Ein Vorderwagen aus dem 3D-Drucker

Neckarsulm  Ein alter VW Golf I Caddy sorgt für Aufsehen in der Automobilbranche. Das Neckarsulmer Unternehmen CSI Entwicklungstechnik hat mit Partnern mit dem 3D-Drucker Bauteile produziert. Warum das auch für die Formel 1 interessant ist?

Von Jürgen Paul

Ein Vorderwagen aus dem 3D-Drucker

Alles aus dem 3D-Drucker: In einem Projekt unter Leitung von CSI wurde die Frontpartie eines Caddy gefertigt.

Foto: privat

 

Den 3D-Druck für die Automobilindustrie nutzbar zu machen − das war das Ziel des Projekts 3i-Print, das das Neckarsulmer Unternehmen CSI Entwicklungstechnik gemeinsam mit fünf Partnern umgesetzt hat.

Das Ergebnis, das kürzlich in der CSI-Zentrale im Neckarsulmer Trendpark zu sehen war, bescherte dem Projekt große Aufmerksamkeit in der Branche: Die Hersteller Audi, Porsche, BMW und Daimler informierten sich über 3i-Print, das den Autobau revolutionieren könnte. "Die Resonanz war riesig", sagt CSI-Projektleiter Stefan Herrmann.

Die Aluminiumlegierung ist besonders leicht und stabil

Die Tüftler haben den Vorderwagen eines alten VW Golf I Caddy für den 3D-Druck konstruiert, produziert und montiert. Insgesamt wurden dafür 31 Bauteile aus dem 3D-Drucker verbaut. Als Werkstoff verwendeten die Partner eine neuartige hochfeste und hochzähe Aluminiumlegierung. Dadurch ist die Struktur besonders leicht und zugleich stabil. Bei der Konstruktion der Vorderwagenstruktur mussten die Experten viele Bedingungen hinsichtlich Fußgängerschutz, Crashsicherheit oder Steifigkeit beachten.

Besonderer Clou der lediglich 34 Kilogramm schweren Konstruktion ist das innovative Thermomanagement: Ein in den Rahmen geleiteter Luftstrom kühlt Batterien und Bremsen, zudem sind der Wischwasserbehälter und weitere Funktionen aus dem Wärmemanagement integriert.

Ein weiterer Vorteil dieser additiven Fertigung, wie der 3D-Druck in der Fachsprache genannt wird, ist neben der Gewichtsreduzierung der Verzicht auf komplexe Werkzeuge, erläutert Projektleiter Herrmann. Die Bauteile werden am Computer entworfen und können individuell für den 3D-Druck gestaltet werden. "Wir können Bauteile ganz anders gestalten und neue Funktionen integrieren", macht Herrmann das Potenzial dieses Verfahrens deutlich. Auch beim Design gebe es viel mehr Freiheiten.

Appetizer für Automobilhersteller

In nur neun Monaten haben die Projektpartner das ehrgeizige Projekt umgesetzt. Seit seiner Fertigstellung im August dieses Jahres sorgt der Caddy auf Branchenmessen für Aufmerksamkeit. Von der Serienreife sei man noch weit entfernt, räumt Stefan Herrmann ein. "Aber wir haben den Autoherstellern einen Appetizer gegeben." Die Flexibilität und Individualität des 3D-Drucks seien zunächst für Spezialfahrzeuge oder für die Formel 1 interessant, glaubt der Projektleiter.

Der enorme Aufwand, den alle Beteiligten in das Projekt gesteckt haben, habe sich auf jeden Fall gelohnt. "Man sieht jetzt: Wir können das", sagt Herrmann. Und es bleibt nicht nur beim Staunen über den Caddy. "Wir haben schon einige Folgeaufträge bekommen", freut sich der CSI-Experte.


Partnerfirmen

Mit diesen Partnern hat CSI Entwicklungstechnik das Projekt 3i-Print verwirklicht: Altair aus den USA ist Spezialist für Simulation, Optimierung und High-Performance Computing in allen Bereichen des Produktzyklus. Airbus Apworks ist eine Tochter von Airbus, die sich auf metallischen 3D-Druck spezialisiert hat. Das Unternehmen deckt die komplette Wertschöpfungskette für die Herstellung von Bauteilen ab.

EOS aus Bayern ist ein führender Technologieanbieter im industriellen 3D-Druck von Metallen und Kunststoffen. Modell- und Formenbau Blasius Gerg aus Bayern stellt Bauteile und Baugruppen als Prototypen oder in Kleinserien für die Automobil- und Motorsportbranche her.

Der Hanauer Technologiekonzern Heraeus lieferte das Werkstoff-Expertenwissen und das benötigte Metallpulver. Wie CSI Entwicklungstechnik betont, ist die Plattform offen für weitere Unternehmen.