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Belegschaft zeigt wenig Verständnis für Sanierungspläne (30.03.2010)
Von Werner Tewes
Heilbronn - Die Welt steht still bei der Heilbronner Läpple AG. Einen Tag nach der offiziellen Mitteilung hat der Vorstand am Dienstag auch seine Belegschaft über die massiven Umbaupläne informiert. Über jene Maßnahmen also, nach denen rund 700 Stellen beim Autozulieferer wegfallen sollen. Die erste Reaktion bei den Beschäftigten: sprachloses Kopfschütteln.
Klares Umsatzminus
250 Stellen will Läpple direkt abbauen, darüber hinaus sollen der Werkzeugbau mit 300 sowie eine Dienstleistungsgesellschaft mit 150 Arbeitsplätzen verkauft werden. Der Vorstandschef der Läpple AG, Olaf Hedden, bezeichnet den Schritt als "unumgänglich". Der Konzernumsatz ist 2009 um fast 30 Prozent zurückgegangen. Der Werkzeugbau hat seit 2000 gut 80 Millionen Euro Schulden angehäuft. Das Ziel des neuen Konzepts sei es, sich auf die profitablen Bereiche zu konzentrieren, sagt Hedden. Die Fibro-Gruppe etwa, in der der Anlagenbau künftig zusammengefasst werden soll, war auch im Krisenjahr in den schwarzen Zahlen. Auch die Blechteilefertigung in Bayern hat positiv abgeschlossen.
Die Angst vor der Arbeitslosigkeit steckt in den Köpfen. "Hinter den 700 Arbeitsplätzen stehen 700 Familien", betont ein Beschäftigter aus der Blechteilefertigung. "Hat darüber mal jemand nachgedacht?" Auch auf Stimme.de wird heftig diskutiert: "Die Herren hatten sich einfach verkalkuliert", schreibt ein Läpple-Mitarbeiter.
Betriebsrat und die IG Metall haben bereits angekündigt, "heftigsten Widerstand" gegen die Pläne zu leisten. Zur Mitarbeiterversammlung sind die Arbeitnehmervertreter nicht erschienen. "Das Konzept ist nicht unser Konzept", sagt Betriebsratschef Valentin Luschenz. Am heutigen Mittwoch wird der Betriebsrat eine eigene Betriebsversammlung abhalten. Dort soll das weitere Vorgehen beraten werden.
Verständnis
Der Fall Läpple erschüttert die Region: Der regionale Geschäftsführer von Südwestmetall, Rolf Blaettner, spricht von einem "schweren Schlag für Heilbronn". Doch er sagt auch: "Für das Unternehmen geht es darum zu überleben." Reinhold Gall, SPD-Landtagsabgeordneter, hat der Läpple-Belegschaft seine Unterstützung im Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze zugesagt.
Was von Läpple übrig bleiben soll
Läpple ohne Werkzeugbau, was bleibt da? In erster Linie die Fibro-Gruppe mit Sitz in Weinsberg und Haßmersheim, die in der Vergangenheit einerseits sehr profitabel war, andererseits unabhängig von der Heilbronner Muttergesellschaft agiert hat. Zur 50-Jahr-Feier vor zwei Jahren beschäftigte das Unternehmen in Deutschland 835 Mitarbeiter, dazu 70 im Ausland, die einen Umsatz von 175 Millionen Euro erwirtschafteten. Vergangenes Jahr hat Fibro trotz eines Umsatzrückgangs um 25 Prozent schwarze Zahlen geschrieben.
Mit dem bisherigen Läpple-Kerngeschäft hat Fibro aber relativ wenig zu tun: Das Unternehmen liefert sogenannte Normalien, also zum Beispiel Schneidstempel, Gasdruckfedern oder Werkzeugschieber. Lediglich im Bereich der Automation, die 2004 durch den Kauf der GSA in Bad Friedrichshall gestärkt wurde, überschneiden sich die Aktivitäten.
In Heilbronn soll die Blechteilefertigung von Läpple verbleiben − wenngleich in deutlich verkleinertem Umfang. Vor allem Porsche oder Maybach haben bisher bei Läpple in Heilbronn Karosserieteile abpressen lassen. Im Werk Teublitz arbeitet Läpple viel für BMW.
Werkzeugbau
Nicht etwa Hämmer oder Schraubenzieher werden vom Läpple-Werkzeugbau hergestellt, sondern tonnenschwere Presswerkzeuge, mit denen Karosserieteile für Autos produziert werden: Türen, Seitenwände, Dächer, Motorhauben oder
Bodengruppen. Bei den Werkzeugen für Außenhautteile von Autos kommt es auf höchste Präzision in der Bearbeitung an. Über Jahrzehnte galt das Heilbronner Unternehmen als Technologieführer im Bereich Werkzeugbau. mfd
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