Metallarbeitgeber lehnen Entgeltausgleich ab

Region  Bei den Tarifverhandlungen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber ein erstes Angebot abgegeben.

Von Jürgen Paul und dpa

Metallarbeitgeber lehnen Entgeltausgleich ab

Bei den Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie (im Bild die Fertigung bei Kolbenschmidt) gibt es bislang keine Annäherung.

Foto: Archiv

Die rund 3,9 Millionen Beschäftigten sollen eine Einmalzahlung von 200 Euro und ab April eine Tariferhöhung um 2,0 Prozent erhalten, teilte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall am Mittwoch mit. Als Laufzeit werden 15 Monate vorgeschlagen.

Kein Geld für Nichtstun

Die IG Metall hatte sechs Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert. Den Forderungen der IG Metall nach zeitweiser Absenkung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden und einem gleichzeitigem Lohnausgleich für einige Beschäftigtengruppen erteilte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger eine Absage. "Wir sprechen über jede Form der Flexibilisierung, aber mehr Geld für Nichtstun machen wir nicht mit."

Mehr statt weniger Arbeit

Auch bei den Arbeitgebern in der Region stoßen die Forderungen der IG Metall auf klare Ablehnung. "Das Thema Arbeitszeitreduzierung passt nicht in die Situation am Arbeitsmarkt", sagt Karl Schäuble, Vorstandsvorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken. Angesichts der guten Branchenkonjunktur und des Fachkräftemangels müsste es ihm zufolge eher darum gehen, auch Mehrarbeit zu ermöglichen.

Hohe Kosten durch Überstunden

Bislang gelte die tarifvertragliche Regelung, dass maximal 18 Prozent der Beschäftigten mehr als 35 Stunden pro Woche arbeiten dürfen. Faktisch arbeiten ausweislich einer Statistik der IG Metall Baden-Württemberg aber 81,2 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen mehr als 35 Stunden. Entsprechend hoch seien die Kosten, die den Unternehmen aufgrund der anfallenden Überstunden entstünden, so Schäuble, der die Sorge hat, dass immer mehr Unternehmen sich aus Kostengründen aus der Tarifbindung verabschieden.

Flexibilität notwendig

Auch für den Weinsberger Unternehmer Hans-Jörg Vollert funktioniert die 35-Stunden-Woche in der betrieblichen Praxis längst nicht mehr. "Wir arbeiten 35 Stunden, wenn es uns eher schlecht geht", sagt Vollert. Wichtig ist für den Unternehmer, der rund 280 Mitarbeiter beschäftigt, Flexibilität in jede Richtung. "Teilzeitarbeit ist bei uns betriebliche Realität, wir versuchen, den Wünschen unserer Mitarbeiter zu entsprechen", sagt Vollert. Er und Schäuble wünschen sich wie auch der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mehr Möglichkeiten, die Arbeitszeit zu erhöhen, wenn auch der Mitarbeiter das möchte. Dazu müsse zunächst die 18-Prozent-Quote abgeschafft werden.

Mit der zeitweisen Absenkung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche könnten sich die Arbeitgeber wohl arrangieren. Nicht aber mit dem von der Gewerkschaft geforderten Entgeltausgleich. "Das würde zu unterschiedlichen Stundenlöhnen führen, die man im Betrieb nicht verargumentieren könnte", glaubt Vollert. Auch Schäuble und Südwestmetall-Geschäftsführer Rolf Blaettner sind der Ansicht, dass ein solcher Ausgleich vor allem Frauen in Teilzeit diskriminieren würde.