, oder wenigstens Teile davon, zu erhalten. Vorstand und Eigentümer sind daher auch verantwortlich dafür, dass immer mehr Menschen den Glauben an eine funktionierende und gerechte Gesellschaft verlieren. Sie erweisen damit der Demokratie in unserem Land einen Bärendienst.“
Kampfbereite Belegschaft
Gedrückte Stimmung hat am Montagmittag bei einer Demonstration von Läpple-Mitarbeitern vor Tor I des Automobilzulieferers in Heilbronn geherrscht – gepaart mit Wut und Kampfbereitschaft. Nach Schätzung der Polizei nahmen mehr als 400 Menschen an der Kundgebung teil. Mehr dazu ...
04. Mai 2010
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