Bastlertreff und Ersatzteilquelle

Heilbronn  Baldur Brock betreibt von Heilbronn-Böckingen aus die erfolgreichsten Elektronikforen Deutschlands.

Von Heiko Fritze

Bastlertreff und Ersatzteilquelle

Er hat einfach sein Hobby zum Beruf gemacht. Immer schon hat Baldur Brock gerne an Elektrogeräten geschraubt oder programmiert. Heute sitzt der 63-Jährige im Büroraum seines langjährigen Firmensitzes in Heilbronn-Böckingen, umgeben von Monitoren, die das Kamerabild vom Eingangsbereich zeigen, von Computerflachbildschirmen, auf denen er seine Mails liest, von Werkzeug, Papier und − Aschenbecher. In den Lagerräumen stapeln sich Ersatzteile und Röhrenradios.

Innerhalb der Jahrzehnte ist ein Gummibaum neben dem Schreibtisch in die Höhe gewachsen, nun tasten die Äste am Oberlicht entlang. "Den müssen wir jetzt wohl fällen", sagt Baldur Brock. Denn die Firma zieht um. "Als Onlinehändler brauche ich diesen Platz hier nicht mehr", sagt der Fernsehtechniker- und Elektromeister.

Suchmaschinenoptimierung wurde immer wichtiger

Dabei war auch sein Internet-Engagement eigentlich nur ein Hobby, eine Spielwiese, auf der er im Jahr 2001 seine ersten Gehversuche machte. Anfangs hatte der Heilbronner noch ein Ladengeschäft in Flein und hatte sich auf die Reparatur von Fernsehern spezialisiert. Dann ging er mit seiner ersten Seite online: elektronikforum.com. "Damit waren wir damals fast alleine in Deutschland", erzählt er, während er genüsslich an seiner Zigarette zieht. "Dadurch bekamen wir aber mit der Zeit immer mehr Besucher auf der Seite."

Noch florierte der Reparatur- und Ersatzteilservice in der analogen Welt. "Und so habe ich mir gesagt, ich könnte ja versuchen, Ersatzteile über das Internet zu verkaufen." Es folgt Homepage Nummer zwei, elektronik-werkstatt.de. "Die lief am Anfang aber ziemlich schleppend", stellte er fest. Aber der Unternehmer warf die Flinte nicht ins Korn, sondern begann zu analysieren: Wie schafft er es, dass sein Angebot in den einschlägigen Suchmaschinen ganz weit oben angezeigt wird? Die sogenannte Suchmaschinenoptimierung wurde zu einem neuen Schwerpunkt − heute verbringt er immer noch einen großen Teil seiner Arbeitszeit damit.

Eine Million Besucher pro Monat

16 Jahre nach dem Start hat sich einiges geändert. Das Forum, das als Treffpunkt für Bastler begonnen hat, hat heute 30.000 verschiedene Besucher pro Tag, etwa eine Million im Monat. Bastler sind immer noch darunter, aber auch viele, die ihr altes, bewährtes Gerät erhalten wollen. Ehrenamtliche Moderatoren kümmern sich dort um den Ablauf.

Das Ladengeschäft gibt es nicht mehr, allerdings hat die Zahl der eigenen Internetdomains sprunghaft zugenommen. Wie viele es sind, weiß der Inhaber selbst nicht so genau. 30 könnten es sein, vielleicht auch 40. "Einige werde ich aber bald abschalten", sagt er. Natürlich nicht seine Frequenzbringer, das Forum und den Shop. Sondern einige jener Seiten, die auf diese beiden Schwerpunkte verweisen.

Bastlertreff und Ersatzteilquelle

Sieht nicht gerade modern aus − aber Baldur Brocks Onlineshop ist bestens etabliert.

Sein Geld verdient der Zwei-Mann-Betrieb von Baldur Brock heute mit dem Ersatzteilshop und Werbung, die auf seinen Internetseiten geschaltet wird. Das Geschäft läuft gut, trotz Digitalisierung, trotz Reparaturcafés. Die findet der Chef − im Gegensatz zu manchem Kollegen − sogar gut. "Sie beweisen, dass nicht alles gleich weggeworfen werden muss. Vieles lässt sich von fast jedem reparieren, der nicht zwei linke Hände hat." Das sei ja auch der Gedanke hinter dem Elektronikforum, mit dem einst alles anfing, 2001.

Die Zigarette ist längst verglimmt, der 63-Jährige zündet sich eine neue an. Mit seinem Rauschebart, Wollpulli, Jeans und Sandalen sieht er nun gar nicht nach Internetpionier aus. Doch er hat schon immer programmiert, erzählt er. "Schon damals, als es noch keinen PC und keinen C64 gab. Ich habe mir vieles selbst zusammengebaut." Kein Wunder, dass er sich auch selbst um seine Homepage kümmert, stetig fortbildet, neue Technologien aufnimmt und heute Ersatzteile für LCD-Fernseher ebenso im Angebot hat wie für alte Röhrenradios.

Zuhause, erzählt Baldur Brock stolz, hat er sich sein eigenes smart home eingerichtet: Heizung, Rollläden, Kühlschrank, Herd, Uhren − alles ist vernetzt. "Aber bis auf die Spracherkennung von Amazon nutze ich nichts über das Internet", sagt er. "Ich habe mein eigenes Netzwerk, da ist nichts in der Cloud. Ich habe eben ein ungutes Gefühl, wenn meine Daten irgendwo auf irgendwelchen Servern lagern."

Ein eigenes Geschäft soll aus diesem Projekt aber nicht werden, meint er. "Wenn bei mir zuhause etwas nicht funktioniert, kann ich ja eingreifen. Wie soll ich das aber in anderen Häusern leisten?"

Umzug in kleinere Räumlichkeiten 

So verbringt er heute die eine Hälfte eines Arbeitstages mit Kundenbetreuung: Mails beantworten, Ware verschicken, Reklamationen bearbeiten. Die andere Hälfte dreht sich um die Onlineauftritte, um Programmieren, Analysieren, Testen.

Die dritte Zigarette glimmt längst, und Baldur Brock kommt auf die Zukunft zu sprechen: Das große Lager in Böckingen wird nun aufgelöst, die Firma zieht im Oktober in die Oststadt, wo er wohnt. "Der Platz in meinem großen Keller reicht uns", sagt er. Shop und Forum sollen natürlich immer weiter verbessert werden. Und zwischendurch wird am eigenen smart home weiter programmiert. "Das ist irgendwie mein Hobby geblieben", sagt der Handwerksmeister. Er lächelt zufrieden. Er hat eben sein Hobby zum Beruf gemacht.