Bei Lidl wird jetzt geduzt

Neckarsulm  Konzernchef Klaus Gehrig gibt sich locker: Bei Lidl wird seit dieser Woche geduzt.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger

Klaus Gehrig ist Chef der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe. Foto: Archiv/Dirks

 

Es ist noch gar nicht lange her, da waren private Kontakte zwischen Lidl-Mitarbeitern verboten. Vornamen? Geheimsache. Scherzhaft erklärte ein Mitarbeiter der Personalabteilung das so: „Bei uns heißen alle entweder Herr oder Frau mit Vornamen.“ Das passt irgendwie auch zum Prinzip der Einfachheit, das den Discounter zum Riesen gemacht hat.

Nach dem Ende des Krawattenzwangs – Klaus Gehrig: „Die sind nicht gut fürs Denken, weil sie die Blutzufuhr zum Gehirn einschränken – folgte diese Woche der nächste Schock: Das Du.

Vorname

Ein Artikel der „Wirtschaftswoche“ über neue Umgangsformen beim Otto-Konzern hat Herrn Gehrig offenbar überzeugt. „Das passt auch zu uns“, kommentierte er den Text in einer internen Mail an die Mitarbeiter und schloss mit „Gruß Klaus“. Das Unternehmen wird schließlich immer internationaler und in den nordischen Ländern, in Großbritannien und auch in den USA, wo die Neckarsulmer derzeit unter Hochdruck am Markteintritt arbeiten, sind Vornamen auch in der Wirtschaftswelt weit verbreitet.

Ob sich daraus ein Duz-Zwang ergibt? Bei Otto soll es einen solchen auf alle Fälle nicht geben. Otto-Chef Hans-Otto Schrader lässt sich dagegen lieber „Hos“ nennen, weil das frischer klingt. Bei Lidl wurde allerdings seit dem Tag, an dem Gehrig seine Krawatte ablegte, kaum ein Schlips mehr gesichtet.

Nach extern gilt diese Regel sicherlich nicht, die Stimme der Pressenstellen-Mitarbeiterin klang aber viel freundlicher bei der Frage nach dem Du als bei den letzten 193 Anrufen. Zumindest ein wenig dringt die neue Lockerheit der Neckarsulmer offenbar auch nach außen.

Neue Etikette

Eine Mauer steht aber offenbar noch, obwohl Kaufland-Vorstandschef Patrick Kaudewitz inzwischen eine ganze Reihe ehemaliger Lidl-Weggefährten um sich geschart hat: Beim Schwesterunternehmen weiß man auf Stimme-Nachfrage nichts von der neuen Lidl-Etikette. Dort gibt es zurzeit aber schließlich auch ganz andere Sorgen, die sich nicht unbedingt so einfach wegduzen lassen.

Ob sich die die beiden neuen Personalvorstände bei Lidl und Kaufland duzen, ist indes nicht überliefert. Lydia Kaltenbrunner (Kaufland) und Christine Rittner (Lidl) haben aber bei Lidl Österreich nämlich schon zwei Jahre lang eng zusammengearbeitet, bevor sie sich jetzt in der Zentrale der Schwarz-Gruppe wiedergetroffen haben. In Österreich ließ Kaltenbrunner vor einigen Jahren bei einer Mitarbeiterparty den Lidl-Superstar küren. Nach Sie klingt das nicht.