Erste Fahreindrücke mit der bärenstarken Elektrostudie E-Tron

Von Alexander Schnell


Neckarsulm - So vertraut die Karosserie des E-Tron aufgrund der Verwandtschaft mit dem Audi R8 auch sein mag, so ungewohnt ist es, wenn man im fast klinisch rein wirkenden Innenraum den Startknopf betätigt. Nichts. Kein lautes Grummeln, kein heißeres Fauchen. Kein Wunder – wo sonst im R8 ein Acht- oder Zehnzylinder aus dem Heck brüllt, treiben vier Elektromotoren die Studie an. „Bis Ende 2012 bringen wir den E-Tron in einer Kleinserie auf den Markt“, sagt Audis Entwicklungsvorstand Michael Dick. Als eine der ersten Zeitungen weltweit durfte die Heilbronner Stimme schon mal Platz nehmen hinter dem Lenkrad des Elektrosportwagens.

Aha-Effekt

An das fehlende Motorgeräusch muss man sich erst einmal gewöhnen. Doch sobald der rechte Fuß kräftig aufs Gas-, pardon Strompedal drückt, stellt sich der erste Aha-Effekt ein. Zusammen 313 PS aus den vier Elektromotoren machen die rote Flunder richtig flott. Mit 4500 Newtonmetern fräsen sich die vier Räder förmlich in den Asphalt auf Kaliforniens Highway Number One, den Audi für die erste Ausfahrt gewählt hat.

Wer das Potenzial des E-Tron aus dem Stand heraus voll nutzt, wird kräftig in den Sitz gepresst: Der 4,26 Meter lange Zweisitzer schiebt vehement an, nach 4,8 Sekunden liegt Tempo 100 an. „Das Drehmoment ist immer gleich – egal ob sie 30, 70 oder 140 km/h schnell sind“, erklärt Projektleiter Thomas Kräuter. Um die Reichweite auf vorerst maximal 248 Kilometer zu bringen, hat Audi die Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h begrenzt.

Steckdose oder Starkstromanschluss

Aufgeladen wird der E-Tron an der Steckdose. Rund sechs bis acht Stunden dauert es, bis die 470 Kilogramm Lithium-Ionen-Batterie vor der Hinterachse aufgeladen ist. Wer über einen Starkstromanschluss zu Hause verfügt, kann schon nach gut zweieinhalb Stunden wieder starten. Um das meiste aus dem Akku zu holen, nutzt der Autobauer die sogenannte Rekuperation und gewinnt zum Beispiel beim Bremsen Energie zurück.

Weniger Gewicht, bessere Reichweite

Bis 2012 die ersten Serienautos fertig sind, haben die Entwickler noch einiges zu tun. So muss das Gewicht der rund zwei Tonnen schweren Studie noch deutlich sinken. „Höchstens 1,6 Tonnen sind unser Ziel“, sagt Thomas Kräuter. „Und die Reichweite muss besser werden.“ Was der E-tron einmal kosten wird, steht noch in den Sternen. Bei einer Stückzahl von zunächst zehn, dann 100 und im dritten Jahr maximal 1000 Autos dürfte Audi am E-Tron nichts verdienen. „Darum geht es uns bei diesem Projekt auch nicht“, betont Projektleiter Kräuter. „Wir sammeln hier erste Erfahrungen mit dem Elektroantrieb. Von diesem Wissensgewinn werden künftige Modellreihen profitieren.“



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