Chefwechsel bei Lidl Deutschland

Neckarsulm  Marin Dokozic verliert seinen Job als Chef von Lidl Deutschland. Neuer Deutschland-Chef wird Matthias Oppitz, der bereits im Lidl-Vorstand sitzt.

Von Manfred Stockburger

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Marin Dokozic war seit dem Herbst 2015 Deutschland-Chef von Lidl und galt als Erneuerer. Jetzt muss er gehen. Foto: Lidl  

So schnell kann es gehen bei der Schwarz-Gruppe: Letzte Woche sorgte der Vorstoß von Lidl Deutschland, künftig das Frischfleisch nach Haltungskategorien zu kennzeichnen, für ein ausgesprochen positives Echo − damit haben die Neckarsulmer offenbar den Zeitgeist getroffen.

Marin Dokozic, in dessen Verantwortungsbereich das Thema entwickelt wurde, wird die Umsetzung allerdings nicht mehr von seinem Chefschreibtisch in der Deutschlandzentrale erleben. Just am Jahrestag der Demission von Sven Seidel als Vorstandschef hat Klaus Gehrig wieder einmal durchgegriffen.

Führungsetage unter Druck

In unternehmensnahen Kreisen heißt es, dass der Chef der Schwarz-Gruppe nach dem kritischen Artikel im "Manager-Magazin" unter Druck steht, der die Führungsbaustellen im Konzern aufgezeigt hatte. Nervosität greife um sich, wird kolportiert. Nicht nur in den USA geht die Expansion nicht nach Plan, auch in Deutschland laufen die Geschäfte offenbar langsamer als erwartet. Mit 3200 Filialen und einem Umsatz von 20,4 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2016/17) ist Lidl Deutschland der mit Abstand größte Einzelmarkt der Handelskette.

Und der Wettbewerbsdruck steigt: Erst gestern hatte Aldi angekündigt, seine Filialen mit einen neuen Backshop-Konzept auszustatten. "Damit reagieren wir auf den Wunsch unserer Kunden nach einem vielfältigen Backwaren-Sortiment, dessen Frische jetzt durch den Blick in den Backraum erlebbar wird", erklärte Aldi-Manager Lars Klein. Gleichzeitig steckt der Konkurrent Milliarden in die Modernisierung seiner Filialen. Auch die Einlistung von Markenartikeln klingt eher nach einem Lidl-Konzept als nach Aldi. Gestern wurde Aldi zudem als "Deutschlands Nummer 1 bei Obst und Gemüse" ausgezeichnet. Den Neckarsulmern hatte Gehrig aber vor einem Jahr mit der Ernennung von Jesper Hojer zum Lidl-Vorstandschef einen eher konservativen Discounter-Kurs verordnet.

Mehr Arbeit für Oppitz

Gleichzeitig hatte Klaus Gehrig im Online-Handel die Uhr zurückgedreht. Beide Großbaustellen muss künftig Matthias Oppitz abarbeiten, der seit 2014 im Lidl-Vorstand sitzt und diesen Rang auch als künftiger Deutschlandchef behalten soll. Mit sofortiger Wirkung übernimmt Oppitz die operative Verantwortung für das Deutschland-Geschäft. Außerdem wird er im Vorstand das neu geschaffene Ressort Lidl Digital verantworten, wie das Unternehmen erklärt. Ziel sei eine stärkere Verzahnung von stationärem und digitalem Geschäft.

Bei Lidl Deutschland galt Dokozic, der sich in der Öffentlichkeit eher zurückhielt, als solider und verlässlicher Manager, als guter Mann. Seine Sporen hatte er sich unter anderem bei Lidl Portugal verdient. Zu Lidl Deutschland kam er als Nachfolger von Daniel Marasch, der 2015 nach nur drei Monaten als Deutschlandchef in den Vorstand geholt und mit dem Aufbau des US-Geschäfts betraut wurde. Auch er musste das Unternehmen mittlerweile verlassen.

Matthias Oppitz hat sich in der Lidl-Welt als Chef der Schweizer Tochtergesellschaft einen Namen gemacht.