Lidl geht in die City, Aldi nach China

Neckarsulm  Das Wettrennen zwischen den beiden größten deutschen Discountern beschränkt sich schon längst nicht mehr auf Deutschland. Auf der Suche nach neuen Kunden und mehr Wachstum gehen Lidl und Aldi neue Wege.

Von Manfred Stockburger

Lidl geht in die City, Aldi nach China

So soll die neue Metropolfiliale von Lidl in Frankfurt aussehen. Mit dem Bau des Gebäudes haben die Neckarsulmer dieser Tage begonnen.

Foto: Lidl

 

Im Wettrennen um künftige Wachstumschancen gehen Lidl und Aldi neue Wege. Nach Informationen der "Lebensmittel-Zeitung" (LZ) plant Aldi offenbar jetzt auch in China ein Filialnetz.

Bislang sind die beiden Branchen-Giganten im bevölkerungsreichsten Land der Welt lediglich mit verschiedenen Online-Angeboten vertreten. Gut ein Jahr nach dem Online-Markteintritt in China fasst der Mülheimer Discounter laut "LZ" nun den Aufbau stationärer Märkte ins Auge. Nach "LZ"-Informationen werden aktuell Expansionsteams zusammengestellt. Die Schwarz-Gruppe hat derzeit andere Prioritäten.

Ein erfolgreicher Start in China würde Aldi auf Jahrzehnte hinaus hohe Wachstumschancen geben - aktuell ist die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland nach Umsatz größer als Aldi. In den USA, wo Lidl derzeit seine Anfangsschwierigkeiten zu überwinden sucht, und in Australien, wo Kaufland mit den Hufen scharrt, ist der einstige Arbeitgeber des Schwarz-Gruppen-Chefs Klaus Gehrig bereits vertreten. Lidl wird indes im laufenden Jahr in Serbien seine ersten Filialen eröffnen.

Neuland für Lidl

Serbien ist allerdings nicht das einzige Neuland, das die Neckarsulmer derzeit betreten. Mehrfach war Lidl in den vergangenen Jahren zugunsten eines einheitlichen Auftritts vor speziellen Innenstadt-Filialen zurückgeschreckt, jetzt hat in Frankfurt der Bau der ersten Metropolfiliale begonnen, die mit der Hälfte der 6000 Quadratmeter Fläche auskommt, die eine Norm-Filiale mindestens benötigt. Für Alexander Thurn, den Immobilienchef von Lidl Deutschland, ist das Projekt im Lyoner Quartier in Frankfurt "eine Blaupause dafür, wie wir uns Einzelhandel in dicht besiedelten innerstädtischen Gebieten vorstellen".

Über einen Parkplatz im Erdgeschoss errichtet Lidl bei diesem Typ die Verkaufsfläche im ersten Obergeschoss. Das Konzept sei eine mögliche Lösung für ausgewählte Standorte in sehr dicht besiedelten Stadtteilen, heißt es. Analog zur - allerdings deutlich größeren - Kaufland-Filiale in Ilsfeld, die als Prototyp für Neubauten der Großflächensparte der Schwarz-Gruppe gilt, führt eine Rollsteige in den Eingangsbereich der Filiale.

Beim Spatenstich Frankfurt stellten die Neckarsulmer erste Überlegungen für eine zweite Innenstadt-Variante vor, die ebenfalls in der Main-Metropole verwirklicht werden soll. Auf dem Gelände, das durch den Abriss einer bestehenden Filiale frei werden soll, plant Lidl zusammen mit einem Partner in zwei Baukörpern den Neubau einer Filiale und zusätzlich 110 Wohnungen. Dieses Projekt erinnert an die Bebauung der Böckinger Neuen Mitte in Heilbronn, wo eine Lidl-Filiale in einen größeren Gebäudekomplex integriert ist.

 

Aldi Nord plant in Berlin Wohnungen

Eine ähnliche Initiative hatte Aldi Nord kürzlich für Berlin angekündigt. 17 Standorte hat der Lebensmittelhändler für das Immobilienprojekt konkret ins Visier genommen. Mittelfristig sollen an 30 Filialstandorten mehr als 2000 Wohnungen entstehen, wie das Unternehmen angekündigt hat. "Die Kombination von Aldi-Märkten und angeschlossenem Wohnraum ist eine zukunftsorientierte Lösung", wie Geschäftsführer Jörg Michalek sagt.