- Artikel
- 0 Kommentare
- Versenden
Getrag am Tag nach dem Schock (11.03.2010)
Von Manfred Stockburger
Untergruppenbach/Neuenstein - Wut und Betroffenheit, aber vor allem Angst beherrschen die Szene bei Getrag in Untergruppenbach am Tag nach der Ankündigung: Der Getriebebauer wird weitere 700 Stellen streichen und das Stammwerk in Ludwigsburg ganz schließen.
Am tiefsten fallen die geplanten Einschnitte in Neuenstein aus. Auf 620 Vollzeitstellen soll die Belegschaft dort in den nächsten zwei Jahren schrumpfen – aktuell sind in dem Werk noch gut 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen führe zu diesem Abbau, erklärt Getrag-Chef Mihir Kotecha im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Einerseits gehe es darum, die Produktivität zu steigern. Bei manchen Produkten, die etwa in Supersportwagen eingebaut werden, erwartet Kotecha auf Sicht keine steigenden Stückzahlen mehr. Und schließlich laufen einige Getriebemodelle ganz aus.
Verhandlungen
Bei einem für das Werk wichtigen Großauftrag gibt es erneut Preisverhandlungen mit dem Kunden. Ziel ist, dass dieser Auftrag erhalten bleibt oder durch eine vergleichbaren neuen ersetzt wird. „Wir hätten dieses Produkt einfach streichen können“, sagt Kotecha. „Aber das wollen wir nicht.“ Die Sanierung dieses bisher defizitären Projekts sei eine große Herausforderung für das Unternehmen. „Aber ich hoffe, dass die Reaktion der Belegschaft auf diese Entscheidung positiv ausfällt“, sagt Kotecha. Andernfalls hätte der angekündigte Personalschnitt in Neuenstein noch tiefer ausfallen müssen.
In Untergruppenbach soll die Belegschaft auf 600 Stellen schrumpfen – derzeit sind es noch knapp 750, wenn man die Beschäftigten in Kurzarbeit Null nicht mitrechnet. „Wir brauchen eine kritische Masse an Design-Kapazität, wenn der Betrieb weiterlaufen soll“, sagt Mihir Kotecha. Schließlich brauche man bis zu 100 Ingenieure, wenn ein neues Projekt ins Haus kommt. „Deshalb bin ich eine Zeit lang bereit, diese Stellen nicht zu opfern. Aber für immer können wir die Kapazitäten nicht vorhalten.“ Gleichwohl gelte auch für die Unternehmenszentrale die Maxime, „dass wir schlank sein müssen“.
Auf Arbeitnehmerseite laufen die Fäden bei Frank Iwer in der IG-Metall-Bezirksleitung in Stuttgart zusammen. Er habe sich noch kein abschließenden Bild von der Gemengelage machen können, sagt der Gewerkschaftssekretär. Am Freitag werden sich die Arbeitnehmervertreter bei ihm treffen, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Dann wird auch das vom Betriebsrat beauftragte Info-Institut einen ersten Bericht über die wirtschaftliche Lage in Untergruppenbach geben.
Iwer sieht bei Getrag „auch hausgemachte Probleme“, die nicht durch die aktuelle Absatzkrise verursacht seien. „Rätselhaft“ ist dem IG-Metall-Mann, wie Kotecha es bewerkstelligen möchte, dass in Neuenstein zuerst Sonderschichten gefahren werden, und die Mitarbeiter danach ihre Stellen verlieren sollen.
Vertrauensverlust
Fragt man den Untergruppenbacher Betriebsratschef Karl Weber nach der Stimmung, dann stöhnt er laut auf. „Die Leute sind aufgewacht“, sagt er. „Die haben es zum ersten Mal in dem Ausmaß mitbekommen, selbst mir war das nicht bekannt gewesen.“ Jetzt sei die Angst wieder da. Besonders bitter für ihn: Vor zwei Wochen habe ein Geschäftsführer erklärt, dass es in der Entwicklung keinen weiteren Stellenabbau geben würde. Jetzt kommt er doch. Weber spricht von Salamitaktik und sagt: „Ich weiß nicht, was ich noch glauben soll. Das ist ein totaler Vertrauensverlust für die Menschen.“
Beschäftigungssicherung
Ziemlich genau vor einem Jahr wurde schon einmal ein Sanierungspaket abgeschlossen, das den Beschäftigten im Gegenzug zum Erhalt des Werks Ludwigsburg und einer Beschäftigungsgarantie Lohnverzicht abverlangte. Die Garantie ist mit dem jetzigen Forderungskatalog Makulatur. Das neue Sparkonzept beinhaltet auch, dass die aktuell etwa 2700 Beschäftigten im Inland dieses und nächstes Jahr auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und auf Lohnerhöhungen verzichten sollen.
10. März 2010
Aktienkurse Regional
Aktienindizes
Wirtschaftsticker Deutschland & Welt
München/Paris (dpa)15:26 Uhr
EADS-Chef erwartet 350 Mio. mehr Gewinn
Washington/München (dpa)13:52 Uhr
Zu späte Rückruf-Info: BMW muss US-Strafe zahlen
Brüssel (dpa)11:49 Uhr
Wirtschaft Südwesten
Wirtschaft Hohenlohe
Wirtschaft Kraichgau
Nützliche Links
997 mal gelesen
Neckar: Immer mehr Schiffe hängen fest
840 mal gelesen
Nach Handzeichen Unfall verursacht
552 mal gelesen
Lagerhalle brennt ab - 200.000 Euro Schaden
550 mal gelesen
Bei Dauerfrost ein Bad in der Jagst
542 mal gelesen
Christian von Stetten wegen Engagement für die Malediven unter Druck
Archivsuche
Copyright©2012 stimme.de




