Kaufland bremst bei Lieferdienst

Neckarsulm/Hamburg  Das Handelsunternehmen stoppt die Ausweitung des Bestellservice nach Hamburg und in andere Städte vorerst. Bereits eingestellte Mitarbeiter schauen in die Röhre.

Von Manfred Stockburger

Kaufland bremst bei Lieferdienst

Foto: Kaufland

Mit verbilligtem Edel-Champagner für die Kunden und anderen Sonderangeboten feiert Kaufland zurzeit das Einjährige des Lieferservices in Berlin. Schon zu Beginn mussten die Neckarsulmer in der Hauptstadt zusätzliche Fahrer einstellen, weil die Kundennachfrage nach dem neuen Service größer war als gedacht. Noch immer spricht Kaufland von einer "stetig wachsenden Anzahl von Bestellungen" und einer "anhaltend sehr guten Kundenreaktion".

Intern geht Kaufland aber äußerst sparsam mit dem Champagner um: Die eigentlich schon vor Monaten geplante Ausweitung des Lieferservice in Hamburg ist vorerst gestoppt. Schon eingestellte Mitarbeiter haben pünktlich zum Berliner Jubiläum Kündigungen erhalten, bevor sie überhaupt angefangen hatten.

Sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiter

Die längst angeschafften Lieferfahrzeuge sind nach wie vor zwischengeparkt − nach Stimme-Informationen in Hannover. Im sogenannten Dark Store in Hamburg, in dem Logistikmitarbeiter ab 1. November die Einkäufe für die Kunden eintüten sollten, seien die Regale zwar angeliefert, aber noch nicht aufgebaut worden, wie ein von den Kündigungen betroffener Mitarbeiter der Stimme sagt. Seine Zukunftspläne haben sich zerschlagen.

Mehr Logistikzentrum als klassischer Einkaufsmarkt - der Dark Store. Foto: Kaufland

"Ich hatte mich gefreut wie ein König, dass ich wieder eine Arbeit bekomme", sagt er. "Die Mitarbeiter erhalten die Möglichkeit, in andere Standorte oder Bereiche des Unternehmens zu wechseln", heißt es in der Zentrale. "Sofern dies nicht möglich ist, werden wir ihnen sozialverträgliche Lösungen anbieten."

Hintergrund der offenbar auch im Unternehmen heiß diskutierten Entscheidung ist, dass die Abläufe des Lieferservice in Berlin offenbar der von Discounter-Effizienz geprägten Chefetage der Unternehmensgruppe nicht gut genug sind. Anders als die Wettbewerber werben die Neckarsulmer zudem mit Preisen wie in der Filiale − höhere Kosten können also nicht auf die Ware umgelegt werden. Und die Aufschläge für die Lieferung sind schmal kalkuliert.

Mittelfristige Expansion 

Anstatt das System im zunehmend umkämpften Lebensmittel-Liefergeschäft auf weitere Metropolen auszurollen und damit den Markt zu besetzen, beschränken sich die Neckarsulmer vorerst auf Berlin. "Wir konzentrieren uns im ersten Schritt auf den Ausbau der Kapazitäten dort", heißt es. "Dies gibt uns darüber hinaus die Möglichkeit, die Effizienz unseres Lieferservices in Berlin weiter zu optimieren." Mittelfristig soll die Expansion aber weitergetrieben werden − neben Hamburg hat die Online-Sparte von Kaufland auch München, Frankfurt und Düsseldorf im Visier.

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Den Versuch der Schwarz-Gruppen-Schwester Lidl, mit einem "Click-and-Collect"-Service ins Online-Geschäft mit frischen Lebensmitteln einzusteigen, hatte Gruppenchef Klaus Gehrig im Frühjahr gestoppt und der Unternehmensgruppe zugleich eine Schlankheitskur verordnet.