Dossier: Stadtbahn Nord


Nach der bestehenden Stadtbahn-Linie 4 von Karlsruhe über Eppingen und Heilbronn nach Öhringen ist die Stadtbahn Nord, die vermutlich einst S7 heißen wird, das zweite große Nahverkehrsprojekt, das die Region Heilbronn gemeinsam schultert. 231 Millionen Euro wird die Linie mit den Endpunkten Sinsheim und Mosbach kosten.

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Hindernisparcours Allee-Baustelle

Von unserem Redakteur Helmut Buchholz

Hupen, spucken, falsch parken
Autos, Busse, Fußgänger, Bagger − alle durcheinander: In der Heilbronner Allee-Baustelle ändert sich die Verkehrsführung fast täglich. Die Hauptverkehrsader gleicht einem Hindernisparcours.Foto: Dennis Mugler 

Heilbronn - Wer wissen will, wie es sich anfühlt, als Autofahrer oder Fußgänger zurzeit in der Allee-Baustelle unterwegs zu sein, sollte die Bauarbeiter fragen, die dort die Stadtbahntrasse anlegen. Denn sie haben das Gewusel täglich vor Augen und sprechen auch komplizierte Dinge mit entwaffnender Einfachheit aus. Zum Beispiel einer der Baggerfahrer. "Das ist ein Hin- und Hergegurke hier", ärgert sich der 55-Jährige. "Meiner Meinung nach hätte man die Straße schließen sollen, damit wir Ruhe haben."

Starke Nerven

Doch die Stadtverwaltung wollte die Hautpverkehrsader für die Bauarbeiten nicht sperren: wegen der Tiefgaragenzufahrten und der Erreichbarkeit der Geschäfte. Darum gleicht die Baustelle einer Operation am offenen Herzen in einem Durchgangszimmer. Eine riskante Sache. Aber nicht für den Baggerfahrer. "Die anderen sollten mehr Angst vor mir haben, ich sitz’ ja in meinem Bagger." Allerdings hat der Schwarzwälder bemerken müssen, dass dieser Gleichmut nicht geteilt wird. Sein Eindruck: "Die Heilbronner hupen gerne." Doch der Baggerführer hat starke Nerven. "Würde ich mich jedes Mal aufregen, wäre ich längst im Irrenhaus gelandet."

Ganz schön aufregend ist das Überqueren der Allee für Fußgänger. Sie haben keine Hupe, auch keinen Bagger um sich herum. Dennoch meiden sie sogar die Unterführung am Theater, obwohl dies die sicherste Variante ist, auf die andere Straßenseite zu kommen. "Die Autofahrer passen hier schon auf", sagt eine ältere Dame. "Sie fahren extra langsam, wegen der Baustelle, denke ich." Allerdings sei sie auch schon beschimpft worden. "Und einige Autofahrer haben mich sogar bespuckt." Andreas Berk, Stadtbahn-Projektleiter der Heilbronner Bauverwaltung, hat sogar Ältere an Rollatoren und Krücken die Allee überqueren sehen. Dass die Fußgänger die Unterführung meiden, sei jedoch schon vor der Baustelle zu beobachten gewesen.

Der Shell-Tankstellen-Pächter hat einen guten Rat für alle Verkehrsteilnehmer: "Die Verkehrsführung wechselt fast täglich", sagt Eberhard Steimer. "Da muss man eben flexibel sein und sich anpassen." Wie die Autofahrer, die ziemlich flexibel sind: Wenn sie auf die Idee kommen, die Fahrtrichtung zu wechseln, fackeln sie nicht lange und nehmen die Abkürzung über den Mittelstreifen. Das ist zwar verboten, aber praktisch. Allerdings ist der Mittelstreifen oft nicht nur durch Baumaterialien oder Maschinen versperrt, sondern durch parkende Autos. Noch nie gab es auf der Allee so viele − wilde − Stellplätze wie zurzeit. Parkregeln? Gelten zurzeit offenbar nicht mehr viel. Da jeder parkt, wo es ihm gefällt, kommt es vor, dass andere Autofahrer einen zustellen. Wie einen 41-jährigen Ludwigsburger, der sich aber über die Zwangspause nicht ärgert. "Ich weiß ja, dass man hier eigentlich nicht parken darf", sagt er. "Darum rege ich mich nicht auf."

Kaum Unfälle

Die Politessen drücken zurzeit bei Falschparkern eher mal ein Auge zu. "Für die Geschäfte in der Allee ist es ja gut, wenn da Kunden mit ihren Autos stehen können", erklärt der Projektleiter. Ihn wundert es nicht, dass trotz der sich ständig verändernden Verkehrsverhältnisse kaum Unfälle passieren, wie auch die Polizei bestätigt. "Das ist unsere langjährige Erfahrung", sagt Berk. "Wenn die Situation unübersichtlich wird, sind die Verkehrsteilnehmer aufmerksamer."