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Im Heilbronner Amtsgericht: „Weil wir dumm waren“ (10.01.08)
Von Carsten Friese
Heilbronn - Deutschlandweit stehen sie nach der brutalen Attacke gegen einen 73-jährigen Rentner auf der Theresienwiese im Fokus der Medien. Jetzt warten sie in Handschellen in einem Flur des Heilbronner Amtsgerichts im dritten Stock und fallen kaum auf. Gleich werden sie dem Haftrichter vorgeführt.Der 16-jährige Türke Ö., ein Winzling von einem jungen Mann, kauert auf einem Stuhl und hat die fellbesetzte Kapuze seiner Jacke zunächst noch über den Kopf gezogen. Unter der Jacke wird ein Totenkopf auf seinem Pullover sichtbar. Der 22-jährige Deutsche B. steht in einer weißen Jacke vor der Fensterfront und redet mit seiner Anwältin. Der 19-jährige Bosnier H. sitzt in grauem Kapuzenpulli auf einem Stuhl und starrt regungslos auf den Boden.
Sechs Polizeibeamte in Zivil stehen drumherum. Sie haben die drei jungen Männer ins Gericht gebracht. Auf dem Flur ist es ruhig. Auffallend ruhig. Kaum vorstellbar, dass dieses Trio am Tag zuvor eine Spur der Gewalt durch Heilbronn gezogen hat. Auch auf der Fahrt vom Polizeigebäude zum Haftrichter gab es keinerlei Randale. Alles friedlich. „Das ist ja das Unglaubliche, wenn sie allein sind, sind sie so klein“, sagt ein Polizist und spreizt Daumen und Zeigefinger ab.
- In diesem Vorführraum wurden die Tatverdächtigen am Donnerstag vom Haftrichter vernommen. Ein Stift ist mit einer Schnur festgemacht. Sicherheitsgründe. Foto: Seidel -
14.10 Uhr. Der Haftrichter tritt mit einer Schreibkraft in den Flur. „Wo ist der Herr H.? Kommen Sie“, sagt er in Befehlston. Zwei Polizeibeamte begleiten den 19-Jährigen in den Vorführraum. Es ist ein spartanisch eingerichteter Raum mit einem langen Tisch mit sechseckigem Ende, einem Computer, Drucker, Telefon und Diktiergerät. Hier befragen die Haftrichter Beschuldigte und entscheiden über den Fall: Gefängnis oder Freiheit. Zwei Polizeibeamte sind mindestens mit im Zimmer.
14.45 Uhr. Nach 35 Minuten kommt H. mit blassem Gesicht wieder in den Flur zurück. In Handschellen. Jetzt ist der nächste aus dem Trio beim Haftrichter dran.
Verschämt Warum die Gewaltorgie am Tag zuvor passiert ist? Der 22-Jährige und der 19-Jährige wollen sich gegenüber der Presse nicht äußern. Der 16-jährige Türke drückt sich noch stärker in seinen Stuhl und murmelt ein paar Worte. Sein Gesicht ist verschämt Richtung Boden gerichtet. „Weil wir dumm waren“, wiederholt er. Die zwei anderen seien betrunken gewesen, sagt er kurz. Er habe nur relativ wenig getrunken. Mit einer fast leeren Wodka-Flasche war das Trio Passanten mittags am Bahnhof aufgefallen.
Drei Haftbefehle werden bis 16 Uhr erlassen. H., B. und Ö. werden nacheinander ins Gefängnis gebracht. Ein Insider in Jugendstrafrecht mutmaßt, dass alle Drei so schnell nicht wieder in Freiheit kommen werden.
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