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Analyse: Stillstand und Rückschritt bei Läpple (21.12.2009)
Eine Analyse von Heiko Fritze und Werner Tewes
Der Glanz vergangener Tage ist verblichen beim Heilbronner Traditionsunternehmen Läpple. Der Autozulieferer steht am Scheideweg. Foto: Ulrike KuglerHeilbronn - Zugegeben, es ist Krise. Und Konkurrenten wie Edscha und Karmann schlitterten sogar in die Insolvenz. Doch auch die Vorgänge beim Heilbronner Autozulieferer Läpple sind kein Ruhmesblatt: Einer der einst größten Blechteilefertiger der Welt, noch vor zwei Jahren ambitioniert unterwegs, hat alle Wachstumsziele beerdigt – und die Zukunft ist ungewisser denn je. Der Grund für diese Entwicklung ist eine Kombination aus aktueller Krise und den lange vor sich hergeschobenen strukturellen und finanziellen Defiziten.
Seit einigen Jahren tobt ein Richtungsstreit hinter den Kulissen der Firma: Bleibt Läpple breit aufgestellter Systempartner der Automobilindustrie oder trennt man sich von profitablen, aber auch risikobehafteten Geschäftsfeldern? Die Trennungslinie geht durch die Reihen der Gesellschafter und des Vorstands, berichten Insider. Strategien wurden entworfen und wieder verworfen. Millionen hat das Unternehmen dabei in den Sand gesetzt.
Rote Zahlen
In den vergangenen Monaten hat sich Läpple peu à peu von Tochterfirmen getrennt. Schritt eins war im Oktober der Verkauf des Werks in den USA. Sicher, dort wurden bislang nur rote Zahlen geschrieben – trotz voller Auftragsbücher. Aber die Entscheidung war seinerzeit goldrichtig, im Südwesten der Staaten zu investieren: Schließlich verlagert Mercedes-Benz die C-Klasse nach Tuscaloosa, in Spartanburg wird der BMW X3 gebaut, VW errichtet ein neues Werk. Davon profitiert nun der spanische Konkurrent Gestamp, der den Standort nach Insiderinformationen nur gegen Übernahme der Schulden erhalten hat.
Schritt zwei war der Verkauf der südafrikanischen Werke. Läpple war seit 1971 unangefochten Marktführer am Kap. Andere wie der italienische Zulieferer Magnetto wären gerne hinzugekommen. Das hat Läpple nun ermöglicht. Zeitgleich folgte Schritt drei mit dem Verkauf des Formenbaus: eine Zukunftstechnologie, auf deren Rahmenbauweise die Heilbronner das Patent hielten. Dankend genommen von Planfuro-Chef Mario da Silva, der zuvor schon mit Läpple gute Geschäfte machte – als Gebrauchtmaschinenhändler verwertete er veraltetes Equipment des Stammwerks.
Innerhalb eines Jahres hat Läpple seine Mitarbeiterzahl fast halbiert. Von den 4200 Beschäftigten Ende 2008 sind 2400 übrig. Die Schrumpfkur hat dazu geführt, dass Läpple viel von seiner Attraktivität für die Autoindustrie verloren hat. Ganz zu schweigen davon, dass laut informierten Kreisen die finanzielle Lage weiter äußerst angespannt ist.
Schulden
Offensichtlich haben vor allem die Kreditgeber darauf gedrängt, die Schulden rasch auszugleichen. Zumal da noch ein ehemaliger Auslandsstandort die Bilanz verunziert: Zwar hat Läpple das Werk in Irland für 18 Millionen Euro an einen Immobilienfonds verkauft, doch so lange der keinen Käufer findet, werden nach Angaben von Firmenkennern jährlich fast 2,5 Millionen Euro Miete fällig. Dabei tut sich im Gebäude seit 2007 nichts mehr.
Läpple hat seinen Platz in der Riege der größten Blechteilefertiger verloren. Dies sind nun andere: Magna und Gestamp, Magnetto und Polynorm Grau, Allgaier, Tower und Oxford. Viele von ihnen haben sich in den vergangenen Jahren neu aufgestellt, Partner wie etwa Stahlkonzerne mit ins Boot geholt. Konkurrenz bereiten aber auch die Presswerke der Autohersteller selbst.
Neuer Mann
Ob die Berufung Olaf Heddens zum neuen Vorstand Läpple wieder in die Erfolgsspur bringt, ist unklar. Kenner deuten die Personalie als Signal für baldige Veränderungen: Hedden ist bei seinem Noch-Arbeitgeber der Kolbenschmidt-Pierburg-Tochter Pierburg GmbH für Finanzen zuständig, und dass man mit ihm und Ralf Herkenhoff zwei Experten auf diesem Gebiet im Vorstand braucht, gilt als unwahrscheinlich.
Bliebe noch die Frage, ob es auch Schritt vier geben wird: noch einen Verkauf. Nach Stimme-Informationen ist ein weiteres Filetstück des Konzerns gerade auf dem Markt. Mit der Käufersuche beauftragt ist ein Berater aus Frankfurt, der in der Region kein Unbekannter ist. Dass Läpple so wieder auf die Beine kommt, wird aber bezweifelt.
Helfen dürfte wohl nur der Einstieg eines Investors. Ob die Eigner aber dazu bereit sind, steht in den Sternen. Der Weg wäre jedenfalls schon bald frei, läuft das einst verfügte Aktienverkaufsverbot doch 2010 aus. Sollte es nicht dazu kommen, droht Läpple das gleiche Schicksal wie anderen Ex-Größen. Schließlich hat auch bei Edscha und Karmann lange Zeit niemand das Aus für möglich gehalten.
Hintergrund: Läpple-Gruppe
Mit einer kleinen Schlosserwerkstatt in Weinsberg legte August Läpple 1919 den Grundstein für die heutige Firmengruppe. In der Ära der Patriarchen Helmut und Erich Läpple wurde der Betrieb zu einem Autozulieferer mit weltweiter Bedeutung. Erst in hohem Alter zogen sich die Brüder aus der Geschäftsführung zurück: Im Herbst 2004 wurde mit Wolf-Peter Graeser erstmals ein familienfremder Manager Läpple-Chef. Er wurde im vergangenen Jahr durch Daniel Böhmer abgelöst. Aufsichtsratschef ist Kolbenschmidt-Vorstand Gerd Kleinert. mfd
21. Dezember 2009
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