„Er kann es sich nicht erklären“

Von Carsten Friese

„Die Bürger sind couragierter als man gemeinhin denkt.“

Peter Lechner

 Ralf Seidel

Heilbronn - Morgens auf Arbeitssuche in Heilbronn, mittags der Gewaltstreifzug durch die Stadt? Auf eine sonderbare Kombination hat die Anwältin des 19-jährigen Bosniers verwiesen, der wie ein 16-jähriger Türke und ein 22-jähriger Deutscher als mutmaßliche Täter der Gewaltattacken vom Mittwoch ins Gefängnis gebracht worden waren. Vielfache Pöbeleien und Schläge gegen Passanten sowie der folgenreiche Faustschlag gegen einen 73-jährigen Rentner an der Theresienwiese werden dem Trio zur Last gelegt. Der Rentner liegt weiter im Krankenhaus und kann noch nicht vernommen werden.

„Er kann sich das alles nicht so ganz erklären“, sagt Inka Manning, die Anwältin des 19-jährigen Bosniers. Ein bisschen wie im Film sei das Geschehen für ihn abgelaufen. Wodka war im Spiel. Zum ersten Mal ist ihr Mandant in Haft. Dass er alte Leute angreife, gehört laut Anwältin „nicht zu seinen üblichen Verhaltensweisen“. Der arbeitslose Metzger aus dem Kreis Esslingen soll morgens auf eigene Faust Arbeit gesucht haben. Ohne Erfolg. Zufällig soll er dann die beiden anderen getroffen haben, die er aus seiner früheren Zeit in Heilbronn kennt.

Unterdessen haben sich bis Freitagnachmittag elf Geschädigte und neun Zeugen bei der Polizei gemeldet. Nachdem ein erneuter Faustschlag ins Gesicht eines Mannes auf der Flucht des Trios angezeigt wurde, hat sich die Zahl der Verletzten auf ihrem Weg auf fünf Menschen erhöht.

Gemeldet haben sich die zwei jungen Männer, die zwei Rentnern am Schlachthof zu Hilfe geeilt waren und dort weitere Attacken des Schlägertrios verhindert haben. Es sind nicht wie ursprünglich angenommen Türken, sondern „südländisch aussehende Deutsche“, wie die Polizei mitteilt.

Noch arbeiten die Ermittler an dem Puzzle, wer für die einzelnen Schläge an den verschiedenen Tatorten verantwortlich ist. „Die vielen Zeugenaussagen auswerten, um zu einem schlüssigen Tatablauf zu kommen“, gibt der Polizeisprecher als Ziel vor.

Dass so viele Menschen mutig eingegriffen haben, sieht Lechner überaus positiv. „Das kann man nur loben.“ Er glaubt, dass die Bürger couragierter sind „als man gemeinhin denkt“.





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