Audis elektrischer Supersportwagen heißt wohl e-tron GT

Neckarsulm  Bisher waren es nur Spekulationen, dass Audi auf der Basis des Mission E von Porsche einen Supersportwagen auf den Markt bringt. Auf Stimme-Anfrage hat das Unternehmen nun bestätigt, dass das Fahrzeug vermutlich e-tron GT heißen wird.

Von Manfred Stockburger

Im Industriegebiet Böllinger Höfe könnte der neue Wagen produziert werden.  

Intern ist das Auto als J1 bekannt – der Name nimmt Bezug auf die zugrundeliegende Porsche-Plattform. Entwicklungsvorstand Peter Mertens hatte den Namen in einem Interview mit „Auto Motor Sport“ erstmals öffentlich genannt. In Neckarsulm macht die Bezeichnung  E-tron GT nach Stimme-Informationen allerdings schon länger die Runde.

Als Heimat von Audi Sport ist die Manufaktur im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe prädestiniert als Produktionsstandort, eine Entscheidung darüber ist aber offenbar noch nicht gefallen. „Kein Kommentar“, verlautet dazu aus dem Unternehmen.

Auch interessantWas bei Audi in diesen Tagen bei den Betriebsversammlungen bekanntgemacht wurde

 

 

Was Audi in Neckarsulm produziert

Mit knapp 17.000 Beschäftigten ist der Neckarsulmer Audi-Standort der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Region. Doch welche Modelle fertigen die Mitarbeiter hier? Und wie fügen sich künftige E-Modelle ins Portfolio ein?
 Ein Überblick.

 

  1. A4
    Fotos: Audi AG  
    Mit der Einführung der sogenannten Produktionsdrehscheibe im Jahr 2007 wird der A4 nicht nur in Ingolstadt, sondern auch in Neckarsulm gebaut. Darüber wurde ein Ausgleich der Auslastung der beiden Standorte ermöglicht. Seit dem Modellwechsel in der B-Reihe im Jahr 2015 gibt es für den A4 allerdings keinen vollständigen Karosseriebau mehr. Inzwischen läuft die A4-Linie nur noch im Einschichtbetrieb: Die Nachfrage nach dem klassischen Vertreter-Audi bleibt hinter den Erwartungen zurück. Mit der nächsten Modellgeneration wird die Produktionsdrehscheibe, Stand heute, Geschichte sein und der A4 wieder im Stammwerk Ingolstadt produziert.  
  2. A5 Cabrio
    Die offene Version der B-Baureihe von Audi, das A5 Cabriolet, wird auch in der zweiten Generation ausschließlich am Standort Neckarsulm gebaut. Cabrios gelten in der gesamten Branche zurzeit allerdings als wenig zukunftsträchtig. Ob es für dieses Fahrzeug einen Nachfolger geben wird, ist offen. Gebaut wird es zusammen mit dem A4. 
  3. A6
    Als Audi 100 wurde das wichtigste Neckarsulmer Modell einst geboren, seit Mitte der 1990er Jahre heißt das Auto A6. Die siebte Generation des Autos steht kurz vor dem Ausstand, das achte Modell der Neckarsulmer im sogenannten C-Segment wird in den ersten Wochen des Jahres 2018 vorgestellt. Im Dreischichtbetrieb können bis zu 900 A6 pro Tag im Werk Neckarsulm gebaut werden, aktuell sind es allerdings deutlich weniger. Den A6 gibt es als Limousine und als Avant, als geländegängigen Allrad Quattro und als maximal motorisierten RS6.   
  4. A7
    Die zweite Generation des Oberklassen-Coupés A7 steht in den Startlöchern. Technisch basiert das Auto wie der A6 auf dem Modularen Längsbaukasten (MLB) von Audi. Die beiden Varianten werden auch auf einer Linie gefertigt. Den ersten A7 stellte Audi 2010 in der Münchner Pinakothek der Moderne vor – der Ort war Programm. Nummer zwei präsentierte das Unternehmen im Oktober 2017 im Ingolstadter Design-Center: Auch die neue Generation soll wegweisend sein für die nächste C-Reihe. Der neue A6 steht bereits in den Startlöchern.
  5. A8
    Die S-Klasse von Mercedes und den 7er von BMW hat Audi mit der fünften Generation des A8 im Blick, der im Juli in Barcelona vorgestellt wurde. Nicht nur mit Luxus, sondern auch mit Technologie will Audi mit dem Fahrzeug punkten: Autonomes Fahren ist ein Kernthema des Fahrzeugs, dessen Entwicklung vier Milliarden Euro verschlungen haben soll. Aktuell ist die Produktion des Topmodells im Anlauf begriffen. Das erste Fahrzeug, mit dem Audi den Einstieg ins D-Segment anbahnte, war der V8, der von 1988 bis 1994 in Neckarsulm produziert wurde.  
  6. Elektro 1
    2021 soll das erste der beiden Elektro-Modelle aus Neckarsulm auf den Markt kommen. Es handelt sich um ein Coupé-artiges Fahrzeug, dessen Positionierung Vorstandschef Rupert Stadler im Wettbewerbsumfeld zwischen dem Roadster von Tesla und dem Modell S der Amerikaner ansiedelt. Das Fahrzeug wird auf dem gemeinsam mit Porsche entwickelten PPE-Baukasten beruhen. Als wahrscheinlich gilt, dass das kleinere der beiden Modelle unterhalb des bereits im kommenden Jahr aus Brüssel auf den Markt kommenden Audi E-tron positioniert sein wird, für den eine Zeit lang auch der Name Q6 im Gespräch war. Das spricht für ein E-Fahrzeug, das an den A5 angelehnt sein könnte. Angedacht ist, dass dieses „attraktive Volumenmodell“ gemeinsam mit dem A8 montiert wird.
  7. Elektro 2
    Das zweite der beiden Neckarsulmer E-Modelle, die auf dem PPE-Baukasten beruhen, wird sich von der Größenordnung her vermutlich am A7 orientieren. Montiert werden soll das Fahrzeug jedenfalls gemeinsam mit der A6/A7-Familie. Angedacht ist kein Supersportwagen, sondern ein attraktives Coupé, das zwischen dem E-Tron und dem A8 positioniert sein dürfte. Platz für ein sportliches und ein luxuriöses Flaggschiff am Standort und bei Audi muss aber noch bleiben. Wie beim kleineren der beiden Elektro-Modelle wird die Stadtgeländewagenvariante in Ingolstadt produziert werden.
  8. R8
    Mit dem R8 präsentierte Audi 2006 einen Porsche-Jäger, die Zuffenhausener waren damals noch nicht Teil der Konzernfamilie. Das Fahrzeug mit Mittelmotor ist die sportliche Speerspitze des Unternehmens. Bis Ende 2014 wurden von der ersten Generation gut 26.000 R8 produziert, etwa 5600 wurden in Deutschland zugelassen. Die zweite R8-Generation wird seit 2015 produziert – im Zuge des Modellwechsels zog die Fertigung in die eigens gebaute Manufaktur im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe um. In der zweiten Generation teilt sich das Auto eine Plattform mit dem Lamborghini Huracán. Was die Stückzahlen angeht, liegt der R8 allerdings weit hinter den Erwartungen. Aktuell werden pro Arbeitstag 14 der Supersportwagen produziert.
  9. e-tron GT?
    Auf der Basis des Mission E von Porsche, der für 2018 angekündigt ist, könnte bald auch ein elektrischer Supersportwagen von Audi zum Produktionsspektrum des Standorts Neckarsulm gehören. Das Auto, das vermutlich e-tron GT heißen wird, würde im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe produziert werden. Die dortige Manufaktur von Audi Sport ist darauf ausgerichtet, flexibel unterschiedliche Fahrzeuge montieren zu können. Nachdem das Zuffenhausener Schwestermodell schon bald auf den Markt kommt, dürfte auch die Entwicklung der Audi-Variante schon weit fortgeschritten sein. Entwicklungsvorstand Peter Mertens konkretisierte die Spekulationen über den elektrischen Supersportwagen jetzt gegenüber der Fachzeitung „Auto Motor Sport“. Demnach soll der E-tron GT die Fahrleistungen des RS7 übertreffen. Der R8, der aktuell in den Böllinger Höfen gebaut wird, steht auf Mertens‘ Prioritätenliste hingegen „nicht ganz oben“. Eine endgültige Entscheidung, ob der intern nach der Porsche-Projektbezeichnung als J1 bekannte Renner an den Standort kommt, steht allerdings noch aus.