EBM-Papst: Aus drei mach eins

Mulfingen  Wie Geschäftsführer Stefan Brandl ausgetretene Pfade verlässt und die EBM-Papst-Gruppe umbaut. Das Ziel ist mehr Geschwindigkeit.

Von Manfred Stockburger

EBM-Papst: Aus drei mach eins

EBM-Papst-Chef Stefan Brandl will die Strukturen verändern. Foto: EBM-Papst

 

Seit gut einem Jahr ist Stefan Brandl mittlerweile Vorsitzender der EBM-Papst-Geschäftsführung in Mulfingen. Er ist angetreten, aus der bisher sehr dezentral aufgestellten Gruppe ein einheitliches Unternehmen zu formen. "One" lautet das Stichwort − das englische Wort für eins.

Bisher bestand das Unternehmen mit weltweit inzwischen fast 15?000 Beschäftigten aus drei ziemlich eigenständigen Teilunternehmen, die beiden anderen Zentralen standen in St. Georgen im Schwarzwald und in Landshut. "Wir müssen stärker zusammenwachsen, damit wir die Dinge nicht zwei oder drei Mal machen", sagt Stefan Brandl beim Weltmarktführer-Gipfel. Gleichmacherei ist mit One aber nicht gemeint, im Gegenteil. Vielmehr suche das Unternehmen ganz bewusst neue Wege, damit am Ende eines Entwicklungsprojekts "nicht immer ein Lüfter" herauskommt.

Ein neuer Standort für neue Ideen

In Dortmund haben die Hohenloher deswegen einen zweiten "Start-up"-Standort gegründet, wo Mitarbeiter völlig außerhalb der ausgetretenen Pfade in Hohenlohe, St. Georgen und Landshut neue Ideen und Geschäftsmodelle entwickeln sollen. Warum? Die Welt verändert sich schneller und der Wettbewerb wird stärker. "Da muss man sich anpassen, damit man eine höhere Schlagzahl gehen kann."

15 Konkurrenten hat Brandl unlängst auf einer Messe in den USA gezählt. "Wir sind nicht die Günstigsten, also müssen wir andere Alleinstellungsmerkmale definieren", erklärt Brandl. Die energiesparende EC-Technologie, die lange Zeit das Leitthema der Hohenloher war, steht weiterhin im Mittelpunkt, aber sie alleine reicht nicht mehr aus: Die Konkurrenten nicht nur in Hohenlohe sind schließlich längst auf diesen Zug aufgesprungen.

Geschwindigkeit und Effizienz

Mehr als 30 Projekte hat Stefan Brandl aufgesetzt, die alle unter dem "One"-Thema laufen. Dazu gehört Geschwindigkeit − ohne, dass die Null-Fehler-Strategie der Jagsttäler dafür aufgegeben würde. "Entwickler entwickeln aber gerne zu 120 oder 150 Prozent." Das sei nicht nur bei EBM-Papst der Fall.

"Wir wollen effizienter werden", sagt der Manager, der noch immer im Hotel wohnt − das neue Haus in Hohenlohe ist aber bereits im Bau. Die Nähe zu den Menschen spielt bei ihm dennoch aber nicht nur räumlich eine Rolle. Mit fast 3500 Beschäftigten sind Mulfingen und Niederstetten der bei weitem größte Standort der Firmengruppe. "Es darf nicht sein, dass es nur eine Hand voll Entscheider gibt", sagt er. "Ich gebe Vertrauen und ich bekomme Vertrauen zurück". Diesen Führungsstil habe er von Gründer Gerhard Sturm vorgelebt bekommen. Man müsse die Leute mitnehmen. "So werden wir das Unternehmen auch künftig führen", verspricht er.