Schwarz-Gruppe schiebt Plastik ins Abseits

Neckarsulm  Die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe sagt Plastikmüll den Kampf an und verordnet sich eine internationale Strategie zur Verringerung des Einsatzes von Kunststoffen. Möglichst alle Materialien sollen recyclingfähig werden.

Von Manfred Stockburger

Schwarz-Gruppe schiebt Plastik ins Abseits
Plastikmüll ist ein großes Problem − die Recyclingquoten sind der EU zu niedrig. Lidl und Kaufland wollen besser werden. Foto: dpa  

Die Neckarsulmer Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) möchte den Einsatz von Kunststoffen substanziell reduzieren, die Wiederverwertungsquote des eingesetzten Materials erhöhen und die Recyclingfähigkeit der eingesetzten Verpackungen verbessern - etwa indem weniger Mischmaterialien eingesetzt werden.

"Wir lassen nichts außen vor und gehen den Weg konsequent weiter", verspricht Gerd Chrzanowski, der als Vorstandsvorsitzender der Schwarz Zentrale Dienste KG (SZD) unter anderem das Wertstoffmanagement verantwortet. Bei Lidl und bei Kaufland, bei den Eigenmarken, den Lieferanten und internen Prozessen: Überall soll der Plastikeinsatz zurückgedreht werden.

Mindestens 95 Prozent aller Abfälle sollen weiterverwertet werden

Die Strategie gilt europaweit. Die Neckarsulmer gehen dazu auch in den Dialog mit der EU-Kommission, die im Januar ihre eigene Kunststoffstrategie vorgestellt hat. Durch Eigenmarken und die vertikale Integration habe es die Schwarz-Gruppe wie kein anderes europäisches Handelsunternehmen selbst in der Hand, wirkungsvolle Initiativen umzusetzen.

"Wir sind auf dem Weg zur Zero-Waste-Company", erklärt Chrzanowski. Das heißt, dass künftig mindestens 95 Prozent aller Abfälle weiterverwertet werden sollen. "Recyclingkapazitäten aufzubauen ist ein Muss." Das Unternehmen sei sich als viertgrößter Händler der Welt der Verantwortung für den Ressourcenverbrauch und Umweltschäden bewusst, sagt Chrzanowski. "Wir wissen, dass in den Ozeanen auch Lidl- und Kaufland-Tüten schwimmen."

Gruppe will mehrere Millionen Euro in das Projekt investieren

Auch andere Wertstoffe hat die Gruppe im Blick - zum Beispiel Weißblech: "Mache ich einen Aluminiumdeckel dran, kann ich das Material nicht wiederverwerten", zeigt Chrzanowski auf, wie komplex das Thema ist.

Eine zentrale Rolle spielt der 2009 gegründete interne Umweltdienstleister der Gruppe, Greencycle, der auf den Aufbau von Wertschöpfungskreisläufen spezialisiert ist, wie Geschäftsführer Thomas Kyriakis erklärt: "Gemeinsam mit allen Unternehmen unserer Gruppe arbeiten wir daran, den Plastikverbrauch zu reduzieren, Prozesse zu vereinheitlichen und die Voraussetzung für eine sortenreine Verarbeitung zu schaffen." Mehrere Millionen Euro werde das Unternehmen in den kommenden Jahren dafür investieren.

Im vergangenen Jahr wurden 150.000 Tonnen Plastik recycelt

Greencycle organisiert unter anderem die sortenreine Sammlung und Verwertung der Einwegpfandflaschen in einem geschlossenen System. Die Flaschen für stilles Wasser werden mittlerweile zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial hergestellt - in eigenen Werken. Außerdem werden Verpackungsfolien in Lagern und Filialen gesammelt und der Wiederverwendung zugeführt. "2017 haben wir rund 150.000 Tonnen Plastik recycelt", sagt Kyriakis.

Während die Schwarz-Gruppe insgesamt aktuell noch keine bezifferbaren Ziele nennt, gibt Lidl bereits konkrete Zahlen an: Bis 2025 soll der Plastikverbrauch bei Lidl Deutschland um mindestens 20 Prozent reduziert werden. Dafür werden die Verpackungen der Eigenmarken-Produkte verändert, die 70 Prozent des Sortiments ausmachen. Ebenfalls bis 2025 sollen alle Kunststoffverpackungen wiederverwendbar sein. "Wir analysieren sorgfältig, wo wir auf Plastik ganz verzichten oder auf alternative Verpackungsmöglichkeiten zurückgreifen können", erklärt Jan Bock, der Einkaufschef von Lidl Deutschland.

 

EU strebt Kreislaufwirtschaft an

Jedes Jahr erzeugen die Europäer nach EU-Angaben 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle, weniger als 30 Prozent werden für das Recycling gesammelt. Weltweit machen Kunststoffe einen Anteil von 85 Prozent der Abfälle an Stränden aus. "Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik als Fische schwimmen", sagt EU-Vizepräsident Frans Timmermans.

Die im Januar verabschiedete EU-Strategie für Kunststoffe soll ändern, wie Produkte in der EU designt, hergestellt, verwendet und recycelt werden. Ziel ist es, die Umwelt zu schützen und die Grundlagen für eine neue Kunststoffwirtschaft zu schaffen: Die Recyclingfähigkeit von Kunststoffen soll verbessert und die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff erhöht werden. 2019 kommen zudem neue Leitlinien für die Mülltrennung heraus.