Radwege in Heilbronn



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Radtour ins Ungewisse

Von Andreas Tschürtz

Radtour ins Ungewisse
Wurde bei der Neugestaltung der Kaiserstraße auch an Radfahrer gedacht? Grobes Pflaster und Straßenbahnschienen machen wenig Freude.Foto: Andreas Tschürtz 

Heilbronn - Erstes Erlebnis: Ich muss schieben. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Mein Plan: Ich, der Autofahrer, schwinge mich auf den Drahtesel und fahre selbst auf den von unseren Lesern so kritisierten Radstrecken Heilbronns: von der Harmonie nach Sontheim, dann den Neckar entlang nach Neckargartach und durchs Industriegebiet zurück in die Stadtmitte.

Doch jetzt verbietet mir gleich zu Beginn ein Schild die Fahrt auf der Allee, der Gehweg ist nicht für Radfahrer freigegeben. Aber wie heißt es? Wer sein Rad liebt, der schiebt. Das mache ich, auch noch am Wollhaus vorbei, bis ich dann endlich aufsteigen darf.

Sardinenbüchse

Kaum hundert Meter weiter endet in der Wilhelmstraße die Radspur schon wieder - das bekannte Problem. Darüber habe ich berichtet. Ich bin vorbereitet. Wenig später wird meine rechte Spur zur Abbiegespur in die Südstraße. Um weiter geradeaus fahren zu können, muss ich im dichten Verkehr vor der Kreuzung in die Mitte. Auf dem Rad, komme mir jetzt ziemlich klein und verloren vor. Damit habe ich nicht gerechnet. Und es wird nicht besser. Nach der Kreuzung fahre ich, eingeklemmt wie eine Sardine in ihrer Büchse, zwischen Autos, die mich dicht links überholen, und Autos, die rechts parken. Jemand rammt mir beim Aussteigen seine Fahrertüre fast ins Rad. Jetzt schwitze ich.

Es bleibt das dramatischste Erlebnis auf meiner Tour - doch nicht das einzige. Denn es geht hoch her auf Heilbronns Straßen. Ein Autofahrer ruft mir zu: „Einer wie Sie gehört umgefahren.“ Eine Autofahrerin nimmt mir, ganz ins Handytelefonat vertieft, die Vorfahrt, und merkt es nicht einmal. Die zahlreichen Autos, die meine Radwege als Parkplatz missbrauchen, sind dagegen kleine Peanuts.

Suchspiele

Richtig ärgert mich allerdings, dass ich immer wieder vergeblich nach Schildern suche. Die Radwege scheinen für Pfadfinder angelegt und nicht für Leute wie mich, die einfach sicher von A nach B geleitet werden wollen. Vom Industriegebiet stadteinwärts folgt auf ein erstes Schild lange kein zweites, aber mehrere Abzweigungen.

In der Frankfurter Straße bei der Theresienwiese ist ein Radweg angezeigt, aber leider nicht, wohin er denn führt. Von der Salzstraße kommend, fahre ich auf der Weipertstraße, weil das Schild, das mir die Mitbenutzung des Gehwegs erlaubt, hinter der Kurve versteckt ist. Anders als bei Autofahrern wird von Radlern offenbar genaue Ortskenntnis vorausgesetzt.

Das ist schade. Denn Heilbronn hat richtig tolle Radrouten. Durch den Wertwiesenpark zur Kaiserstraße am Neckar entlang etwa macht mir die Tour richtig Spaß. Schade, dass die beiden Touristen das dezente und von Blättern verdeckte Hinweisschild „Zentrum“ nicht sehen und weiter entlang der Kolpingstraße stadteinwärts fahren.

Auch der häufige Wechsel von Radweg, Gehweg und Straße verwirrt. Immer wieder frage ich mich, wo es für mich weitergeht, ob ich den Gehweg noch mitbenutzen darf oder schon auf die Straße muss.

In der Salzstraße frage ich ratlos einen entgegenkommenden Rentner: „Dürfen wir hier eigentlich fahren?“ Er antwortet: „Ich habe ehrlich gesagt auch keine Ahnung.“

Letzte Meter

Drei Stunden nach meinem Start bin ich in jeder Hinsicht am Ende. Ich radle die Kaiserstraße hinauf. Mein Rad rumpelt auf und ab über das grobe Pflaster. Ja, der Hintern schmerzt jetzt doch sehr. Aber ich erreiche gesund die Harmonie. Das zählt. Als ich mein Rad in der Tiefgarage ins Auto lade, denke ich: „Eigentlich war es nicht schlecht, mal wieder Rad zu fahren. Vielleicht probiere ich es das nächste Mal einfach woanders.“

31.07.2009


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