Anklage gegen junge Männer


Heilbronn - Zwei Monate nach der brutalen Attacke auf einen Rentner hat die Staatsanwaltschaft Heilbronn Anklage gegen drei junge Männer erhoben. Die 16, 20 und 22 Jahre alten Tatverdächtigen sollen den Senior Anfang Januar bewusstlos geschlagen haben, weil er sie von der Schändung einer Gedenktafel für eine ermordete Polizistin abhalten wollte. Der 73-Jährige hatte schwere Kopfverletzungen und Hirnblutungen erlitten, schwebte mehrere Stunden in Lebensgefahr und ist nun linksseitig gelähmt. Den drei Männern wird schwere Körperverletzung, Sachbeschädigung, Störung der Totenruhe und Beleidigung vorgeworfen, teilte die Ermittlungsbehörde am Donnerstag mit. Sie bestreiten größtenteils ihre Taten.

Bei einem Streifzug durch Heilbronn am 6. Januar sollen die drei eine Flasche Wodka getrunken und bereits mehrere Personen belästigt oder angegriffen und teilweise verletzt haben. Der 22-Jährige soll dann mit Billigung seiner Freunde auf die Gedenktafel getreten und dann auf ihr herumgesprungen sein. Als der Rentner, der von seiner Ehefrau begleitet wurde, einschreiten wollte, stieß ihn der 20- Jährige gegen die Brust und sein älterer Komplize schlug dem Rentner mit der Faust ins Gesicht. Der 73-Jährige verlor das Bewusstsein und schlug mit Hinterkopf auf den Boden auf.

Die drei Männer sitzen seit dem 10. Januar in Untersuchungshaft. Der 20-Jährige hat lediglich eingeräumt, den Rentner gestoßen zu haben. Die beiden anderen belasten vor allem den 20-Jährigen. Der 22- Jährige habe aber zugegeben, auf dem Denkmal herumgetrampelt zu haben. Er steht aufgrund einer Verurteilung wegen Betrugs und Wohnungseinbrüchen unter sogenannter Vorbewährung. Gegen die beiden Jüngeren laufen andere Verfahren wegen Körperverletzung.

Die Tat hatte wie ein ähnlich schwerwiegender Vorfall in einer Münchener U-Bahn-Station Ende Dezember eine öffentliche Diskussion über die Verschärfung des Jugendstrafrechts ausgelöst. In München hatte ein Rentner mehrere Schädelbrüche erlitten, als er von zwei Jugendlichen niedergestoßen und mit Fußtritten unter anderem gegen den Kopf schwerst verletzt wurde.

An der Gedenkstelle in Heilbronn war im April 2007 eine junge Polizistin erschossen, ihr Kollege schwer verletzt worden. Nach der Tat sicherte die Polizei am Dienstfahrzeug die DNA-Spur einer unbekannten Frau, die im Zusammenhang mit mehr als 20 Straftaten in Deutschland, Österreich und Frankreich aufgefallen war, darunter mehrere Mordfälle. Die Fahndung nach ihr blieb bisher erfolglos.

Nach der Schändung im Januar hatten Anfang Februar Unbekannte die Gedenktafel ausgegraben und in den Neckar geworfen. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit dem Kampf gegen die Jugendkriminalität. Die Tafel ist mittlerweile wieder aufgestellt.



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