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Prozess: Wer hat zugeschlagen? (29.04.08)
Von Helmut Buchholz
Der junge Mann tischte dem Heilbronner Landgericht eine Version von dem Übergriff auf den Rentner am 9. Januar auf, die alle in Staunen versetzte. Er habe lediglich der Frau des 73-Jährigen auf der Heilbronner Theresienweise helfen wollen, weil er den Eindruck hatte, sie habe Probleme mit der Kette am Fahrrad. „Ich habe gedacht, wenn ich so alt wäre, würde ich mich auch über Hilfe freuen.“ Es sei dann sein Kumpel Sven B. (23) gewesen, der den Rentner mit einem Fausthieb ins Gesicht so verletzt hat, dass dieser eine Hirnblutung erlitt und mehrere Stunden im Krankenhaus mit dem Tod rang.
Diese „merkwürdige Sicht der Dinge“ (Richter Geiger) stützte der Dritte im Bunde auf der Anklagebank, Mehmet Ö. (17). Obwohl er bei seiner Vernehmung vor dem Haftrichter noch angegeben hatte, dass sein Kumpel Adis H. den 73-Jährigen niedergestreckt hatte. Warum er vor Gericht nun auf einmal etwas ganz anderes behauptete, konnte der kleinwüchsige Jugendliche nicht recht erklären. „Ich wollte halt Adis H. die Schuld zuschieben, aber heute sage ich die Wahrheit.“
Wenn das wahr ist, muss Sven B. lügen. Denn der versicherte, dass er den Rentner nicht einmal angefasst habe. Sein Kumpel Adis H. belaste ihn, „weil er Angst vor dem Gefängnis hat“. Wenn jemand den 73-Jährigen geschlagen habe, dann könne das nur Adis H. gewesen sein. Denn der sei ihm am nächsten gestanden, als der Mann zu Boden ging.
Das Opfer des Übergriffs zahlt bis heute für seine Zivilcourage. Er wollte die jungen Männer davon abhalten, gegen die Gedenktafel für die auf der Theresienwiese ermordete Polizistin Michéle Kiesewetter zu treten, und wurde dann selbst Ziel der Aggression. Der Rentner ist zwar inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden, leidet aber durch die schweren Kopfverletzungen an Lähmungserscheinungen. Außerdem ist die Sehkraft des linken Auges geschwächt.
Warum die drei jungen Leute gröhlend, pöbelnd und schlagend durch die Innenstadt zogen, begründete Mehmet Ö. so: „Wir haben die Leute aus Langeweile dumm angemacht.“ Außerdem war Alkohol im Spiel: Das Trio hatte zwei Flaschen Wodka und eine Flasche Wein intus und war auf dem Nachhauseweg, als es seine Attacken startete.
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