Knorr: Trübe Zukunft statt klarer Suppe

Heilbronn  Die Verhandlungen über einen neuen Knorr-Standortsicherungsvertrag sind gescheitert. Bei einer Betriebsversammlung sollen die Beschäftigten über die Folgen der neuen Situation informiert werden.

Von Manfred Stockburger

Unilever Knorr
Knorr Unilever

Für den Heilbronner Unilever-Standort gibt es keinen Standortsicherungsvertrag mehr. Der Versuch, das Werk in der Knorr-Straße für die Zeit nach der Verlagerung der Entwicklungsabteilung auf eine gesicherte Basis zu stellen, ist am Montagabend gescheitert. Das Unternehmen hatte den bestehenden Standortvertrag im Frühsommer gekündigt, um die Schließung der hiesigen Entwicklung juristisch möglich zu machen.

Mehr Geld

Kurzfristig bedeutet das, dass die Beschäftigten schon in den kommenden Wochen mehr Weihnachtsgeld bekommen und dass es in der Produktion wieder bezahlte Pausen gibt. Andererseits fällt der bislang geltende Verzicht auf Entlassungen weg und ebenso die Zusage, dass das Unternehmen keine Kernprodukte aus Heilbronn in andere Werke verlagert.

Auf dieser Basis hatten das Unternehmen und die für einen solchen Ergänzungstarifvertrag bei Knorr zuständige Gewerkschaft NGG 2003 die Zukunft des Standorts nach der Übernahme des Unternehmens durch den britisch-niederländischen Unilever-Konzern festgeschrieben. Jetzt gelten wieder die noch älteren Regelungen eines Tarifvertrags aus dem Jahr 1992. Nächsten Mittwoch soll es eine Betriebsversammlung geben, bei der die Beschäftigten ausführlich über die Folgen der neuen Situation informiert werden. Aktuell hat der Knorr-Standort insgesamt rund 1100 Beschäftigte.

Während das Unternehmen noch Hoffnung hat, ein endgültiges Scheitern der Gespräche zu verhindern – „Die Kuh ist noch nicht vom Eis, aber auch noch nicht ins Eis eingebrochen“, formulierte ein Sprecher – ist der Heilbronner NGG-Geschäftsführer Burkhard Siebert pessimistisch: Zu wenig hätte das Unternehmen als Gegenleistung für weitere Zugeständnisse angeboten. Einen Teil der Vorschläge bezeichnete er gegenüber der Heilbronner Stimme sogar als „Abwrackplan“. Mit der letzten Verhandlungsrunde am Montag sei die NGG bereits in die Verlängerung gegangen, sagte Siebert – bis Ende Oktober sollten die Verhandlungen ursprünglich abgeschlossen sein.

Nur etwa zwei Drittel der aktuellen Produktionsmenge habe das Unternehmen dem Standort zusichern wollen – und diese Zusage an die Bedingung geknüpft, dass die Kosten europaweit wettbewerbsfähig sein sollten. Außerdem habe beim Verhandlungsteam der Arbeitnehmer für Verärgerung gesorgt, dass nicht nur Zukunftsinvestitionen etwa in neue Produkte oder Maschinen Teil des Pakts sein sollten, sondern sämtliche Anschaffungen. „Also auch eine neue Beschilderung für den Parkplatz“, sagte Siebert.

Investitionen

Keine Verringerung des Volumens, sondern ein Zuschlag und zusätzlicher Produkte wären aus Sicht der Arbeitnehmervertreter aber notwendig, um die Zukunft des traditionsreichen Produktionsstandorts nachhaltig zu sichern. Neben der Abfüllung und Verpackung der Trockenprodukte wie Suppen, Salatsoßen oder Fix-Küchenhelfer werden in der Knorrstraße technologisch anspruchsvollere Zutaten hergestellt. Auch gehört zu dem Standort mitten in der Stadt ein Logistikzentrum.

In der Hamburger Unilever-Deutschland-Zentrale gibt man sich überrascht über den Abbruch der Verhandlungen. „Wir sind davon ausgegangen, dass uns das Ziel eint, den Standort zukunftsfähig zu machen. Darauf zielte unser Angebot“, sagte ein Sprecher. Man sei kurz vor einer Einigung gewesen. „Aber es wird weiter gesprochen.“