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Läpple-Arbeiter bleiben am Mittwoch dem Werk fern (31.03.2010)
Von Carsten Friese

Die Zeichen bei der Heilbronner Traditionsfirma Läpple stehen auf Sturm: Unter dem Beifall der Mitarbeiter hat Betriebsratschef Valentin Luschenz am Mittwochmittag Vorstandssprecher Olaf Hedden von einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung ausgeschlossen. Am Ende des 65-minütigen Treffens mit massiver Kritik an Vorstand und Aufsichtsrat legten viele Mitarbeiter die Arbeit nieder und wollen auch am Donnerstag ihrer Firma demonstrativ fern bleiben.
Tränen
„Druck muss von der Belegschaft kommen, denn ohne Druck hat man in dieser Firma auch früher wenig erreicht“, hatte IG-Metall-Vertreter Jürgen Ergenzinger zuvor unter großem Beifall gesagt. Man könne ja den Gründonnerstag nutzen, um den ganzen Tag „die furchtbare Geschichte der Firma Läpple der letzten Jahre zu beweinen“.
Zuvor hatte Betriebsratschef Luschenz den Läpple-Vorstand heftig kritisiert. Als „von langer Hand geplant“ bezeichnete er das Konzept, rund 700 Stellen abzubauen und den Werkzeugbau mit 300 Mitarbeitern zu verkaufen. „Man wollte nicht erfolgreich sein, warum auch immer“, sagte er. Luschenz sprach von einer „Vernichtung“ eines einst erfolgreichen Unternehmens. Er verwies auf rund 70 Millionen Euro, die im USA-Projekt der Firma Läpple „versenkt“ worden seien, auf Millioneninvestitionen in ein wertloses Grundstück in Irland und in Berater. Und der Aufsichtsrat „hat nichts unternommen gegen diesen Wahnsinn“. Dass „ein paar Herren“ die Firma in fünf Jahren „heruntergewirtschaftet haben“, ergänzte Jürgen Ergenzinger.
Gespannt und ohne große Zwischentöne hörten die mehr als 500 Angestellten den Rednern zu. Im Blaumann, im weißen Kittel, in Straßenkleidung waren sie in die große Werkhalle gekommen.
Er habe Angst, ein Sozialfall zu werden, sagt ein 44-jähriger Anlagenbauer auf dem Heimweg. Er hat Familie, er ist am Boden zerstört. „Es ist eine Frage der Zeit, bis es vorbei ist.“ Den Vorstand bezeichnet er als „Verbrecher“. Von Kollegen, die bereits früher entlassen wurden, hätten die wenigsten einen Job gefunden. Auch ein 56-Jähriger sieht keine Perspektive. „Das geht doch schon seit Jahren so“, hat er sich mit dem Aus innerlich abgefunden.
Keine Zukunft
„Wir fühlen uns gelinkt“, sagt ein Werkzeubauer aus dem Landkreis Heilbronn. Im Werk seien die Hallen „voll mit Aufträgen“, doch er werde auch am Donnerstag nicht zur Arbeit kommen. Unter dieser Führung „hat Läpple keine Zukunft“, ist er überzeugt.
Fünf Minuten später meldet ein Kollege am Werkstor: Im Werkzeugbau „gehen alle nach Hause“.
Konzept des Vorstands
Am Montag hat Läpple-Vorstand Olaf Hedden sein Sanierungskonzept vorgestellt. Inhalt: Der Werkzeugbau und eine interne Dienstleistungsgesellschaft sollen verkauft, die Blechteilefertigung in Heilbronn verkleinert, der Anlagenbau bei der Fibro-Gruppe in Haßmersheim konzentriert werden. Sollten die Pläne eins zu eins umgesetzt werden, würden bei Läpple 700 Stellen gestrichen. Allein in der Zentrale in Heilbronn würden von derzeit noch 900 Stellen knapp 250 übrig bleiben. wet
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