Betriebsrat der Läpple AG hat zwei Angebote (24.08.2010)

Von Werner Tewes

Vorentscheidung bei Läpple

"Hier geht es um die Zukunft von 800 Mitarbeitern, 800 Familien, 800 Existenzen."

Valentin Luschenz

 
Heilbronn - Bei Läpple deutet sich kurz vor der Entscheidung über die Zukunft des Standorts Heilbronn erneut eine Wende an: Der Betriebsrat des angeschlagenen Automobilzulieferers hat angekündigt, am Mittwoch zwei „konkrete und seriöse Angebote“ von Interessenten für sein Sanierungskonzept zu präsentieren. „Der Vorstand wird unterschriftsreife Verträge auf dem Tisch liegen haben“, so Betriebsratschef Valentin Luschenz.

Gleichzeitig greifen die Arbeitnehmervertreter die Läpple-Führungsetage in einem offenen Brief, der in der Mittwochausgabe der Heilbronner Stimme abgedruckt ist, scharf an. So ist unter anderem von einem „Niedergang“ und „Untergang“ des Traditionsunternehmens die Rede.

Alternative

Der Betriebsrat geht damit mit seinem Konzept nochmals in die Offensive. Ende vergangener Woche hatten die Arbeitnehmervertreter noch um eine Verlängerung der Verhandlungsfrist um bis zu vier Wochen gebeten. Seinerzeit hieß es, die möglichen Investoren für das Betriebsratskonzept bräuchten mehr Zeit, um konkrete Angebote zu formulieren. An diesem Donnerstag will die Hauptversammlung der Läpple AG jedoch final über die Maßnahmen zur Restrukturierung des Unternehmens entscheiden.

Sollte der Betriebsrat nun tatsächlich wie angekündigt Angebote vorlegen, hätten die Gesellschafter neben dem Konzept des Vorstands, das unter anderem den Verkauf des Werkzeugbaus und einer internen Dienstleistungsgesellschaft mit zusammen noch etwa 400 Arbeitsplätzen vorsieht, die Pläne des Betriebsrats als Alternative zur Auswahl. Die Arbeitnehmervertreter möchten den Standort Heilbronn mit seinen Sparten Werkzeugbau, Anlagenbau und Blechteilefertigung in einer Gesellschaft zusammenhalten. „Die Investoren haben betont, dass sie das Betriebsratskonzept eins zu eins umsetzen wollen“, sagt Luschenz.

Laut dem Betriebsratschef der Läpple AG handelt es sich bei einem der beiden Bieter um die Energy Capital Invest Verwaltungs GmbH. Hinter der Investorengruppe aus Stuttgart, die bisher vor allem im Bereich Öl- und Gasfonds unterwegs ist, steckt der Ex-Börsenmakler Kay Rieck, der lange erfolgreich an der Wall Street aktiv war. Wer der zweite Interessent ist, möchte Luschenz erst am Mittwoch verkünden.

Aufschub

In dem offenen Brief fordert der Betriebsrat freilich trotz der nun vorliegenden Angebote weiterhin, dass die Hauptversammlung ihre Entscheidung am Donnerstag vertagt. Grund dafür ist laut Luschenz, dass die Investoren aktuelle Zahlen über den Geschäftsverlauf der Läpple AG vorgelegt bekommen möchten. Die Gesellschafter stünden jetzt in der Verantwortung, heißt es im Brief. Es gebe zudem keine rationellen Gründe gegen eine Verlängerung der Frist. Und: Die Belegschaft unterstütze das Betriebsratskonzept. Die Pläne des Vorstands bezeichnen die Arbeitnehmervertreter dagegen als „Existenzvernichtung von 800 Mitarbeitern, ihrer Frauen und Kinder“.

Der Vorstandssprecher des Automobilzulieferers, Olaf Hedden, hatte am vergangenen Freitag in einem Exklusiv-Interview auf stimme.de allerdings erklärt, dass eine Verlängerung der Frist nicht infrage käme. Doch wenn der Betriebsrat es schaffe, kurzfristig ein seriöses Angebot zu unterbreiten, sei man offen für Gespräche, so Hedden.






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